Sturm auf Regierungsviertel

Lula kamen Krawalle in Brasília wie Staatsstreich vor

Brasilien
Präsident Luiz Inacio Lula da Silva fühlte sich am 8. Januar an einen Putsch erinnert. © Marcelo Camargo

Brasília (dpa) - Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat sich beim Sturm des Regierungsviertels in Brasília durch radikale Anhänger von Ex-Präsident Jair Bolsonaro an einen Putsch erinnert gefühlt.

«Ich hatte den Eindruck, das ist der Anfang eines Staatsstreichs», sagte Lula in einem Interview des brasilianischen Fernsehens. Demnach habe er das Gefühl gehabt, dass die Randalierer dem Befehl und den Anweisungen Bolsonaros gefolgt seien. Der rechte Ex-Präsident hatte während seiner Amtszeit immer wieder verbal demokratische Institutionen angegriffen und das brasilianische Wahlsystem in Frage gestellt.

Am 8. Januar hatten Anhänger des kurz zuvor von Lula abgelösten Staatschefs Bolsonaro den Kongress, den Regierungssitz und den Obersten Gerichtshof in Brasília gestürmt und erhebliche Schäden verursacht. Rund 1500 Sympathisanten Bolsonaros wurden vorläufig festgenommen.

Lula: «Jemand öffnete ihnen die Türen»

Der Linkspolitiker Lula wiederholte im Interview den Verdacht, dass es Absprachen der Krawallmacher, etwa mit Mitgliedern der Streitkräfte und der Bundespolizei des Hauptstadtdistrikts, gegeben habe. «Jemand im Palácio do Planalto öffnete ihnen die Türen, es kann nur so gewesen sein», sagte er.

Aus Misstrauen hatte er am Dienstag mindestens 40 Mitglieder des Militärs von ihren Tätigkeiten in der Präsidentenresidenz entbunden. Die Generalstaatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein, um die mögliche Verantwortung von Politikern und Militärs zu untersuchen.

Gegen 39 mutmaßlich an den Krawallen beteiligte Bolsonaro-Anhänger wurde unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und versuchten Staatsstreichs die ersten Anklagen erhoben.