VfB Stuttgart

16-jähriger Fellbacher in der E-Sports Weltspitze

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Lukas Seiler steht als E-Sports-Talent bei seinem Herzensverein VfB Stuttgart unter Vertrag. © VfB Stuttgart

Lukas Seiler „zockt“ gerne. Wie unzählige junge Menschen auf der ganzen Welt spielt der 16-Jährige aus Fellbach das Fußball-Videospiel Fifa. Der feine Unterschied: Seiler gehört auf dem virtuellen Rasen zu den besten Spielern weltweit und wird nun vom VfB Stuttgart als eSports-Talent gefördert.

Lange Zeit wurden virtuelle Sportspiele als Randgruppenphänomen belächelt, doch ausgerechnet die reale Fußballwelt will das Image der virtuellen Duelle entscheidend verbessern. Neun Teams aus der ersten und zweiten Bundesliga besitzen bereits eine eigene eSports-Abteilung. Sie wollen damit nicht nur auf der Trendwelle reiten oder neue Fans gewinnen, sondern auch zusätzliche Einnahmequellen erschließen.

Fifa steht hoch im Kurs

Dabei ist es nur naheliegend, dass sich die Proficlubs für die virtuelle Umsetzung ihres Sports entscheiden. Hoch im Kurs steht die weltweit bekannte Spielereihe Fifa, bei der ein einzelner Spieler per Tastendruck seine Elf steuern kann. An diesem Freitag erscheint mit Fifa 19 die 27. Auflage der Serie – ein Höhepunkt für die Gaming-Szene und Startschuss für die neue eSports-Saison.

Um ganz vorne dabei zu sein, hat der VfB Stuttgart seine Abteilung kräftig verstärkt: Neben den Gaming-Profis Erhan Kayman und Marcel Lutz werden mit Niklas Luginsland und Lukas Seiler zwei junge Talente künftig für den VfB an Fifa-Turnieren teilnehmen.

Der 16-Jährige gehört zu den 50 besten Fifa-Spielern weltweit

Für Lukas Seiler ist gleich in doppelter Hinsicht ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen: Er wird in seinem Hobby professionell gefördert und darf dabei auch noch das Trikot seines Lieblingsvereins überstreifen. Der Schüler aus Fellbach gilt als eines der größten Talente weltweit. Beim Playoff-Event des Fifa E-World Cups kam er unter die besten 50 Spieler. Die lukrative Endrunde in London, wo der 18-jährige Musaad Aldossary aus Saudi-Arabien als neuer Weltmeister 250 000 Dollar Preisgeld abräumte, verpasste der Fellbacher nur knapp. Das konnte Seiler aber durchaus verschmerzen, denn nur wenig später unterzeichnete er in Stuttgart seinen ersten Vertrag als E-Sportler. „Es fühlt sich einfach gut an und ich bin stolz, für so einen großen Verein Fifa zu spielen“, wird er auf der VfB-Homepage zitiert.

Jedes Wochenende 40 Online-Spiele

„Ich möchte mich unbedingt wieder für ein wichtiges Turnier qualifizieren und regelmäßig unter den Top 100 in der Weekend League sein“, sagt er selbstbewusst. Jedes Wochenende muss er dazu 40 Online-Spiele absolvieren. Eine große Fan-Gemeinde verfolgt diese Duelle im Online-Livestream.

Aktivitäten auf Social Media sind Pflichtprogramm

Bei öffentlichen Auftritten zockt Seiler nicht nur, sondern muss auch Sponsoren und Fans begrüßen, Selfies machen und Autogramme geben. Die wachsende Popularität des virtuellen Sports erlebt er dabei hautnah. Ein Höhepunkt war die offizielle Vorstellung vor Hunderten Zuschauern auf dem VfB-Vereinsgelände im August. Nicht zuletzt sind auch Social-Media-Aktivitäten Pflichtprogramm für den jungen E-Sportler. Insgesamt über 1600 Follower hält „Lukas_1004“, wie er sich im Netz nennt, via Instagram und Twitter auf dem Laufenden.

Potenzial für Sponsoring und Werbung

Der virtuelle Sport ist längst zum Massenphänomen geworden und bietet ein enormes Potenzial für Sponsoring und Werbung. Christian Ruf, der als Bereichsleiter Digitaler Vertrieb beim VfB für die E-Sports-Sparte zuständig ist, sieht darin ein neues Geschäftsfeld mit Zukunft. „Das ist keine Nische mehr, sondern ein stetig wachsender Markt“, sagte Ruf jüngst gegenüber dem SWR. „„Für uns ist eSports eine Chance, noch näher an die Fans heranzurücken. Denn gerade die jüngeren Fans haben eine sehr hohe Affinität zu Fifa.“

Mit vergleichsweise kleinen Investitionen können die Vereine ihren Hut in einen Ring werfen, der sich in den kommenden Jahren immer weiter mit Geld füllen dürfte. „Hinsichtlich der Zuschauerzahlen hat E-Sport heute schon häufig die Nase vorn und Sportarten wie Basketball, Handball oder Eishockey oft längst überholt“, berichtet Felix Falk, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Games-Branche.

Virtuell tragen auch Mo Salah und Cristiano Ronaldo das VfB-Trikot

Der VfB Stuttgart, der seine E-Sports-Abteilung vor erst einem Jahr gegründet hat, verspricht sich von seinem Engagement auch internationale Aufmerksamkeit. Wenn Lukas Seiler zur Konsole greift, soll die Vereinszugehörigkeit immer klar erkennbar sein, auch wenn der 16-Jährige nur selten die etatmäßigen VfB-Kicker in sein virtuelles Aufgebot beruft.

Um konkurrenzfähig zu sein, laufen bei Seiler zumeist Weltstars wie Mohamed Salah oder Cristiano Ronaldo im Dress mit dem roten Brustring auf. In der Realität schwer vorstellbar, auf dem Bildschirm hingegen Alltag für das E-Sports-Talent aus Fellbach.


Sport der Zukunft?

Weltweit hat die E-Sports-Branche 2017 einen Umsatz von 557 Millionen Dollar durch Sponsoring, Medienrechte, Werbeflächen auf Streaming-Plattformen oder Ticketverkäufe erwirtschaftet - Tendenz steigend. Gemessen an den Umsätzen ist Deutschland der viertgrößte Markt.

Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, E-Sports „künftig als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht“ aufzunehmen oder sogar zur olympischen Disziplin zu erheben.

Taktisches Denken, Reaktions- und Teamfähigkeit - diese sportlichen Grundtugenden sind auch virtuell gefordert. Mit 160 bis 180 Schlägen pro Minute liegt der Puls eines E-Sportlers auf einem ähnlich hohen Niveau wie bei einem Läufer.

Beim nächsten DFB-Bundestag im Herbst 2019 soll "eSoccer" in die Satzung aufgenommen werden. Geplant ist ein Liga-System, an dessen Ende ein deutscher Meister gekürt werden soll.