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Wo landet unser Müll Sie erteilen dem Müll eine Abfuhr

Waiblingen. Ob bei 39 Grad Hitze, bei Schnee oder Dauerregen: Auf Lajos Horvath und Cleophas Hondi ist Verlass. Der aus Ungarn stammende Fahrer und der Lader aus dem Kongo leeren die Mülltonnen in Waiblingen sowie in anderen Städten und Gemeinden des Rems-Murr-Kreises. Eine Tour durch das Wohngebiet Galgenberg.

Unterhalb des Galgenbergs, auf der Neustädter Straße, herrscht wieder viel Verkehr. Mit Handzeichen bittet Cleophas Hondi die Autofahrer, kurz zu warten, und gibt ihnen Sekunden später den Wink, weiterzufahren. Lässig wirkt er, fast tänzelnd bewegt er sich zwischen Gehweg, wo die Tonnen Spalier stehen, und der Schüttung des Müllautos, wo die Eimer in die Höhe gewuchtet und gekippt werden, bis der Inhalt in die alles verschluckende Trommel stürzt und im Innern des Lkw verschwindet. Aber der Job ist knochenhart. Ständig abspringen und wieder aufspringen, um nach ein paar Metern Fahrt wieder aufzuspringen. Ein Segen, dass die Schwarzen Tonnen Rollen haben, trotzdem scheinen manche schwer wie Schränke. So eine Zwei-Wochen-Ladung Babywindeln ist eine gewichtige Angelegenheit. Doch so anstrengend es auch wird, Cleophas Hondi verliert nie den Verkehr aus den Augen. Nie kommt er hinter dem Müllauto hervor, ohne vorher zu gucken. Unaufmerksamkeit kann für einen Müllmann gefährlich werden. Einmal wurde er von einem Motorradfahrer gestreift, der glaubte, er müsse schnell durch die Lücke preschen. Eine halbe Stunde schmerzte der Arm bei jeder Bewegung. Schlimmeres ist ihm zum Glück nicht passiert.

Der tägliche Muskelschmerz am Feierabend

Die Belegschaft ist international wie das Duo Horvath/Hondi – die Arbeiter kommen von der Elfenbeinküste, aus Russland oder Rumänien. Der 40-jährige Kongolese macht den Job seit zehn Jahren. Obwohl er ein sportlicher Typ ist, schmerzen nach Feierabend immer die Oberarme. Dann steigt er unter die Dusche und balsamiert die müden Muskeln ein, das hilft. Am frühen Morgen beginnt die nächste Tour, schon vor sechs Uhr fahren die Kollegen am Firmensitz in Murrhardt los. Zwei Ladungen schaffen sie täglich in die Müllverbrennungsanlage nach Stuttgart-Münster. In den Tagen der Hitzewelle machte die Trommel des Müllautos schon früher schlapp, weil sich Gase bildeten. Da mussten die Kollegen schon frühzeitig nach Münster zum Abliefern, damit die Maschine wieder lief.

40 Grad Celsius herrschten bei Lajos Horvath im Führerhaus. Ungleich heißer wurde es für den Lader, der jede Gelegenheit wahrnahm, sich Wasser über den Kopf zu schütten. Gegen die stechende Sonne schützte er sich mit einer Eigenkonstruktion: An einem kleinen, bunten Sonnenschirm hat er ein Gestell wie von einer Schirmlampe befestigt, das er sich bei Bedarf auf den Kopf setzt.

Im Birkenweg rangiert Lajos Horvath das Müllauto rückwärts durch die Sackgassen, die Wendeplatten wären für eine Kurve viel zu klein. Kein Problem für den routinierten Fahrer, der sich bei seinem Manöver voll auf die Spiegel verlässt. Richtig eng gehe es in der Innenstadt von Fellbach zu, wenn Autos scharf am Straßenrand parken und nur noch eine Handbreit Platz bleibt. Hält er zum Beladen an, beobachtet er seinen Kollegen auf einem kleinen Bildschirm, damit er weiß, wann er weiterfahren kann. Je nach Dienstplan holen die beiden auch Biomüll. Da stoßen sie immer wieder mal auf Falschwürfe. Unter Grüngut fanden sie sogar schon Bauschutt versteckt.

Kinder stehen winkend am Straßenrand

Ebenso wie Horvath sagt Hondi: Es ist eine gute Arbeit.“ Wenn ihn der Geruch stören würde, so ergänzt er, könnte er sie nicht machen. Die beiden erledigen sie gelassen und gut gelaunt. Im Eichenweg steht eine Frau mit einem kleinen Jungen am Straßenrand, augenscheinlich Oma und Enkel. Beide winken vergnügt – Horvath und Hondi winken freundlich zurück. Kinder lieben die Müllabfuhr. Mit ihrem Geklapper und Gedröhn ist sie immer eine Attraktion. Durchs halb geöffnete Fenster des Führerhauses steigt derweil süßlicher Gestank. Aber der Fahrer zuckt die Schultern und winkt ab: „Das nimmt man irgendwann gar nicht mehr wahr.“ Der 66-Jährige schafft seit 23 Jahren als Fahrer bei der Firma Schäf und hat verlängert, obwohl er ja schon in Rente gehen könnte. „Die 25 Jahre will ich noch vollmachen.“

So funktioniert’s

Treffpunkt für die Sommertour der Waiblinger Kreiszeitung ist am Mittwoch, 2. September, um 9 Uhr das Müllheizkraftwerk Stuttgart-Münster, Pforte Voltastraße.

Parkplätze sind nur in begrenzter Anzahl vorhanden. Daher wird empfohlen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Vom Hauptbahnhof geht’s mit der Stadtbahn-Linie U 14 bis zur Haltestelle Mühlsteg.

Für Gehbehinderte ist diese Sommertour leider nicht geeignet.

Anmeldung: Bitte mit dem Coupon oder per Mail an waiblingen@zvw.de. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, wobei das Los entscheidet. Die Teilnehmer werden in der Freitagsausgabe bekanntgegeben.

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