Baden-Württemberg

Auf neun Flächen «Trüffelbäume» für die Wildkatze gepflanzt

Eine Wildkatze läuft über einen Stamm
Eine Wildkatze läuft über einen Stamm. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild © Sebastian Gollnow

Freiburg (dpa/lsw) - Die einst aus dem Südwesten verschwundene Europäische Wildkatze soll sich nach dem Wunsch von Experten wieder dauerhaft in Baden-Württemberg ansiedeln. In einem vom Land geförderten Pilotprojekt in den Kreisen Lörrach, Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald, das nun abgeschlossen ist, sind auf neun Flächen spezielle Bäume samt begleitender Sträucher angepflanzt worden. Die Bäume wurden mit dem Pilz geimpft, wie Fachleute es nennen, so dass die Trüffeln an den Wurzeln im Boden wachsen.

Die Idee dahinter: Grundstückseigentümer pflanzen auf ihren Flächen Bäume an, die den Wildkatzen auf deren Wanderungen Schutz bieten und deren Lebensbedingungen damit verbessern. Der Eigentümer kann im Gegenzug wertvolle Trüffeln aus seinem Land ernten. Die Anschaffung der Bäume finanzierte das Land zur Hälfte.

Zwei Jahre lief das Projekt, wie Sabrina Streif von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg sagte. Drei weitere Flächen wurden mit Streuobstbäumen und Hecken bepflanzt. «Das Interesse war groß. Es gibt viele Menschen, die Fläche in ihrem Besitz haben und sie für Tiere nutzen wollen.» Insgesamt hätten Grundeigentümer 97 Flächen gemeldet, 42 seien begutachtet worden. Vor einem Jahr hatte dpa berichtet, dass die Trüffelfplanzen Wildkatzen anlocken sollen - das ist aber nicht der Fall.

Bis sich zeigt, ob die Wildkatzen die durch die «Trüffelbäume» und Sträucher geschaffenen neuen Strukturen auch gutheißen werden und sich der Bestand der Tiere dadurch womöglich erhöht, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Es dauert nach Streifs Angaben mehrere Jahre, bis die Bäume ausgewachsen sind. Derzeit leben nach Einschätzung von Biologin Streif mehrere Hundert Wildkatzen im Südwesten. Deutschlandweit seien es etwa 5000.

Seit 1912 galt die Wildkatze in Baden-Württemberg als ausgerottet. 2006 und 2007 wurde sie erstmals wieder nachgewiesen und danach immer häufiger gesichtet. Ihr Hauptdomizil im Südwesten ist nach Angaben der Forschungseinrichtung die Rheinebene, von dort breitet sie sich Richtung Schwarzwald und Schwäbische Alb aus. Das Raubtier ist streng geschützt. Es steht deutschlandweit auf der Roten Liste stark gefährdeter Tierarten. Intensive Land- und Forstwirtschaft mit Monokulturen machen ihm den Angaben zufolge das Überleben schwer.

Die Experten aus Freiburg wollten in dem Pilotprojekt vor allem herausfinden, wie eine Förderung für Grundstückseigentümer funktionieren kann und wie sie angenommen wird. Um der Wildkatze gerecht zu werden, müsse man allerdings langfristig nicht nur vereinzelte, kleinere Flächen wildkatzengerecht umgestalten, sondern einen «Wildtierkorridor» erschaffen und erhalten, sagte Streif. Das bedeutet, dass sich die Raubtiere auf ihren Wanderungen auch auf längere Distanz sicher und geschützt bewegen können - und sie nicht plötzlich auf einer Straße oder in einem dichten Siedlungsgebiet landen. Dazu bedürfe es etwa der Abstimmung mehrerer Landkreise.

Anders als beim Wolf, den vor allem Nutzviehhalter fürchten, gebe es bei der Wiederansiedlung der Wildkatze kaum politischen Widerstand, sagte Streif. «Die Wildkatze frisst Mäuse und kaum Vögel. Selbst Ornithologen sind ihr wohlgesonnen.» Es handele sich schlicht um einen Beitrag zur Artenvielfalt, die Raubtiere dauerhaft wieder im Südwesten heimisch werden zu lassen.