Russische Invasion

Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Bachmut
Ein Anwohner geht auf einer Straße voller Trümmer. © Libkos

Kiew (dpa) - Die russischen Truppen haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau ihre Angriffe im Gebiet Donezk in der Ostukraine fortgesetzt. Es seien dabei Gegenattacken der ukrainischen Armee abgewehrt und im Ergebnis vorteilhafte Positionen eingenommen worden, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow in Moskau. Dagegen teilte das ukrainische Militär mit, dass Durchbrüche der Russen an der Verteidigungslinie verhindert worden seien.

Nach den jüngsten Raketenangriffen auf die ukrainische Energie-Infrastruktur meldeten die Behörden unter anderem in der Hauptstadt Kiew und in der Region Charkiw Fortschritte bei der Wiederherstellung der Versorgung. So gibt es nach Angaben von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko wieder fließendes Wasser für alle Einwohner der Stadt.

Putin besucht Führungsstab seiner Angriffstruppen

Der Kreml informierte unterdessen darüber, dass Präsident Wladimir Putin am Freitag den ganzen Tag im Führungsstab der «militärischen Spezialoperation» verbracht habe. Die russische Führung bezeichnet mit diesem Ausdruck ihren Angriffskrieg gegen die Ukraine. Putin ließ sich dort über die nächsten Kriegsziele informieren. Details wurden nicht genannt. Am Freitag hatte Russland die Ukraine einmal mehr mit massiven Raketenangriffen überzogen.

Im Gebiet Donezk seien auch Sabotage- und Aufklärungsgruppen der ukrainischen Streitkräfte sowie ein Lager mit ausländischen Söldnern vernichtet worden, sagte Konaschenkow. Er bestätigte zudem die neuen massiven Raketenangriffe vom Freitag. «Das Ziel des Schlags wurde erreicht. Alle anvisierten Objekte wurden zerstört.»

Die Raketenangriffe Russlands auf Kiew und viele andere Regionen der Ukraine am Freitag gehörten zu den schwersten seit Beginn dieser Attacken auf die Energieanlagen des Landes im Oktober. Die Ukraine sprach von mehr als 70 Raketenangriffen, von denen die meisten durch die Flugabwehr abgefangen worden seien. Durch die Treffer und Schäden fiel erneut in vielen Regionen die Strom- und Wasserversorgung aus.

Wasser läuft wieder in Kiew - aber wenig Strom

Die Wasserversorgung für alle Einwohner der Hauptstadt Kiew wurde nach Angaben Klitschkos mittlerweile wiederhergestellt. Die Hälfte der Bürger habe auch wieder Heizung, teilte Klitschko in seinem Kanal im Nachrichtendienst Telegram mit. «Wir arbeiten daran, die Heizung für alle Bürger der Stadt wiederherzustellen», sagte er. Die Temperaturen in Kiew lagen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bei um die vier Grad.

Laut Klitschko haben zwei Drittel der Bewohner der Hauptstadt auch wieder Strom. Trotzdem gebe es weiter Notfallabschaltungen, weil das Stromdefizit bedeutend sei. Nach Behördenangaben sind im Kiewer Gebiet noch 50 Prozent der Haushalte ohne Licht. Auch die Metro habe am Morgen ihren Betrieb wieder aufgenommen, so Klitschko.

Wegen der massiven Zerstörungen im ganzen Land gibt es vielerorts Stromausfälle, von denen Millionen Menschen betroffen sind. Die ukrainische Regierung wirft Russland «Terror» vor und fordert noch modernere Flugabwehrsysteme vom Westen, um sich zu schützen.

London: Moskau startet iranische Drohnen wohl von neuem Standort aus

In seinem Angriffskrieg soll Moskau nach Einschätzung britischer Geheimdienste iranische Drohnen mittlerweile von einem anderen Standort aus einsetzen als bisher. Bei den Angriffen auf kritische Infrastruktur in den vergangenen Tagen seien neben luft- und seegestützten Marschflugkörpern höchstwahrscheinlich auch vom Iran bereitgestellte Drohnen eingesetzt worden, die aus der südrussischen Region Krasnodar gestartet worden seien, hieß es im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums auf Twitter.

Zuvor seien solche Drohnen hauptsächlich von der Schwarzmeer-Halbinsel Krim aus gestartet worden, die Russland 2014 völkerrechtswidrig annektiert hatte. Die Briten werten die Verlagerung als Zeichen dafür, dass Moskau besorgt über die Verwundbarkeit der Krim sein könnte.

Russland kritisiert neue EU-Sanktionen

Moskau kritisierte das neunte Sanktionspaket der EU gegen Russland wegen des Ukraine-Kriegs als die Fortsetzung eines aggressiven Kurses des Westens. Zudem schade die EU mit diesen «nicht legitimen einseitigen» Strafmaßnahmen am Ende sich selbst, weil dadurch die wirtschaftlichen und sozialen Probleme zunehmen würden, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, in Moskau.

In dem neunten EU-Paket mit Sanktionen gegen Russland wegen des Kriegs gegen die Ukraine wurden weitere 141 Personen und 49 Einrichtungen mit Vermögenssperren und Einreiseverboten belegt. Unter ihnen sind etwa mehrere stellvertretende russische Ministerpräsidenten, Minister sowie Unternehmen aus der Rüstungs- und Automobilindustrie.

Scholz ruft zum Zusammenhalt auf

Bundeskanzler Olaf Scholz rief unterdessen angesichts der Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine zum Zusammenhalt auf. Das zurückliegende Jahr habe das Land sehr herausgefordert, sagte der SPD-Politiker in einer Videobotschaft. Auch in Deutschland seien die Folgen des russischen Kriegs zu spüren. «An der Inflation, an den höheren Preisen, an den großen Kosten für die Energie. Aber wir haben zusammengehalten als Land und uns auf diese Situation vorbereitet.» In Wilhelmshaven eröffnete Scholz das erste Flüssigerdgas-Terminal Deutschlands. Das schwimmende Terminal vor der niedersächsischen Nordseeküste soll dazu beitragen, die durch ausbleibende Lieferungen aus Russland entstandene Lücke bei der Gasversorgung Deutschlands zu schließen.