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Wo landet unser Müll Der Bauhof und der wilde Müll

Waiblingen. Jeden Montag und Donnerstagmorgen machen Gerold Ott und Richard Schubert eine Stadtrundfahrt von besonderer Sorte. Dabei klappern sie keine Sehenswürdigkeiten ab, vielmehr räumen die Männer von der Straßenreinigung den wilden Müll auf, den Unbekannte illegal entsorgt haben. Die Arbeit geht ihnen nie aus.

Spätestens um sieben Uhr, die nächtliche Kälte fühlt sich schon ziemlich winterlich an, steigen Gerold Ott und Richard Schubert in das orangerote, leicht altersschwache Multifunktionsauto. Die anzusteuernden Orte sind den Bauhof-Mitarbeitern zwar wohlbekannt, was sie dort erwartet, wissen sie aber nie ganz genau. Ziel sind die Container-Standorte in Kernstadt und Ortschaften. Wo ordnungsgemäß Glas, Altpapier und Altkleider eingeworfen werden sollen, findet sich immer wieder haufenweise Unrat. Mit überfüllten, zu selten geleerten Containern hat das in den wenigsten Fällen zu tun. Es handelt sich um Hausmüll, Sperrmüll und Elektroschrott, der dort nichts verloren hat. Eine Art Trend der vergangenen Jahre. „Beliebt sind besonders die Standorte, wo man bequem hinfahren und schnell das Auto entladen kann, ohne dass es jemand sieht“, weiß Gerold Ott. Die Standorte Schärisweg und Stadion (Ringstraße) in Neustadt sowie die Badstraße sind dabei besonders „zuverlässig“.

Ruckzuck ist die Ladefläche voll mit Sperrmüll

Wie so oft, haben Ott und Schubert beim Neustädter Stadion an diesem Montagmorgen alle Hände voll zu tun, obwohl die Kollegen am Freitag noch eine Zusatzrunde unternommen haben. Kartonagen, Styropor, Blumentöpfe, Mehrfachsteckdosen, Büroordner, Glas und Hausmüll liegen chaotisch um die Container verteilt. Oft werden ja angeblich hohe Müllgebühren beklagt. Doch ein Großteil von dem Zeug, das ruckzuck die halbe Ladefläche des Multifunktionsautos füllt, hätte kostenlos in die Gelbe Tonne gestopft oder im Recyclinghof abgegeben werden können. „Pure Bequemlichkeit“ vermutet Ott als wahres Motiv.

Eher unbequem sind die Folgen für ihn und seinen Kollegen. Richard Schubert muss mit dem Rechen zwischen die Büsche steigen, um Plastikverpackungen und Müllbeutel hervorzukramen. Mal werfen die Leute den Kram gleich in die Pampa, mal sind es Ratten und Wildtiere, die auf der Suche nach Fressbarem die Tüten zerfetzen und in die Grünanlagen zerren – das Ergebnis ist das gleiche. Während die beiden Männer in Orange den Container-Standplatz aufräumen, sind von irgendwo hinter den Büschen, vom Schulgelände her Stimmen von Jugendlichen zu hören, dann klirrendes Glas. Arbeit für den Hausmeister.

Die Entsorgungsunternehmen, die für die Leerung der Container zuständig sind, müssen nicht für die Sauberkeit der Standorte sorgen. In Waiblingen wie in vielen anderen Kommunen obliegt diese Aufgabe dem Bauhof. Zweimal die Woche machen dessen Mitarbeiter die Containertour, bei Bedarf und entsprechender personeller Besetzung auch öfter. Über die Menge des gesammelten Materials macht die Stadt keine Erhebungen, doch allein die wöchentlich investierte Arbeitszeit spricht Bände. Brauchbares wie Holz und Metall sortiert der Bauhof selbst aus, das Gros geht zur Müllverbrennung oder zur Sortierung am Neckarhafen. Gleiches gilt für den Inhalt der öffentlichen Müllkörbe, die von der Straßenreinigung geleert werden, und wilden Müll, der in der Talaue oder im Wald gefunden wird. Der Umstand, dass immer wieder große Mengen im Forst entsorgt werden, beschäftigte neulich auch den Bittenfelder Ortschaftsrat. Sogar das Stichwort Videoüberwachung fiel dabei.

