Russischer Angriffskrieg

Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Kiew
Rettungskräfte entfernen die Trümmer eines Hauses in Kiew, das nach ukrainischen Angaben bei einem russischen Raketenangriff zerstört wurde. © Roman Hrytsyna

Kiew (dpa) - Mit einem schweren Raketenangriff hat Russland erneut zahlreiche Ziele in der Ukraine ins Visier genommen. Nach nächtlichen Drohnenangriffen wurden am Donnerstagmorgen landesweit vor allem die Energie-Infrastruktur mit insgesamt mehr als 120 Raketen attackiert. Das Nachbarland Belarus meldete nach dem Einsatz der ukrainischen Flugabwehr den Fund einer Rakete auf seinem Staatsgebiet. CDU-Chef Friedrich Merz pocht auf die Lieferung moderner Kampfpanzer vom Typ Leopard II an die Ukraine. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck sieht Russland auf dem Weg einer militärischen Niederlage.

Schwere Schäden in der Ukraine nach Attacken

Raketentrümmer beschädigten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew zwei Häuser. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko wurden drei Menschen verletzt, darunter eine 14-Jährige. Die ukrainische Flugabwehr schoss nach eigenen Angaben 16 Raketen ab. Rund 40 Prozent der Verbraucher in Kiew waren zunächst ohne Strom. Die Energieversorger arbeiteten daran, die Stromversorgung wieder herzustellen, teilte Klitschko mit. Wärme- und Wasserversorgung funktioniere normal.

Rakete in Belarus als Vorwand für neue Angriffe?

Staatsmedien in Minsk meldeten, dass eine vom Flugabwehrsystem S-300 abgeschossene Rakete auf belarussisches Staatsgebiet gefallen sei. Die Gründe würden derzeit untersucht. Demnach wurde auch Machthaber Alexander Lukaschenko unterrichtet. Die Staatsagentur Belta meldete, die Rakete sei womöglich im Zuge des Einsatzes der ukrainischen Flugabwehr auf das Gebiet von Belarus gelangt. Das wäre ein ähnlicher Vorfall wie im November, als polnisches Gebiet getroffen wurde. In der Ukraine sind die Sorgen groß, dass Russland von Belarus aus einen neuen Angriff starten könnte. Ein solcher Fund könnte von Minsk und Moskau als Vorwand genutzt werden.

Russland lehnt ukrainische Bedingungen für Friedensverhandlungen ab

«Es versteht sich von selbst, dass wir zu diesen Bedingungen mit niemandem reden werden», sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem am Donnerstag auf der Homepage des Ministeriums veröffentlichten Interview. Russland werde weder die besetzten Gebiete aufgeben, noch Reparationszahlungen leisten oder sich vor internationalen Gerichten schuldig bekennen. Lawrow nannte die Führung in Kiew «verhandlungsunfähig». Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seine «Friedensformel» vorgestellt. Die wichtigsten Punkte sind der vollständige Abzug der russischen Truppen von ukrainischem Gebiet und Reparationszahlungen für die vom russischen Militär angerichteten Zerstörungen.

Neuer Drohnenangriff auf russischen Militärflugplatz

Im südrussischen Gebiet Saratow schoss die Flugabwehr nach Behördenangaben nahe dem Militärflugplatz Engels-2 eine Drohne ab. Der Militärflugplatz, auf dem Russland strategische Bomber für Raketenangriffe auf die Ukraine stationiert, wurde zuvor im Dezember bereits zweimal attackiert.

Nach britischer Einschätzung zeigen die ukrainischen Drohnenattacken die Verwundbarkeit der russischen Luftverteidigung. Es werde immer deutlicher, dass Russland Schwierigkeiten habe, Angriffe tief im Landesinneren abzuwehren, teilte das Londoner Verteidigungsministerium mit. Moderne Flugabwehrsysteme seien vermutlich rar, weil sie auch zum Schutz von Hauptquartieren nahe der Frontlinie benötigt würden, hieß es.

Militärische Lage in der Ostukraine

Das ukrainische Militär ist nach eigenen Angaben bei der strategisch wichtigsten Stadt Kreminna im Gebiet Luhansk vorgerückt. «Unsere Soldaten setzen ihre Angriffshandlungen im Gebiet der Stadt Kreminna fort. Im Laufe der Woche sind die Verteidiger der Ukraine bis zu 2,5 Kilometer in Richtung der genannten Ortschaft vorgedrungen», sagte General Olexij Hromow bei einem Briefing des Generalstabs. Kreminna gilt als mögliches Einfallstor, um im Osten der Ukraine weiter vordringen zu können.

Merz fordert Kampfpanzer für Ukraine

«Eine Unterstützung der Ukraine mit Schützenpanzern und Kampfpanzern würde diesen Krieg nicht verlängern, sondern verkürzen», sagte der Unionsfraktionschef der Deutschen Presse-Agentur. «Deutschland und andere europäische Länder hätten der Ukraine längst Schützenpanzer und auch Kampfpanzer westlicher Bauart liefern sollen.» Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck deutete Zustimmung an. «Ich bin dafür, dass Deutschland zusammen mit den Alliierten die Ukraine so unterstützt, dass sie diesen Krieg gewinnen kann», sagte Habeck, der sich schon vor dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für Waffenlieferungen an das Land eingesetzt hatte. Der Grünen-Politiker sieht Russland auf dem Weg zur militärischen Niederlage. «Putin verliert diesen Krieg auf dem Schlachtfeld.»

Deutschland verkraftet Öl-Embargo gegen Russland gut

Das Land sei auch auf den Importstopp für Pipeline-Öl zum 1. Januar vorbereitet, sagte Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Die Rohölversorgung Deutschlands ist auch im kommenden Jahr gesichert.» Das im Mai in der Europäischen Union vereinbarte Embargo gegen russisches Tankeröl ist seit 5. Dezember in Kraft. Ziel ist, für Russland die Finanzierung des Angriffskriegs gegen die Ukraine zu erschweren. Zusätzlich greift am 1. Januar ein deutscher Importstopp für russisches Öl, das per Pipeline kommt.