Vatikan

Weitere Details über letzte Worte von Papst Benedikt XVI.

Benedikt XVI.
Während Gläubige weltweit um Benedikt XVI. trauern, bereitet der Vatikan die Trauerfeiern vor. © Federico Gambarini

Rom (dpa) - Er war der erste deutsche Papst seit mehr als 480 Jahren - nach dem Tod von Benedikt XVI. nehmen Gläubige in dieser Woche Abschied. Der emeritierte Pontifex starb am Samstag im Alter von 95 Jahren im Kloster Mater Ecclesiae im Vatikan, knapp zehn Jahre nach seinem spektakulären Rücktritt.

Ab Montag wird er im Petersdom in Rom öffentlich aufgebahrt, Trauerfeier und Beisetzung sind für Donnerstag geplant.

Seine letzten Worte waren «Herr, ich liebe dich», wie das vatikaneigene Medienportal Vatican News unter Berufung auf Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein am Sonntagabend berichtete. Demnach hörte ein Pfleger die Worte am frühen Samstagmorgen gegen 3.00 Uhr. Am Samstagabend hatte die argentinische Zeitung «La Nación» unter Berufung auf informierte Quellen noch geschrieben, Benedikts letzte Worte waren «Jesus, ich liebe dich». Gänswein informierte gleich nach dem Todesfall Papst Franziskus, wie das für gewöhnlich gut über den amtierenden Pontifex informierte Blatt weiter schrieb. Der 86 Jahre alte Argentinier sei zehn Minuten später im Kloster Benedikts gewesen und habe dort schweigend an dessen leblosem Körper gebetet.

Papst Franziskus nannte seinen Vorgänger am Sonntag beim wöchentlichen Angelus-Gebet im Vatikan einen «treuen Diener des Evangeliums und der Kirche». Geistliche und Politiker würdigten den gebürtigen Bayern als klugen Theologen. Kritiker beklagten jedoch den konservativen Kurs Benedikts in seiner Zeit als Kirchenoberhaupt.

Ratzinger 2005 als Nachfolger von Johannes Paul II. gewählt

Joseph Ratzinger, wie sein bürgerlicher Name lautete, wurde in Oberbayern geboren und am 19. April 2005 als Nachfolger von Johannes Paul II. zum Papst gewählt. Benedikt führte den Kurs seines polnischen Vorgängers fort. Er stemmte sich gegen eine Modernisierung der Kirche, was ihm viel Kritik einbrachte. Seine Amtszeit wurde von dem Missbrauchsskandal überschattet, der die katholische Kirche in eine tiefe Krise stürzte.

2013 erregte Benedikt größtes Aufsehen, indem er als erster Papst seit mehr als 700 Jahren freiwillig zurücktrat. Seinen Rücktritt begründete er mit seinem fortgeschrittenen Alter und seiner angeschlagenen Gesundheit - ihm fehlten die Kräfte für das anspruchsvolle Amt, sagte er.

Weltweite Anteilnahme

Die Todesnachricht sorgte für große Anteilnahme in Deutschland und weltweit, vor allem unter den etwa 1,4 Milliarden Katholiken. Bundeskanzler Olaf Scholz schrieb auf Twitter, dass die Welt eine prägende Figur der katholischen Kirche verliere. «Als «deutscher» Papst war Benedikt XVI. für viele nicht nur hierzulande ein besonderer Kirchenführer», so der SPD-Politiker.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Benedikt als Mittler zwischen den Religionen. «Die Einheit der Christenheit und der Dialog der Religionen, das Miteinander von Religion und Gesellschaft lagen ihm besonders am Herzen. Er suchte das Gespräch mit Juden und Muslimen sowie allen christlichen Konfessionen weltweit», schrieb Steinmeier, der zum Trauergottesdienst nach Rom reisen wird.

