Russische Invasion

Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

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Ukraine-Krieg - Charkiw
Kommunale Mitarbeiter arbeiten auf einem Dach, das bei einem russischen Angriff beschädigt wurde. © Andrii Marienko
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Ukraine-Krieg - Charkiw
Durch einen russischen Angriff sind einige Gebäude in Charkiw beschädigt worden. © Andrii Marienko
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Ukraine-Krieg - Druschkiwka
Ein ukrainischer Soldat steht in den Trümmern einer Schule in der Region Donezk, die bei einem russischen Angriff zerstört wurde. © Leo Correa

Kiew (dpa) - Die Ukraine kann mit der Ausbildung ihrer Soldaten auch durch die EU rechnen. Deutschland unterstütze einen entsprechenden Vorschlag, sagte Staatssekretärin Siemtje Möller bei einem Verteidigungsministertreffen in Prag. Ob die Gegenoffensive der Ukraine in der strategisch wichtigen Region Cherson Erfolg hat, ist unterdessen unklar.

Das Gelände des Atomkraftwerks Saporischschja ist nach Angaben der russischen Besatzungsverwaltung am Dienstag erneut unter Beschuss geraten. Als vorbeugende Maßnahme für die Menschen in der Region um das Atomkraftwerk haben die EU-Staaten eine Spende von fünf Millionen Kaliumjodidtabletten an die Ukraine angekündigt.

Deutschland für Ausbildung ukrainischer Soldaten durch EU

Die Ausbildung ukrainischer Streitkräfte durch die EU ist aus Möllers Sicht ein logischer Schritt. «Es ist klar, dass es eine stärkere Koordinierung der Maßnahmen der Ausbildung, aber auch der Unterstützung allgemein braucht.» Deutschland stehe bei dem Thema zu seiner Verantwortung. Wenn Russland sich auf einen langfristigen Krieg einstelle, dann müsse man das auch.

Wie eine EU-Beteiligung an der Ausbildung ausgestaltet werden soll, wird nach Angaben von Möller nun Gegenstand von Gesprächen sein. Als relevante Themenbereiche nannte die SPD-Politikerin Luftverteidigung und Artillerie.

Ukrainische Offensive mit unklarem Verlauf

Nach dem Beginn einer ukrainischen Großoffensive im Süden des Landes hält sich das ukrainische Militär mit Meldungen zur Lage zurück. Die Pressesprecherin des Südkommandos der ukrainischen Armee, Natalija Humenjuk, sprach von «Positionskämpfen» in den Gebieten Mykolajiw und Cherson. Es sei dabei noch zu früh von möglichen zurückeroberten Orten zu reden. «Es finden gerade Kämpfe statt und diese erfordern eine Informationsruhe.»

Tags zuvor hatte Humenjuk den Start einer lange angekündigten Offensive auf dem rechten Ufer des Fluss Dnipro verkündet. Die russische Armee bestätigte Vorstöße der ukrainischen Truppen, sprach aber von erfolgreicher Abwehr und hohen ukrainischen Verlusten.

Militärexperte: Eroberung von Cherson wäre strategisch wichtig

Der Militärexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr wies auf die strategische Bedeutung Chersons nahe der von Russland annektierten Krim hin. «Wenn sie (die Ukrainer) über Cherson die Kontrolle haben, haben sie auch die Kontrolle über die Frischwasserzufuhr zur Krim. Das heißt also ein Druckinstrument, um die Russen auch auf der Krim noch weiter unter Druck zu setzen.» Russland hätte auch Probleme, eine solche Niederlage zu verschweigen, sagte Masala im Interview mit Bayern 2-radioWelt.

Bundesregierung für höhere Hürden bei Visa für Russen

Die Bundesregierung hat sich für die vollständige Aussetzung des europäischen Visa-Abkommens mit Moskau ausgesprochen, das Russen die Einreise in die EU erleichtert. Ein solches Vorgehen könne im EU-internen Streit über mögliche Einreisebeschränkungen eine «ganz gute Brücke» sein, sagte Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Rande der Kabinettsklausur auf Schloss Meseberg.

Der Ansatz sei ziemlich in der Mitte zwischen denjenigen, die gar keine Visa an Russen mehr vergeben wollten und denjenigen, die weitermachen wollten wie bisher. Ein solcher Schritt könnte die Kosten und den Aufwand für Antragsteller deutlich erhöhen und es EU-Staaten erlauben, die Visa-Vergabe für den Schengen-Raum einzuschränken.

Zwei Explosionen nahe eines AKW-Lagergebäudes

Von zwei Explosionen in der Nähe eines Lagergebäudes für abgebrannte Brennelemente des AKW Saporischschja berichtete die russische Militärverwaltung der Stadt Enerhodar. Die Verwaltung machte die Ukraine für den Angriff verantwortlich. Demnach soll es ihr Ziel sein, die Mission der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zu stören. Die Experten sollen das russisch besetzte Kernkraftwerk im Südosten des Landes inspizieren.

Selenskyj empfängt IAEA-Mission

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Experten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Kiew empfangen. «Das Eintreffen der IAEA-Mission in der Ukraine ist heute sicherlich eine der wichtigsten Sicherheitsfragen der Ukraine und der Welt», sagte er gemäß einem Video, das im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wurde.

Selenskyj nannte eine «unverzügliche Entmilitarisierung» des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja in der Südukraine als Ziel. Es solle eine demilitarisierte Zone um das Kraftwerk herum geschaffen werden. «Und ein Übergang des AKWs unter die Kontrolle des ukrainischen Staats», betonte Selenskyj. Nur so seien alle atomaren Risiken ausschließbar.

Zeitung: Ukraine setzt erfolgreich Attrappen ein

Das ukrainische Militär setzt im Abwehrkampf laut «Washington Post» auch Waffenattrappen ein, um die Angreifer zu täuschen. Dabei gehe es etwa um hölzerne Nachbildungen moderner US-Raketensysteme, schrieb die Zeitung unter Berufung auf ungenannte hochrangige Beamte aus den USA und der Ukraine. Auf diese Weise seien die russischen Streitkräfte dazu gebracht worden, teure Marschflugkörper vom Typ Kalibr auf harmlose Replikate zu verschwenden. Angesichts des Erfolgs sei die Produktion der Replikate ausgebaut worden.

US-Medien: Iran liefert erste Drohnen an Russland

Der Iran hat einem US-Medienbericht zufolge erste Drohnen an Russland für den Einsatz in der Ukraine geschickt. Wie die «Washington Post» unter Berufung auf Geheimdienstkreise berichtete, wurden bereits am 19. August mindestens zwei verschiedene Typen unbemannte Flugzeuge geliefert. Diese könnten für den Beschuss von Radaranlagen, Artillerie und anderen militärischen Objekten eingesetzt werden. Allerdings hätten die russischen Streitkräfte bei ersten Tests mit zahlreichen Fehlfunktionen zu kämpfen gehabt.

EU spendet Millionen von Jodtabletten

EU-Staaten haben eine Spende von fünf Millionen Kaliumjodidtabletten an die Ukraine angekündigt. «Deutschland wäre dafür verantwortlich, die Tabletten an die Ukraine zu liefern», sagte ein Sprecher der Europäischen Kommission. Sie sollen als vorbeugende Maßnahme zum Schutz der Menschen in der Nähe des AKW Saporischschja dienen. Die Tabletten sollen für den Fall genutzt werden, wenn Radioaktivität aus dem AKW austritt. So solle verhindert werden, dass sich eingeatmetes oder verschlucktes radioaktives Jod in der Schilddrüse absetze.