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Veronika Wulf befragte ihre ehemaligen Schulkameraden an der Waldorfschule Engelberg über ihre Zukunftspläne.
Der Lernstress ist vorbei. E-Funktionen, Schwächen der Weimarer Reichsverfassung, chemische Bindungen, musikalisch-rhetorische Figuren und vieles mehr kann erstmal wieder vergessen werden. Zum ersten Mal im Leben hat man die Zeit und das Recht, den ganzen Tag das zu tun, was man will. Nun müssen Entscheidungen getroffen werden. Soll ich studieren? Wenn ja, was? Und wo? Oder lieber eine Ausbildung? Ein freiwilliges soziales Jahr? Geh ich ins Ausland? Mach ich ein Praktikum?
Und schon ist der Stress wieder da. Die Bewerbungsfristen rücken näher, für das Kindergeld braucht man Bescheinigungen, die Dauerfahrkarte ist nicht mehr gültig. Habe ich mich für eine Uni entschieden, kommt das aufwändige Bewerben. Einfach einschreiben eine Woche vor Semesterbeginn, ist kaum mehr möglich. Je nach Uni braucht man verschiedene Unterlagen wie Lebenslauf, Motivationsschreiben, Praktikumsbescheinigungen, Orientierungstests, Zeugniskopien... Zudem muss man sich online bewerben und für viele zulassungsbeschränkte Fächer einen Eignungstest machen. Zum Wintersemester 2011/12 werden so viele Studienanfänger erwartet wie nie zuvor. 500 000 sollen es nach Schätzungen der Hochschulexperten von CHE Consult werden. Das liegt zum einen an der Abschaffung der Wehrpflicht, zum anderen an einem deutschlandweiten Anstieg der Schulabgänger mit (Fach-)Abitur um 1,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Und welche Pläne haben meine ehemaligen Schulkameraden?
Daniel, 19:
Daniel geht den klassischen Weg: Abitur, Praktikum, Studium. Das Praktikum absolvierte er beim Carl Gustav Carus-Institut für Krebsforschung, dann jobbte er sich etwas Geld zusammen und fuhr für ein paar Wochen an die Atlantikküste, bis das Wintersemester begann. Nebenher lief das zähe Warten auf die Zusagen der Unis. Bei vier Universitäten hatte Daniel sich beworben, für Biologie, Life Science oder Lebensmittelchemie. Die Fächerwahl war für ihn als begeisterten Angler, Schnorchler und Aquarianer schnell entschieden. „Ich war schon immer eine Wasserratte und habe kleine Flusskrebse und anderes Getier aus dem Wasser gefischt.“ Sein Traum ist eine eigene Tauchstation auf einer Südseeinsel. Alternativen: Als Biologe im Umwelt- oder Tierschutz, in Forschung, Wissenschaft oder für erneuerbare Energien.
Eigentlich hatte Daniel geplant, nach der Schule eine Weltreise zu machen, doch der Doppeljahrgang, der nächstes Jahr durch die Umstellung von G9 auf G8 kommen wird, war einer der Gründe, warum er doch schon dieses Jahr mit dem Studium beginnen wollte. Ins Ausland kann er trotzdem, beispielsweise für ein Auslandssemester nach Neuseeland, wo er bereits Kontakte hat.
Naemi, 19:
Gerade kam Naemi aus Südfrankreich zurück, wo sie sechs Wochen lang Au-Pair war, da stand schon die nächste Reise an: ein Jahr nach Ecuador. Über „Weltwärts“, den Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kam sie auf die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit). Der Vorteil an der GIZ: Die Organisation ist staatlich, und man muss nichts zahlen, um im Ausland zu arbeiten. Naemi wird in Ecuador in einem kleinen Dorf wohnen und für 100 Euro im Monat in einer Initiative zur Unterstützung von Biobauern arbeiten. „So genau weiß ich noch nicht, was mich erwartet. Ich lass mich überraschen“ sagt die Abenteurerin. Vor vier Jahren war sie für ein Jahr in der Dominikanischen Republik und lernte Spanisch. Die Zeit dort war „genial“. Noch heute ist sie ehrenamtlich aktiv für die Jugendaustauschorganisation AFS, über die sie in die Dominikanische Republik kam. Sie kümmert sich um Austauschschüler, organisiert Camps und Freizeiten. Und wenn sie zurückkommt, dann geht’s an die Uni? Von wegen! „Dann will ich noch ein bisschen mein Englisch aufbessern, in Kanada oder Indien.“ Denn die Möglichkeit, so viel zu reisen, habe sie nur jetzt. Doch das Studienfach für danach steht schon fest: International Business, am liebsten als Duales Studium. Ihre Favoriten sind Daimler und Kärcher, beide Unternehmen sind in der Nähe. „Nachdem ich dann so viel gereist bin, will ich auch mal daheim bleiben.“
Svea, 19:
Svea wollte erstmal ins Ausland. Mit ihrem Abiturschnitt von 1,3 muss sie es nächstes Jahr mit einem Doppeljahrgang von Studienanfängern aufnehmen. Über die Au-Pair-Vermittlungsorganisation „AuPairWorld“ hat sie eine Familie in Paris gefunden, bei der sie für sechs Monate wohnen und auf drei kleine Jungen aufpassen darf. Nebenbei besucht sie dort die Au-Pair-Sprachschule. Ihre Freude an Sprachen hat Svea bei ihrem Englandaufenthalt in der 10. Klasse entdeckt. Da sie in der Schule lediglich Englisch und Französisch hatte, möchte sie jetzt noch Spanisch lernen. Dafür würde sie gerne - nach ihrem Frankreichaufenthalt - nach Spanien gehen, wieder als Au-Pair. „Denn im Sommersemester mit dem Studium anzufangen, ergibt für mich keinen Sinn. Die Fächerauswahl ist zu dieser Zeit sehr klein und es war nichts dabei, was mich interessiert.“
Studieren möchte sie gerne International Management oder International Business, Hauptsache, es hat etwas mit Fremdsprachen und Organisieren zu tun. Und dann vielleicht im Ausland leben, sagt sie, „am liebsten im Süden mit viel Sonne.“
Theresa, 19:
Sechs Jahre hat Theresa auf diesen Moment gewartet. Denn damals, mit 13, hat sie ihr erstes Musical gesehen, und sofort war klar: Ich will Musicaldarstellerin werden. „Ich war begeistert! Ich finde es einfach wunderbar, den Menschen eine Geschichte erzählen zu können, sie zu berühren und zu begeistern.“ Seither hat sie mindestens hundert Musicals gesehen. Die Schulzeit war schwierig für sie. „Ich fühlte mich fehl am Platz.“ Sie wollte Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin werden, sofort. Das letzte Jahr an der Schule war besonders stressig. Durch Abi und Aufnahmeprüfungen an den Musicalschulen, zu denen sie auf ihre Bewerbung hin eingeladen wurde, war sie doppelt belastet. Studieren oder ins Ausland gehen, das kommt für sie nicht in Frage. „Jetzt möchte ich endlich loslegen.“ Musicalschulen sind beliebt, sie bieten nur wenige Plätze für viele Bewerber, das Auswahlverfahren ist hart. Theresa hat es geschafft, sie hat einen Platz an der Abraxas Musical Akademie in München. Im September ging es los. Doch was, wenn das mit der Musicaldarstellerin nicht klappt? „Es muss“, sagt Theresa. „Man muss hinter seinem Berufswunsch stehen, sich dafür begeistern können. Und das ist bei mir definitiv der Fall.“
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Marie-Kristin Döbler hat den Film über Colin Clarks Erinnerungen an Marilyn Monroe gesehen.
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