UN-Report

Strahlenschäden durch Fukushima statistisch nicht belegbar

Fukushima
Rauch steigt über dem japanischen Katastrophen-Kernkraftwerk Fukushima Daiichi auf. Foto: TEPCO/EPA/dpa © TEPCO/EPA/dpa

Wien (dpa) - Die Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 hat nach Angaben eines UN-Expertengremiums in der japanischen Bevölkerung zu keinen statistisch nachweisbaren Schäden durch Verstrahlung geführt.

Zu diesem Schluss kommt eine Studie des UN-Strahlenschutzkomitees (UNSCEAR), die heute in Wien zum zehnten Jahrestag der Katastrophe veröffentlicht wurde. Die radioaktive Belastung erhöhe das Krebsrisiko der Bevölkerung nicht in einem Ausmaß, das eindeutig über normalen Werten liege.

Die Wissenschaftler beleuchteten auch die starke Steigerung an Schilddrüsenkrebs, die im vergangenen Jahrzehnt in der Umgebung des AKW bei Kindern beobachtet wurde. Dazu schreiben sie, die Zunahme sei nicht auf Strahlung zurückzuführen, sondern auf sehr engmaschigen Untersuchungen, die Fälle ans Licht brachten, die sonst unentdeckt geblieben wären. In anderen Gebieten und Ländern ohne radioaktive Belastung habe solches Monitoring ebenfalls zu höheren Zahlen geführt.

Infolge eines starken Erdbebens mit anschließendem Tsunami am 11. März 2011 wurden in Japan insgesamt 18.500 Menschen getötet. Im AKW Fukushima Daiichi kam es im Zuge der Naturkatastrophe zu einer Kernschmelze und damit zu einem Super-Gau. Wegen der radioaktiven Strahlung mussten 160.000 Anwohner fliehen. Es war die schlimmste Atomkatastrophe seit dem Unfall im ukrainischen AKW Tschernobyl 1986.

«Es ist eine Katastrophe, aber es ist keine Strahlenkatastrophe», sagte die Strahlenbiologin Anna Friedl, die Deutschland im UNSCEAR vertritt. Im Vergleich zu Tschernobyl seien in Fukushima weit weniger radioaktive Stoffe freigesetzt worden - und größtenteils im Meer statt auf Land niedergegangen. Auch habe die Bevölkerung dort weniger verseuchte Lebensmittel zu sich genommen, sagte Friedl der Deutschen Presse-Agentur in ihrer Funktion als Forscherin am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.

Der Bericht bedeute jedoch nicht, dass wegen des Unfalls gar kein Krebsrisiko bestehe, betonte UNSCEAR. Unter etwa 170 Rettungskräften, die sehr hoher Strahlung ausgesetzt waren, seien wegen Fukushima zwei oder drei zusätzliche Krebs-Fälle zu erwarten. In Japan liegt die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, allgemein bei 35 Prozent. Dem Expertengremium zufolge traten auch Stress, Herzprobleme und andere Krankheiten infolge von Evakuierungen auf.

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