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Wo landet unser Müll Ein Rohstoff namens Abfall

Heinrich Kosok hilft den Leuten, den richtigen Container für ihren Müll zu finden. Foto: Schlegel

Waiblingen. Wer in letzter Zeit mal umgezogen ist, der weiß Recyclinghöfe zu schätzen. Denn mit jedem Möbelstück kommen Berge von Karton, Styropor und Folien ins Haus und verstopfen den Keller. Eine neue Stehlampe, ein neuer Toaster – schon sind die alten Geräte im Weg. Auf dem Recyclinghof kann der Bürger Ballast abwerfen.

Und das für umsonst. Denn was auf dem Recyclinghof in Waiblingen-Süd landet, ist streng genommen gar kein Müll. Wie der Name schon sagt, das Ziel heißt Wiederverwertung. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft Rems-Murr verkauft die in den 13 Recyclinghöfen abgegebenen Wertstoffe weiter an Partnerfirmen und verdient damit zumindest teilweise gutes Geld. Wobei der Betrieb der Höfe und die Logistik auch erhebliche Kosten verursacht. Stundenweise haben die Recyclinghöfe je nach Standort geöffnet, das Personal vor Ort stellt die Firma Alba. Der Konzern für Entsorgung und Recycling, dessen regionale Tochter ihren Sitz im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental hat, spielt bei der Verwertung des Mülls aus dem Rems-Murr-Kreis in verschiedenen Bereichen eine wichtige Rolle. Kleine Kuriosität am Rande: Fellbach, mit 44 000 Einwohnern zweitgrößte Stadt des Landkreises, hält sich vornehm zurück und hat weder eine Deponie noch einen Recyclinghof. Angeblich in Ermangelung eines geeigneten Standorts laden die Kappelbergstädter ihren Müll in Waiblingen beziehungsweise in der Winnender Deponie ab.

„Verlässliche Partner für ordentliche Entsorgung“

Was passiert mit den Wertstoffen, die in Waiblingen-Süd in die Container geworfen werden? Föhn, Toaster und andere Klein-Elektrogeräte verkauft die AWG ebenso wie Computer und Fernseher an die Recyclingfirma Pfahler aus Dinkelsbühl. Also aus den Augen, aus dem Sinn? Mitnichten, versichert AWG-Abteilungsleiter Dr. Manfred Siglinger, der übrigens auch für die Grüne Offene Liste im Weinstädter Gemeinderat sitzt. Die Mittelfranken seien ein verlässlicher, zertifizierter Partner, der mit ebensolchen Partnern zusammenarbeite. „Wir haben uns auch vor Ort von der hochwertigen Arbeit der Firma überzeugt.“ Ordnungsgemäß auf den Recyclinghöfen entsorgter Elektroschrott gerate nicht auf dubiose Wege. Ob Siglinger dafür die Hand ins Feuer halten würde? „Ja, sogar beide!“

Deutscher Elektroschrott auf giftigen Müllhalden in Afrika

Dennoch landet Elektroschrott aus Europa zu Tausenden von Tonnen immer wieder in Afrika, wo arme Schlucker auf hochgiftigen Müllhalden für einen Hungerlohn nach Verwertbarem suchen. Berüchtigt dafür ist die Elektroschrotthalde Agbogbloshie in der ghanaischen Metropole Accra, die als „Toxic City“ und giftigste Stadt der Welt gilt. Tatsächlich konnte der Zoll vor einigen Jahren den Weg eines illegal in Accra gelandeten Containers in den Rems-Murr-Kreis zurückverfolgen. Ein Ring von Sammlern hatte die Geräte in der Region zusammengetragen, in Fellbach zwischengelagert und dann über Hamburg nach Übersee verschifft. Wer sicher sein will, dass sein alter Fernseher nicht auf solche Bahnen kommt, gibt ihn nicht den Greifern, die vor den Recyclinghöfen die Anlieferer abpassen. Diese illegalen Sammler haben bei der AWG Hausverbot, dennoch kommen sie immer wieder – „es sind immer die gleichen“. Immerhin sind es nicht mehr so viele wie noch vor einigen Jahren. Immer wieder kommt’s auch zu nächtlichen Einbrüchen, erzählt Dagmar Hecker, die seitens der Abfallwirtschaftsgesellschaft die Höfe betreut. Zuletzt gingen die Erlöse auf dem Elektroschrottmarkt so weit zurück, dass die AWG bei Kühlschränken ebenso wie bei Leuchtstofflampen von der Eigenvermarktung abrückte. Somit greift das Elektro-Altgeräteregister – die Hersteller müssen für die Verwertung selbst Sorge tragen.

