Baden-Württemberg

Ansturm: Corona treibt Menschen in den Schwarzwald - Schnee erwartet

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Menschen gehen mit ihren Schlitten einen Hang hoch
Menschen gehen mit ihren Schlitten einen Hang auf dem Feldberg hoch. (Bild vom 28.12.) Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolbild © Philipp von Ditfurth
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Zwei Wanderer laufen vor dem Schwarzwaldpanorama
Zwei Wanderer laufen vor dem Schwarzwaldpanorama. Foto: Patrick Seeger/dpa/Symbolbild © Patrick Seeger

Freiburg (dpa/lsw) - Die Corona-Pandemie hat im Schwarzwald einen Wander-Boom ausgelöst. Im Nationalpark Schwarzwald seien im Zeitraum April bis Juni 2020 rund 100 000 Gäste mehr unterwegs gewesen als im Vorjahreszeitraum, erklärte die Parkverwaltung. Das sei ein Plus von knapp 50 Prozent. An einigen Stellen wurden demnach gar doppelt bis dreimal so viele Ausflügler wie im Vorjahreszeitraum gezählt.

Die Zahlen für die Monate ab Juli seien noch nicht ausgewertet worden, aber auch für diesen Zeitraum zeichne sich ein deutliches Besucherplus ab. Basis für die Einschätzung sind Zählschranken, die seit dem Jahr 2018 im Nationalpark aufgestellt wurden.

Fest steht, dass Schnee und gutes Wetter auch zur Weihnachtszeit viele Ausflügler in die Natur zogen. Einen wahren Ansturm erlebten beliebte Ziele wie der Dobel oder der Mummelsee im Nordschwarzwald und der Kandel nahe Freiburg. Stellenweise kam es an verschiedenen Tagen zu einem Verkehrschaos, weil Parkplätze überfüllt waren. Mancherorts sperrte die Polizei die Zufahrtsstraßen, um des Andrangs Herr zu werden. Laut Offenburger Polizei sind Besuchermassen bei Schnee im Schwarzwald aber nichts Ungewöhnliches - das gebe es jedes Jahr, sagte ein Sprecher.

Coronabedingt war hingegen wohl der Ansturm der Wanderer. Die Wanderführer und Wegewarte der Region hätten bemerkt, dass 2020 viel mehr Menschen unterwegs gewesen seien als zuvor, sagte ein Sprecher des Schwarzwaldvereins.

Anett Vonglatsamy, Vorsitzende der Ortsgruppe Freiburg, sagte der dpa: «Im Frühjahr war es draußen total voll.» Auch unter der Woche sei der Ansturm spürbar gewesen, und sonst weniger frequentierte Wege seien plötzlich gut besucht gewesen. Im Herbst seien die Zahlen der Wanderer weiter erhöht gewesen. In ihrem Ortsverein sei im Corona-Jahr 2020 zudem die Mitgliederzahl deutlich angestiegen.

Eine Wanderwartin, die sich unter anderem um den Erhalt der Wegebeschilderung kümmert, erklärte, viele Wanderer hätten sie im Freiburger Stadtwald gefragt, wie man zu bestimmten Zielen komme. «Das ist mir bis dato nicht so häufig passiert, vielleicht sind vermehrt «neue» Waldbesucher unterwegs.»

Der Andrang hatte laut Nationalparkverwaltung aber auch negative Folgen. «Das Ranger-Team musste häufig wilde Camper ermahnen und größere Gesellschaften auflösen», hieß es. «Auf den Parkplätzen im Nationalpark standen die Wohnmobile teilweise dicht an dicht.» Wie die Tierwelt die vielen Besucher verkraftet habe, sei noch nicht klar.

Störungen durch Menschen abseits der Wege seien besonders in den kalten Monaten gefährlich für die Tiere, da sie in dieser Zeit von ihren Energiereserven zehren müssten. Im Frühjahr seien viele Tiere anfällig für Störungen, weil sie mit Brüten oder der Aufzucht ihrer Jungen beschäftigt seien.

Das erste Wochenende im neuen Jahr bringt Schnee und Glätte in den Südwesten. In der Nacht zu Sonntag beginne es verbreitet zu schneien, hieß es von den Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes. Menschen müssten sich am Sonntag auch tagsüber auf glatte Straßen einstellen, in manchen Gebieten klinge der Schnee erst am Abend ab. Das Thermometer zeige Höchstwerte zwischen minus vier und zwei Grad.

Für Samstag erwarteten die Wetterexperten eine starke Bewölkung. Im Norden könne sich nach Nebelauflösung etwas Sonne zeigen, im Süden schneie es anfangs vereinzelt. Die Höchstwerte liegen zwischen minus drei Grad im höheren Bergland und vier Grad im Kraichgau.