Kurienreform

Führungsposten im Vatikan ab jetzt auch für Frauen

Papst Franziskus
Papst Franziskus kommt zu einer Audienz mit Pilgern im Vatikan. © Gregorio Borgia

Rom (dpa) - Heute tritt im Vatikan die neue Kurienverfassung in Kraft, mit der Papst Franziskus den Behördenapparat der katholischen Kirche neu ordnet.

Beobachter sahen in der Reform mit dem lateinischen Titel «Praedicate Evangelium» (Verkündet das Evangelium) einen deutlichen Reformwillen des 85 Jahre alten Oberhauptes des katholischen Kirche. Unter anderem können mit der neuen Verfassung Laien und damit auch Frauen Dikasterien - so etwas wie Ministerien im Vatikan und damit die höchsten Kurienämter - leiten. Das war zuvor lediglich Kardinälen und Erzbischöfen und damit ausschließlich Männern vorbehalten.

Außerdem stellte Franziskus die Kurie mehr in den Dienst der Bischöfe in der Welt. In dem rund 50 Seiten umfassenden Dokument mit 250 Paragrafen sprach er von einer «gesunden Dezentralisierung» und davon, den «Hirten» Kompetenz zu überlassen.

Das Dokument erschien unangekündigt am 19. März dieses Jahres. Es war aber schon länger erwartet worden. Ein Rat hatte sich über Jahre mit der Ausarbeitung beschäftigt. Die neue Verfassung löste die bis dato geltende Ordnung «Pastor Bonus» (der gute Hirte) von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1988 ab.

Franziskus ordnete außerdem die Räte, Kongregationen und Dikasterien neu und vereinheitlichte ihre Bezeichnung. Sie laufen nun alle unter der Kategorie Dikasterium. An erster Stelle steht das Dikasterium für Evangelisierung, dem der Papst selbst vorsteht, was auch ein Zeichen Franziskus' ist, die Verbreitung des Glaubens stärker zu gewichten. Das Almosenamt, das sich um die Belange Bedürftiger kümmert, wertete der Pontifex ebenfalls zum Dikasterium auf.