Gerne genutzt wird auf dem Recyclinghof die Möglichkeit, Verpackungsmüll, der daheim nicht in die Gelbe Tonne passt, abzugeben. So fallen besonders bei Möbelkäufen große Mengen Styropor an. Die Entsorgung obliegt der Firma Remondis Süd mit Sitz in Freiberg/Neckar. Häufige Verwertungsmöglichkeiten sind Baustoffe wie Porotonsteine oder Gärtnererde.

Bei Altmetall und Glas kommt wieder die Firma Alba ins Spiel. Im Container häuft sich eine wilde Mischung aus Stühlen, Schüsseln und Spülbecken, die als Mischschrott vermarktet wird. Darin enthalten sind Stücke mit geringem Wert ebenso wie Kupfer und Edelstahl als „Sahnestücke“. Die Schrottpreise unterliegen weltmarktbedingt erheblichen Schwankungen und variieren quasi monatlich, derzeit mit Tendenz nach unten. Große Abnehmer sind türkische Stahlwerke. Altglas wird im Idealfall wieder zu Flaschen und Gläsern, das Recycling ist viel energiesparender und billiger als die Neuherstellung. Deckel werden per Magnet rausgefischt. Die Verwertbarkeit in den Glashütten hängt stark von der Sortierung nach Farben ab. „Weißglas“ mit braunem und grünem Glas wird einfach nicht mehr weiß. Zum Glück rückläufig ist der Gehalt an Steingut-Flaschen, die das recycelte Glas brüchig machten – „ein Teufelszeug“. Der häufig geäußerten Kritik, am Ende kämen eben doch alle Farben auf einen Haufen, widerspricht Siglinger. „Das sieht bei der Abholung vielleicht so aus, aber die Fahrzeuge haben unterschiedliche Kammern für jede Glassorte.“ Aus ökonomischer Sicht hätte es keinen Sinn, alles wieder zu vermischen. „Da wären die Recyclingfirmen ja blöd.“

13 Standorte

Folgende Wertstoffe nehmen die Recyclinghöfe an: CDs/DVDs, Elektro-Altgeräte (keine Kühlgeräte), Energiesparlampen (keine Leuchtstoffröhren), Gelbe-Tonne-Material, Glasflaschen, Kartonagen, Haushaltsbatterien, Korken, Altmetall, Papier. In Murrhardt, Kernen und Welzheim kann außerdem Grüngut bis zu einer Menge von zwei Kubikmetern angeliefert werden.

Nicht angenommen werden zum Beispiel Haus- und Sperrmüll, Kühlgeräte, Bauschutt, Holz, Autobatterien und Problemabfälle.

Recyclinghöfe gibt es in Backnang, Kernen-Rommelshausen, Korb, Leutenbach, Murrhardt, Plüderhausen, Remshalden-Grunbach, Schorndorf, Urbach, Waiblingen, Weinstadt-Endersbach, Welzheim und Winterbach. Wertstoffe können auch auf den vier Deponien im Rems-Murr-Kreis (Backnang-Steinbach, Kaisersbach „Lichte“, Winnenden „Eichholz“ sowie Schorndorf) kostenfrei angeliefert werden.

Zur Sicherheit hier nochmals die Teilnehmer an der Sommertour zur Müllverbrennung in Münster (Treffpunkt Pforte Voltastraße, 2. September, 9 Uhr). Bitte festes Schuhwerk. Vor Ort müssen alle eine Sicherheitserklärung unterschreiben. Ausgeloste Einsender sind: Timo Bukatsch, Gottfried Kronberger, Monika Ottlinger, H. und B. Voigt, Bruno Jenisch, Ursula Hartl, Karl Mannschreck, Alexander Seybold, Karin Müller, Brigitte Klohn, Klöpfer, C. und M. Schwendemann.

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