Baden-Württemberg

Bürgermeister fordern Abkehr von Politik der Schließungen

Menschenleer sind die Rolltreppen in einem Einkaufszentrum
Menschenleer sind die Rolltreppen in einem Einkaufszentrum. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild © Frank Rumpenhorst

Markdorf (dpa/lsw) - 16 Bürgermeister haben in einem offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) eindringlich appelliert, trotz der angespannten Corona-Lage Öffnungen zuzulassen - etwa in Handel und Gastronomie. «Wir fordern eine Abkehr von der reinen Politik der Beschränkung und Verbote zu einer Politik der möglichst großen Freiheit mit bestmöglicher Begleitung von Hygienemaßnahmen», schreiben sie. Nach einer solch langen Zeit in der Pandemie erscheine ihnen die aktuelle Ausrichtung des politischen Handelns nicht mehr weitblickend genug.

«Das Coronavirus gehört zwischenzeitlich zu uns. Wir werden es für lange Zeit nicht schaffen, alle daraus resultierenden Risiken auszuschalten. Deshalb muss das Motto für die kommenden Wochen heißen: Zulassen, statt zu lassen!», heißt es.

Der kleine Einzelhändler in der Innenstadt etwa könne es nicht nachvollziehen, warum er «mit hervorragendem Hygienekonzept seine Kleidung nicht mehr direkt verkaufen darf - während die Lebensmitteldiscounter voll sind.» Auch Hotellerie und Gastronomie hätten sich im vergangenen Jahr mit ausgezeichneten Hygienekonzepten fit für den sorgfältigen Umgang mit der Pandemie gemacht - und fänden sich dennoch derzeit «in der vollkommenen Perspektivlosigkeit wieder.»

Und: «Insbesondere unsere Schulen und Kitas müssen dauerhaft geöffnet werden. Weitere Schließungen dürfen keine Option mehr sein. Das Land wird ansonsten seinem Bildungs- und Erziehungsauftrag nicht mehr gerecht. Es droht der Verlust einer ganzen Generation.»

Auf kurze und mittlere Frist könne die Verknüpfung intelligenter Testszenarien mit einer wohlüberlegten Öffnungsstrategie deutlich schneller aus der Krise führen als das ungeduldige Warten auf durchschlagende Impferfolge, so die Bürgermeister. Auch das verbindliche Tragen von FFP2-Masken sei eine gute Begleitung einer Öffnungsstrategie. «Die Angst vor der eventuell nächsten Welle oder dem nächsten Mutanten darf uns nicht lähmen und zu den bisherigen Verhaltensmustern zurückkehren lassen.»

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