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Zukunft StadtEin Hauch von Mittelalter

olm, vom 23.09.2012 13:34 Uhr
Die Städte werden weiter wachsen, prognostiziert Trendforscher Horx. Foto: Mierendorf
Die Städte werden weiter wachsen, prognostiziert Trendforscher Horx.Foto: Mierendorf

Stuttgart - Geht es nach Matthias Horx, ist die Verdichtung der Städte der nächste Megatrend. Denn für den Zukunftsforscher ist diese „neue Urbanität” in vielen deutschen Städten längst in vollem Gange. Horx war auf Einladung des Vereins Frauen in der Immobilienwirtschaft nach Stuttgart gekommen. Auf deren Bundeskongress schilderte er, wie sich das Wohnen aus seiner Sicht in den nächsten Jahrzehnten verändern werde.

Dass zunehmend Ältere, Familien und Kreative wieder in die Städte ziehen, nachdem sie in den 1990er Jahren noch ihr Glück auf dem Land suchten, wertet der Trend- und Zukunftsforscher bereits als ein Indiz dafür, dass die Städte sich weiter verdichten werden. Die Gründe dafür liefert er gleich mit: „In einer Stadt kann der Mensch viel besser mit den Themen Energie und Verkehr umgehen als auf dem Land”, sagt er. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die CO2-Ausstöße von Großstädten pro Kopf viel günstiger seien als die von Kleinstädten und Dörfern. Auch ziehe es immer mehr Menschen in die großen Städte, weil sie bewusst die Distanz suchten, die sie nur in der Stadt finden könnten. „Die meisten Menschen wollen heute eine Art Facebook-Reality, in der sie ihre Freundschaften und Netzwerke von der Nähe und Distanz her dosieren können”, glaubt der Trend- und Zukunftsforscher. Deshalb gebe es auch immer mehr Cohousing-Projekte. Bei dieser Idee aus den 1960er Jahren bilden sich private Siedlungsgemeinschaften, die verschiedene Gemeinschaftseinrichtungen selbstbestimmend unterhalten. Diese neue Urbanität werde die Städte künftig vor große Herausforderungen stellen, glaubt Horx.

Mittelalterliche Kerne müssen rekonstruiert werden

So müssten die Kommunen erst noch lernen, wie sie in der Zukunft diese neuen Lebensformen strukturieren wollen. „Das ist viel anspruchsvoller, als einfach irgendwo auf der grünen Wiese ein neues Siedlungsprojekt zu planen”, so der Trendforscher. Horx macht für diese Entwicklung unter anderem die Industrialisierung des frühen 19. Jahrhunderts verantwortlich. Diese Entwicklung habe erst zur Zersiedelung der Städte geführt. Heute müsse man in gewisser Weise die mittelalterlichen Kerne wieder rekonstruieren, damit die Städte erneut zu einer Mischung aus Leben, Arbeiten, Geselligkeit und sozialer Nähe werden. Dabei gehe es weniger um neues Geld für neue Bauten, sondern vor allem darum, neue Lebensformen und neue Wege des Miteinanders zu entwickeln. Während der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx auf dem Bundeskongress der Immobilienfrauen weit in die Zukunft blickte, setzten die übrigen Gastredner eher lokale Akzente. So erläuterte Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster Vorzüge und Nachteile einer Stadt, deren Typografie nur begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten lässt. Stuttgarts Wirtschaftsförderin Ines Aufrecht war es dann überlassen, den Branchenexpertinnen die Vorteile der Landeshauptstadt aufzuzeigen, und Eva Dietl-Leuzner von Drees & Sommer erläuterte den rund 120 Teilnehmerinnen das Projekt Stuttgart 21 aus dem Blickwinkel einer ehemaligen stellvertretenden Projektverantwortlichen. „Alles in allem eine sehr informative und gelungene Veranstaltung”, resümiert abschließend Professor Susanne Ertle-Straub, die Sprecherin der Stuttgarter Regionalgruppe.

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