Online-Konferenz

Iran-Atomabkommen: EU arbeitet an Rückkehr der USA

Atom-Vertrag
Der damalige Generaldirektor Yukiya Amano (l) und der Vize-Präsident der damalige Islmistischen Republik Iran Ali Akhbar Salehi (r) tauschen am 14.07.2015 in Wien die unterschriebenen Verträge, die das Iranische Atomprogramm regeln sollen. Foto: Dean Calma/IAEA/dpa © Dean Calma

Brüssel/Teheran (dpa) - Die Gespräche zur Rettung des Iran-Atomabkommens und eine mögliche Rückkehr der USA sollen am Dienstag in Wien in eine neue Runde gehen.

Dies teilten der Iran und die EU nach einer Videokonferenz der verbliebenen Vertragspartner Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China, Russland und Iran mit. Nach Wien sollen auch US-Vertreter kommen. Doch sind höchstens indirekte Kontakte über Mittelsleute geplant.

Für den Iran sei ein direktes Gespräch mit den USA derzeit nicht möglich, hieß es aus diplomatischen Kreisen. Teheran sei in dieser Haltung sehr fest. «Ich gehe von durchaus schwierigen Gesprächen aus», sagte ein europäischer Diplomat. Ein EU-Vertreter rechnete mit einer Dauer der Bemühungen von mehr als zwei Wochen, aber weniger als zwei Monaten. Bundesaußenminister Heiko Maas mahnte in Berlin: «Wir haben keine Zeit zu verlieren.»

Irans Vizeaußenminister Abbas Araghchi sagte der Agentur Isna zur Onlinekonferenz vom Freitag: «Die Verhandlungen wurden seriös und offen geführt.» Alle Seiten wollten das Atomabkommen von 2015 wieder funktionsfähig machen und dabei keine Zeit verschwenden. Die Wiener Gespräche fänden auf Expertenebene statt.

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump war im Mai 2018 aus dem Abkommen ausgestiegen, das den Iran vom Bau einer Atombombe abhalten soll. Im Gegenzug sollte der Westen unter anderem Beschränkungen im Handel abbauen. Als Reaktion auf die vom Westen ausgebliebene Umsetzung der Zusagen verstößt der Iran seit 2019 selbst Schritt für Schritt gegen Auflagen im Vertrag, unter anderem mit einer höheren Urananreicherung sowie Uranmetall-Produktion.

Trumps Nachfolger Joe Biden hat eine Rückkehr in den Vertrag in Aussicht gestellt, fordert aber zuerst vom Iran eine uneingeschränkte Einhaltung der Vorgaben. Teheran pocht seinerseits darauf, dass zunächst die von Trump verhängten Sanktionen aufgehoben werden. Das Zeitfenster droht sich zu schließen, weil im Iran im Juni Präsidentschaftswahlen anstehen. Präsident Hassan Ruhani kann nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidieren.

Der Auswärtige Dienst der EU wertete das Onlinetreffen am Freitag positiv. Die Teilnehmer hätten die Aussicht auf eine Rückkehr der USA in das Abkommen anerkannt und ihre Bereitschaft unterstrichen, dies positiv gemeinsam anzugehen, hieß es in einer Erklärung. Die Teilnehmer hätten auch versichert, das JCPOA genannte Abkommen zu erhalten. Sie hätten die Optionen diskutiert, es wieder vollständig umzusetzen.

Außenminister Maas betonte: «Ein wieder vollumfänglich respektiertes Abkommen wäre ein Plus an Sicherheit für die ganze Region und die beste Grundlage für Gespräche über andere wichtige Fragen der regionalen Stabilität.»

Bidens Sprecherin Jen Psaki erklärte, die Gespräche auf Arbeitsebene sollten klären, welche Schritte der Iran beim Ausbau seines Atomprogramms zurücknehmen müsste und welche Sanktionen die USA aufheben müssten, um eine Rückkehr zu dem Abkommen zu ermöglichen. «Wir rechnen momentan nicht damit, dass es bei diesem Prozess direkte Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran geben wird, obwohl wir dafür sicherlich weiter bereit sind», sagte Psaki am Freitag im Weißen Haus.

Das US-Außenministerium hatte am Donnerstag erklärt, die USA seien bereit, zu ihren Verpflichtungen unter dem Abkommen zurückzukehren, wenn Iran dies ebenfalls tue. Man suche nach dem besten Weg, dies durch kleine Schritte auf Gegenseitigkeit zu erreichen.

Ruhani hatte diese Woche erneut betont, dass die USA «binnen eines Tages» zum Deal zurückkehren und die Sanktionen gegen den Iran aufheben könnten. In dem Fall würde auch der Iran wieder seine Verpflichtungen in dem Vertrag von 2015 einhalten, sagte er.

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