VfB Stuttgart

Überraschend treffsicher: Wie aus der vermeintlichen Problemzone das Prunkstück des VfB wurde

Doppelpack
Der Stuttgarter Doppel-Torschütze Sasa Kalajdzic (l) hatte vergessen, sich im Managerspiel aufzustellen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa © Sebastian Gollnow

Wenn einer der jungen Wilden des VfB Stuttgart nicht trifft, trifft eben ein anderer: Sasa Kalajdzic war beim 2:2 gegen den 1. FC Union Berlin mit zwei späten Toren der Mann des Spiels. Dennoch ärgert sich der österreichische Stürmer - über sich selbst.

Mit seinem Doppelpack und seinem Aufstieg zum Remis-Retter hatte Kalajdzic offenbar selbst nicht gerechnet. Als Fan des Fußball-Manager-Spiels „Kickbase“, bei dem man sein eigenes Team zusammenbaut, hatte er sich selbst nämlich draußen gelassen.

„Ich Trottel habe mich nicht aufgestellt“

Und er ärgerte sich dementsprechend, als er nach den turbulenten Schlussminuten und seinen Toren zum 2:2 nach 0:2 gegen den 1. FC Union Berlin seine App auf dem Handy checkte. „Ich habe auf Kickbase geschaut und ich Trottel habe mich nicht aufgestellt. Das ist wirklich doof gewesen“, sagte Kalajdzic bei Sky.

So brachte sein furioser Auftritt dem VfB zwar den 18. Zähler dieser Saison, mit dem kaum noch zu rechnen war. Für sein Hobby aber sammelte der Stürmer keine Punkte. Dass sich der Österreicher nicht selbst für eine Startelf einplante, ist aber sogar durchaus nachvollziehbar.

Nach seinem gelungenen Saisonauftakt war der 23-Jährige beim überraschend starken Aufsteiger in den Hintergrund gerückt. Während Teamkollegen wie Nicolas Gonzalez, Silas Wamangituka oder Tanguy Coulibaly die Fachwelt verzückten, saß Kalajdzic zuletzt meist auf der Bank - ehe er sich nun ins Rampenlicht katapultierte.

Zittern um den Ausgleichstreffer

Zwar hatte sich auch Trainer Pellegrino Matarazzo für das Spiel gegen den Tabellensechsten Union zunächst wieder nicht für den Zwei-Meter-Mann aus Wien entschieden. Als er ihn in der 80. Minute einwechselte, war gerade das 0:2 von Taiwo Awoniyi (77.) gefallen, der nach dem frühen Rückstand durch Marvin Friedrich (4.) erhöhte.

Doch dann kam eine Ecke von Philipp Klement und ein Kopfballtor von Kalajdzic (85.). Es folgte eine Vorlage von Daniel Didavi - und das 2:2 (90.). Aber erst nach einem langen Videobeweis, Schiedsrichter Sascha Stegemann hatte es zunächst nicht gegeben.

„Zuerst hat er Handspiel gesagt, dann plötzlich sagt er, es war eh keine Hand, sondern was anderes. Es nervt einfach dieses Warten, Warten, Warten“, meckerte der Torschütze: „Ein bisschen gezittert habe ich schon.“

Glückwünsche für den ersten Bundesliga-Doppelpack

Im Sommer 2019 war Kalajdzic zum VfB gewechselt, verpasste dann aber wegen eines Kreuzbandrisses fast die gesamte Aufstiegssaison. Am Dienstagabend verließ er als einer der letzten VfB-Spieler das Stadion und streckte die Faust nach oben in Richtung der verwaisten Tribüne, von der ihm „Sasa“-Rufe aus dem VfB-Lager als Glückwünsche für seinen ersten Bundesliga-Doppelpack entgegenschallten.

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„Ich glaube, er musste in den letzten Spielen auch ein bisschen leiden, weil er nicht immer zum Einsatz gekommen ist“, sagte Trainer Matarazzo und antwortete schmunzelnd auf die Frage, ob er Kalajdzic nicht hätte früher bringen sollen: „Vielleicht fünf Minuten früher, vielleicht hätte er drei Tore geschossen - wer weiß?“

„Wenn einer einen schlechten Tag hat, kommt der Nächste und haut die Dinger rein“

Die mutmaßlichen Sturmprobleme, über die gerätselt worden waren, als im Sommer der Abschied von Gonzalez drohte oder als der Argentinier zum Saisonbeginn fehlte, haben sich auf jeden Fall nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Die jungen Angreifer erweisen sich als überraschend treffsicher - und wenn die einen mal nicht treffen, springt eben ein anderer ein.

Aus der vermeintlichen Problemzone des Aufsteigers wird so ein wahres Prunkstück. 26 Saisontore stehen nach elf Spieltagen schon auf dem VfB-Konto. Lediglich der Triple-Sieger aus München traf bislang häufiger (35). Ein torloses Spiel mit Beteiligung der Stuttgarter gab es in dieser Spielzeit noch nicht.

Kalajdzic hatte nach den ersten drei Spieltagen bereits drei Bundesligatore geschossen - und erzielte erst mehr als zwei Monate später seine Tore vier und fünf. „Wenn einer einen schlechten Tag hat, kommt der Nächste und haut die Dinger rein“, sagte Matarazzo. „Das ist sehr positiv, besonders weil uns das Anfang der Saison keiner zugetraut hat.“