Wo schon Müll liegt, gesellt sich schnell noch mehr dazu

In solchen Fällen wird der Kommunale Ordnungsdienst der Stadt Waiblingen tätig. Im zweiten und dritte Quartal des laufenden Jahres behandelte er 23 Fälle wilder Müllentsorgung, etwa gleichmäßig verteilt auf Kernstadt und Ortschaften. „Die Täter lassen sich praktisch nie ermitteln“ sagte Oliver Conradt, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste, neulich im Ratsausschuss. Letztlich liege der Fokus darauf, den wilden Müll schnellstmöglich wegzuschaffen, denn: „Wenn er erst einmal liegt, kommt erfahrungsgemäß schnell weiterer Müll dazu.“

Ott und Schubert haben schon allerhand gesehen, was weder in den Wald noch auf die Straße gehört: Matratzen, Kühlschränke, Waschmaschinen und „wie die Pest“ stinkenden Restmüll. Dann haben selbst die gut gelaunten Straßenreiniger die Nase voll. Aus einem geplatzten Müllbeutel beim Bädertörle troff einmal fließendes Fett, das in die Rems zu laufen drohte. Zwei Stunden brauchte Gerold Ott zur Beseitigung. Es wurden auch schon ganze Wohnzimmer-einrichtungen gefunden, sagt Betriebshofleiter Achim Wieler: Sofa, Sessel, Schrank und dazu ein Fernseher.

Richtig viel Mühe gemacht hat sich der heute in Beutelsbach wohnende, frühere Waiblinger ALi-Stadtrat und „So nicht!“-Sanierungs-Veteran Helmut Grösch, den alle nur als den „Düse“ kennen. In den Wäldern des Rems-Murr-Kreises, selbst aus idyllischsten Winkeln, hat er massenhaft Sperrmüll und Elektrogeräte aufgesammelt und seine Funde fotografisch dokumentiert. Beispiele anbei.

So teuer kann illegale Müllentsorgung sein

Wilde Müllentsorgung kann den Verursacher teuer zu stehen kommen. Wer „nur“ Kleinstmengen wie Zigarettenschachteln wegwirft, kommt mit immerhin 75 Euro davon, falls er erwischt wird. Illegale Entsorgung von Sperrmüll wie Waschmaschinen oder Möbel kann rasch je nach Menge 150 Euro bis mehrere Tausend Euro kosten. Sollen umweltschädliche Stoffe wie Lacke oder Öle enthalten sein, handelt es sich sogar um eine Straftat. Theoretisch ist dann sogar eine Haftstrafe bis fünf Jahre möglich.

Wer Hinweise auf Verursacher in Waiblingen geben kann, darf sich unter 0 71 51/50 01-583 gerne bei der Stadt melden. Der Fachbereich Bürgerdienste bittet, sich nicht nur Kfz-Kennzeichen zu notieren, sondern auch möglichst eine Personenbeschreibung der Verursacher zu geben. Die Behörden brauchen einen „qualifizierten Anfangsverdacht“.

Die Stadt Waiblingen hat unter 0 71 51/50 01-177 ein „Kehrtelefon“ eingerichtet, bei dem kleinere oder größere Verschmutzungen auf Straßen, Wegen, rund um Papierkörbe, auf Waiblinger Containerstellplätzen sowie Graffiti-Schmierereien oder gar Vandalismus direkt der zuständigen Stelle gemeldet werden können. Dazu gehören auch Schlaglöcher, klappernde Schachtdeckel und Ähnliches. Die Anregungen sollen rasch und unbürokratisch behoben werden.

 

 Die ganze Serie, finden Sei auf www.zvw.de/muell

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