Massakers von 1989

«Mütter von Tian'anmen» fordern Aufarbeitung

Massaker am Tian'anmen-Platz
Ein chinesischer Mann stellt sich auf dem Changan Blvd. am Tian'anmen, dem Platz des Himmlischen Friedens, einem Konvoi von Panzern entgegen. © Jeff Widener

Peking (dpa) - Vor dem Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung vom 4. Juni 1989 in China haben Angehörige der Opfer eine gerechte Aufarbeitung des Massakers gefordert.

In einem offenen Appell, den die Menschenrechtsorganisation «Human Rights in China» (HRiC) am Mittwoch veröffentlichte, verlangte das Netzwerk der «Mütter von Tian'anmen» «Wahrheit, Entschädigung und Rechenschaft». Auch riefen sie die Regierung zu einem Dialog mit den Angehörigen auf, um die ausstehenden Probleme auf dem Rechtsweg zu lösen.

Die Militäraktion, bei der einige Hundert Menschen ums Leben gekommen sind, ist in China aber ein politisches Tabu-Thema. Die chinesische Führung erlaubt keine öffentliche Diskussion und auch kein Gedenken am Jahrestag an diesem Samstag. Angehörige und Bürgerrechtler werden um diese Zeit oft unter Hausarrest gestellt. Die Familien haben 203 Opfer identifiziert, darunter auch 14 Grund- und Mittelschüler. Das jüngste Opfer sei neun Jahre alt gewesen, das älteste 66 Jahre.

Nach wochenlangen Demonstrationen und Hungerstreiks gegen Korruption und für Meinungsfreiheit und Demokratie im Frühjahr 1989 hatte die kommunistische Führung die Volksbefreiungsarmee gerufen, um den Protesten ein Ende zu bereiten. Die «Mütter von Tian'anmen» sprachen von einer «brutalen Tragödie». Partei und Regierung hätten die von der Verfassung geschützten Forderungen ihrer Bürger ignoriert. Das Militär habe «wahllos auf unschuldige Menschen geschossen» und sei mit Panzern in die Menge gefahren.