Für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, war Benedikt XVI. «ein beeindruckender Theologe und erfahrener Hirte». Die Katholiken trauerten um eine Persönlichkeit, die der Kirche auch in schwierigen Zeiten Hoffnung und Richtung vermittelt habe, teilte der Limburger Bischof der Deutschen Presse-Agentur mit. «Papst Benedikt hat die Stimme des Evangeliums - gelegen oder ungelegen - hörbar gemacht.» UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete Benedikt als «demütigen Mann des Gebets und des Studium».

Die Reform-Initiative «Wir sind Kirche» beschrieb Benedikt dagegen als einen «von Misstrauen getriebenen und in Angst erstarrten Theologen», der die Kirche «in rückwärtsgewandter Weise» geprägt habe.

Wegen Umgang mit Missbrauchsfällen in den Schlagzeilen

Um den fünften Jahrestag seiner Wahl zum Papst war 2010 der Missbrauch an unzähligen Kindern durch katholische Geistliche ans Licht gekommen - und wie dies jahrzehntelang vertuscht worden war. Mit der Forderung nach «null Toleranz» gegen die «Sünde in der Kirche» und der Bitte um Vergebung positionierte sich Benedikt in dieser Krise eindeutig.

Anfang 2022 geriet Benedikts eigener Umgang mit Missbrauchsfällen in seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising in die Schlagzeilen. Ein vom Münchener Erzbistum in Auftrag gegebenes Missbrauchsgutachten warf ihm Fehlverhalten in vier Fällen vor. Benedikt war von 1977 bis 1982 Erzbischof von München und Freising gewesen.

Kurz nach der Veröffentlichung des Gutachtens musste Benedikt über seinen Privatsekretär Georg Gänswein eine Aussage korrigieren: Entgegen einer ersten Darstellung hatte er demnach 1980 doch an einer wichtigen Sitzung teilgenommen, in der über einen Priester gesprochen worden war, der im Bistum Essen mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern auffällig geworden war. Der Fall war deshalb brisant, weil der Priester in Bayern wieder als Seelsorger eingesetzt wurde. In einem öffentlichen Brief entschuldigte sich Benedikt etwas später bei allen Opfern sexuellen Missbrauchs.

Bätzing erinnerte an diesen Brief. «Die Betroffenen hat er um Vergebung gebeten und doch blieben Fragen offen.» Kritik kam von der Opfer-Initiative «Eckiger Tisch». «Den Tausenden von Missbrauchsopfern seiner Kirche in aller Welt wird er in unguter Erinnerung bleiben als langjähriger Verantwortlicher jenes Systems, dem sie zum Opfer fielen», sagte der Sprecher der Initiative, Matthias Katsch, der dpa.

Strenge Haltung bei vielen Themen

Benedikt prägte die katholische Kirche schon vor seinem Pontifikat. Als Präfekt der Glaubenskongregation in Rom hatte Kardinal Ratzinger bereits mehr als 20 Jahre Kirchengeschichte geschrieben. Seine strenge Haltung zu Themen wie Geburtenkontrolle, Abtreibung oder Zölibat lehnten zahlreiche Gläubige insbesondere in Europa ab. In anderen Teilen der katholischen Weltkirche, etwa in Ländern Afrikas und Lateinamerikas, erfuhr seine Linie dagegen Unterstützung.

Zu dem Requiem am Donnerstag werden in Rom bis zu 60.000 Besucher erwartet. Von Montag bis Mittwoch dürften demnach täglich bis zu 35.000 Gläubige in den Petersdom kommen. Die Trauerfeiern für Papst Johannes Paul II. hatten 2005 ganz andere Dimensionen: Damals wollten mehrere Millionen Pilger in Rom dabei sein. Benedikt selbst wünschte sich bescheidene Feiern.

In seinem vom Vatikan veröffentlichten geistlichen Testament dankte Benedikt Gott, der ihm das Leben geschenkt und ihn durch vielerlei Wirrnisse hindurchgeführt habe. «Betet für mich, damit der Herr mich trotz all meiner Sünden und Unzulänglichkeiten in die ewigen Wohnungen einlässt», bat er.