VfB Stuttgart

Analyse zur Stuttgarter Remis-Serie: Warum der VfB eine Chance verpasst hat

Fußball Bundesliga  TSG 1899 Hoffenheim vs. VfB Stuttgart
Späte Stuttgarter Jubeltraube: Mit seinem Last-Minute-Treffer setzte Abwehrspieler Marc Oliver Kempf (Nummer vier) den Schlusspunkt unter eine turbulente Partie bei der TSG Hoffenheim. © Pressefoto Baumann

Es war die berühmte letzte Hereingabe, die in der vierten Minute der Nachspielzeit noch einmal in den Strafraum der TSG Hoffenheim geschlagen wurde. Ein letzter, fast schon verzweifelter Akt von Silas Wamangituka, um noch einmal irgendwie für Torgefahr zu sorgen. Sogar Innenverteidiger Marc Oliver Kempf hatte sich dafür auf den weiten Weg in die Spitze gemacht - und das sollte sich aus Sicht des VfB Stuttgart auszahlen.

Intensives und abwechslungsreiches Baden-Württemberg-Duell

Stoßstürmer Sasa Kalajdzic, wuchtete seine 2 Meter Körpergröße noch einmal in einen Luftzweikampf mit Diadie Samassekou, leitete den Ball weiter auf Kempf, der sich am langen Pfosten davongestohlen hatte und so in bester Torjäger-Manier zum Last-Minute-Ausgleich einschießen konnte. Der Verteidiger setzte so den späten Schlusspunkt unter ein intensives und abwechslungsreiches Baden-Württemberg-Duell.

3:3 (1:2) nach einem wilden Ritt in der Sinsheimer PreZero Arena. Das vierte Stuttgarter Remis in Serie. Und damit neben all dem Lob für den Sieben-Spiele-ohne-Niederlage-Lauf des Aufsteigers auch eine verpasste Chance.

Warum? Weil für die junge Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo in den letzten vier Spielen gegen den 1. FC Köln (1:1), den FC Schalke 04 (1:1), Eintracht Frankfurt (2:2) und jüngst am Samstag gegen Hoffenheim mehr drin gewesen wäre als die erreichten vier Punkte.

In den nächsten Wochen: Starke Gegner und Gonzalez-Ausfall

Vor allem gegen die Kellerkinder aus Köln und Gelsenkirchen hatten die VfB-Verantwortlichen wohl mit einer besseren Punktausbeute gerechnet. Auch gegen die Hessen (verspielte Zwei-Tore-Führung) und die coronagebeutelten Kraichgauer (Wirbel in der Offensive, Fehler in der Defensive) hätte es mehr sein können, ja vielleicht sogar müssen.

„Auch wenn wir am Ende glücklich über den Punkt sind, fahren wir nicht mit einem hundertprozentig guten Gefühl nach Hause“, sagte Trainer Matarazzo nach dem Unentschieden gegen die TSG. Außenverteidiger Pascal Stenzel merkte an: „Auf Dauer bringen dich die ganzen Unentschieden zwar nicht weiter, aber wir haben auch dieses Mal wieder nicht verloren. Das zeigt, dass wir überall mithalten können, was nach der letzten Saison nicht selbstverständlich war.“

Mit Blick auf die Gegner in den kommenden Wochen besteht allerdings die Gefahr, sich bei der Hinrunden-Analyse zum Ende des Jahres über die Remis-Serie aus dem Herbst ärgern zu müssen. Schließlich stehen die Spiele gegen die Topteams aus München (28.11.) und Dortmund (12.12.) noch aus.

Zudem muss Matarazzo in den nächsten Partien auf seinen Top-Stürmer Nicolas Gonzalez verzichten: Der 22 Jahre alte Argentinier hat sich beim 3:3 gegen Hoffenheim einen kleinen Teilriss des Innenbandes im linken Knie zugezogen. Er wird voraussichtlich zwei bis drei Wochen ausfallen.

Sportdirektor Sven Mislintat spricht von „Glück im Unglück“ und hofft, dass Gonzalez im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund wieder einsatzbereit ist.

Bislang holt der VfB 1,38 Punkte pro Spiel

In der Gesamtbetrachtung darf jedoch nicht vergessen werden, dass der Verein für Bewegungsspiele von 1893 als Liga-Neuling nach acht Spieltagen mit elf Zählern auf einem grundsoliden Mittelfeldplatz stehen. Man könne mit der Ausbeute sehr gut leben, findet Sven Misintat.

Im Schnitt holte der VfB pro Spiel bislang 1,38 Punkte. Die Grundlage für das Projekt „Klassenverbleib“ wurde also längst gelegt. Halten die Schwaben ihren Punkteschnitt, steht nach 34 Spieltagen der Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse.

Das Zauberwort lautet also einmal mehr Konstanz. Denn: Neben den Highlight-Spielen gegen die Bayern und den BVB stehen im Kalenderjahr 2020 auch noch Partien gegen Bremen (06.12.), Union Berlin (15.12.) und den VfL Wolfsburg (20.12.) auf dem Plan. Der eine oder andere Punkt sollte da auf das VfB-Konto wandern.

Sammeln die Stuttgarter weiter fleißig ihre Zähler, behalten sie ihre neuentwickelte Auswärtsstärke bei und gewinnen zur Abwechslung vielleicht auch mal wieder in der heimischen Mercedes-Benz-Arena, wird sich der Groll über die Remis-Serie aus dem Herbst in der Saison-Endabrechnung im Mai 2021 in Grenzen halten.