Kolonialismus

Kontroverse in Niederlanden um Entschuldigung für Sklaverei

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Im kommenden Jahr gedenken die Niederlande der Beendigung der Sklaverei. © Sina Schuldt

Den Haag (dpa) - Nach jahrelangem Ringen wollen die Niederlande sich für die Sklaverei in ihren früheren Kolonien entschuldigen. Um das offiziell noch nicht bestätigte Datum des 19. Dezember sowie die Form der Entschuldigung gibt es im Vorfeld nun aber eine Kontroverse und Kritik aus ehemaligen Kolonien. Die Niederlande waren im 19. Jahrhundert die drittgrößte Kolonialmacht der Welt.

Für Wirbel sorgte, dass sich mit Franc Weerwind am 19. Dezember ein niederländischer Minister in der ehemaligen Kolonie Suriname aufhalten soll, der selber Nachfahre von Sklaven ist. In Suriname stieß das auf Kritik, ein Vertreter der surinamischen Organisation für das Sklavereigedenken in den Niederlanden forderte, «eine weiße Person» müsse sich in Suriname entschuldigen, berichteten Medien. Der kleine Staat an der Nordostküste Südamerikas wurde 1975 unabhängig und hat rund 600.000 Einwohner.

Surinamische Vereine wollen anderes Datum

An dem Besuch Weerwinds werde festgehalten, sagte Premierminister Mark Rutte am Freitag. Die Hautfarbe eines Ministers könne bei einer Geste in Bezug auf die Sklaverei keine Rolle spielen. Um die Wogen zu glätten und um über die geplante Entschuldigungsgeste zu beraten, reise in der anstehenden Woche aber Vize-Premier und Finanzministerin Sigrid Kaag nach Suriname, bestätigte ihr Ministerium dem Sender NOS am Sonntag.

Dabei ließ Premierminister Rutte bislang offen, was nun konkret am 19. Dezember geschehen soll. An die Öffentlichkeit war gelangt, dass neben einer Entschuldigung der Regierung verschiedene Minister an dem Tag auch in ehemalige Kolonien reisen sollen, um sich vor Ort zu entschuldigen. Die geplante Geste vorab zu erläutern, würde sie in Teilen zunichtemachen, erklärte Rutte.

Unterdessen wollen surinamische Vereine in einem Eilverfahren erreichen, dass die Entschuldigung nicht an einem willkürlichen Datum sondern am 1. Juli kommenden Jahres erfolgt, 160 Jahre nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei durch die Niederlande. Sie fühlen sich außerdem nicht eingebunden, wie die Nachrichtenagentur ANP berichtete.

Forderungen an niederländischen Staat und Gesellschaft

Interessengruppen legten der Regierung einen Forderungskatalog vor. Das Anerkennen der Sklaverei, Entschuldigung und Wiedergutmachung sollten gesetzlich verankert werden, finden die Organisationen, wie der Sender NOS am Samstag berichtete. Die Regierung müsse sich außerdem darum kümmern, bis heute nachwirkende Benachteiligungen der Nachfahren von Sklaven zu bekämpfen. Die Verwendung des sogenannten N-Worts müsse strafbar werden, außerdem müsse der «Zwarte Piet» (Schwarzer Peter), die niederländische Version des Knecht Ruprecht, verbannt werden. Auch sollten die Niederlande den karibischen Inseln und Suriname Schulden erlassen. Mit dem Begriff N-Wort wird heute eine früher gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben.

Im kommenden Jahr gedenken die Niederlande der Beendigung der Sklaverei. Vor allem Nachfahren von Sklaven und Bewohner der damaligen Kolonien hatten sich für eine Entschuldigung eingesetzt. Jahrelang hatte die Regierung von Premier Rutte das abgelehnt. Eine von der Regierung eingesetzte Kommission hatte dann im Juli erklärt, dass die Niederlande sich entschuldigen und aktiv für Bekämpfung der Folgen wie Rassismus einsetzen müssten.