Baden-Württemberg

Ärzteverband: Solidarität für mehr Corona-Schwerpunktpraxen

Arztpraxis
Patienten warten im Wartezimmer einer Arztpraxis. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild © Sina Schuldt

Stuttgart/Biberach (dpa/lsw) - Der Hausärzteverband ruft niedergelassene Mediziner im Südwesten angesichts der bevorstehenden Grippesaison dazu auf, Corona-Schwerpunktpraxen (CSP) einzurichten. Die bestehenden 900 Praxen seien mit der Aufgabe überfordert, alle Menschen mit Erkältungssymptomen auf Corona zu testen, zugleich die wegen der Pandemie empfohlene Grippeimpfung vorzunehmen und die Grundversorgung zu sichern, sagte Landesverbandsvize Frank-Dieter Braun der Deutschen Presse-Agentur.

Als Grund für die Zurückhaltung seiner Kollegen nannte der Betreiber einer Corona-Schwerpunktpraxis in Biberach die aus seiner Sicht unzureichende Vergütung von 15 Euro pro Abstrich. «Die Corona-Abstriche sind personell und organisatorisch sehr aufwendig und nicht kostendeckend.»

Eine CSP ist eine reguläre Haus- oder Facharztpraxis, die für Corona-Verdachtsfälle spezielle Sprechstunden vorhält. Besteht ein Coronaverdacht, gelten deutlich erweiterte Sicherheitsstandards und eine strikte Trennung von den übrigen Patienten der Praxis. Niedergelassene Haus- und Kinderärzte, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte und Lungenärzte können sich als CSP bei der Kassenärztlichen Vereinigung registrieren. Laut Braun sind von den bestehenden Schwerpunktpraxen 90 Prozent von Hausärzten eingerichtet worden. Aus seiner Sicht sind dezentrale Corona-Praxen geeigneter als zentrale Abstrichstellen, da dort weniger Menschen an einem Punkt zusammentreffen.

Braun forderte mehr Solidarität untereinander, schließlich gebe es im Südwesten 5000 niedergelassene Hausärzte und die Tests könnten auch andere Fachärzte vornehmen. Es sei wichtig, andere Fachrichtungen ins Boot zu holen, da viele Allgemeinmediziner schon im Rentenalter seien und somit der Risikogruppe angehörten. «Wenn wir uns anstecken, wäre das eine Katastrophe für die weiteren Corona-Tests und Influenzaimpfungen», sagte der 66-Jährige, der im Jahr 600 bis 700 Grippeimpfungen vornimmt.

«Nach den Appellen, sich gegen Influenza impfen zu lassen, nimmt das Interesse merklich zu.» Er habe im Frühjahr bereits 20 Prozent mehr Impfdosen als sonst bestellt. Ein Nachschlag sei nicht möglich, da die Herstellung des Impfstoffes mehrere Monate dauere. Insgesamt stehen 25 Millionen Dosen für 82 Millionen Einwohner bereit. Kein Grund zur Panik, meint Braun. «Auch wenn sich nur jeder Dritte impfen lässt, trägt das zur Eindämmung der Influenza bei.» Der Hausärzteverband hat in Baden-Württemberg 4000 Mitglieder.