Vergleichsstudie

Baden-Württemberg bei Bildungsranking ohne Verbesserung

Schule
Eine Schülerin meldet sich im Unterricht. © Marijan Murat

Stuttgart (dpa/lsw) - In Sachen Bildung verharrt Baden-Württemberg einer Studie zufolge im Mittelmaß. In der Auswertung im Auftrag der wirtschaftsnahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft belegt der Südwesten erneut den sechsten Platz im Vergleich zu den anderen Bundesländern. Stärken weist das Land im Bereich der dualen Ausbildung, bei der Digitalisierung und mit einem hohen Anteil von Universitätsabsolventen aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) auf. Schwächen wurden im Bereich des Fremdsprachenunterrichts an den Berufsschulen gesehen und beim geringen Anteil an Kindern, die eine Kita-Ganztageseinrichtung besuchen.

In Sachsen gibt es der Studie zufolge das beste Bildungssystem für Schülerinnen und Schüler. Danach folgen Bayern und Thüringen auf Platz zwei und drei. Schlusslicht ist hinter Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt der Zwei-Städte-Staat Bremen. In der Studie wird bewertet, inwiefern ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

An allen Schulen sollten nach Ansicht der Autoren Vergleichsarbeiten durchgeführt werden, um den Umfang des Lernverlustes während der Corona-Pandemie systematisch zu ermitteln. Zudem müssten die Förderinfrastruktur ausgebaut und mehr Lehrkräfte in den MINT-Fächern ausgebildet werden.

Stärken von Baden-Württemberg

Bei der beruflichen Ausbildung schneidet das Land gut ab. Mit 93,6 Prozent sei 2020 die höchste Erfolgsquote bei den Abschlussprüfungen der dualen Ausbildung aller Länder erreicht worden. Außerdem fiel die Quote der unterversorgten Bewerber mit 6,8 Prozent geringer aus als im Bundesdurchschnitt.

Positiv wird auch die Digitalisierung gesehen. Mit 74 Digitalisierungspatenten im Jahr 2018 pro 100.000 Beschäftigten habe der Südwesten den besten Wert aller Länder erreicht, so die Autoren. Die Anzahl der neuen betrieblichen Ausbildungsbereiche im IT-Bereich pro 100.000 Einwohner falle mit 45,4 höher aus als im bundesdeutschen Durchschnitt (43,6). Auch im Schulunterricht kämen schon relativ häufig digitale Medien zum Einsatz.

Potenzial

Verbesserungsbedarf wird vor allem in der Internationalisierung und Förderinfrastruktur gesehen. Der Anteil der Berufsschüler, die 2020 in Fremdsprachen unterrichtet wurden, war laut Studie mit 20,8 Prozent der zweitniedrigste. Auch der Anteil der Grundschüler mit Fremdsprachenunterricht liege mit 48,8 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt von 60,9 Prozent. Zugleich sei der Anteil der ausländischen Studierenden mit 9,9 Prozent ebenso geringer als im Bundesdurchschnitt mit 11,4 Prozent.

Der Anteil der Kinder zwischen drei und sechs Jahren in der Ganztagesbetreuung lag 2021 bei 24,3 Prozent, das war der niedrigste Wert in ganz Deutschland. Bei der Quote von Ganztagsschülern im Grundschulbereich erreichte das Land im Jahr 2020 mit 41,3 Prozent ebenfalls einen unterdurchschnittlichen Wert.

Reaktionen

Die Arbeitgeber der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie forderten ein Gesamtkonzept, um bei Zukunftsthemen nicht den Anschluss zu verlieren. Der Verband bemängelte beim Thema Digitalisierung, dass es hier vor allem in den Frühbereichen der digitalen Bildung fehle. Vor allem der letzte Platz bei den computerbezogenen Kompetenzen von Schülern steche dabei ins Auge.

Kultusministerin Theresia Schopper (Grüne) hob das Abschneiden bei der beruflichen Bildung hervor. Das könne alle Beteiligten stolz machen. Die Probleme bei der Ganztagsbetreuung seien bekannt. «Chancen und Bildungsgerechtigkeit sind für uns sehr wichtige Themen, an denen wir arbeiten.»

Zum Thema Fremdsprachenunterricht verwies die Politikerin darauf, dass der Start bewusst von Klasse 1 auf Klasse 3 verschoben wurde, um unter anderem um zusätzliche Lehrkräfte für Deutsch und Mathe zu erhalten.

Der vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erstellte Bildungsmonitor wird seit 2004 jährlich erhoben. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beschreibt sich selbst als überparteiliches Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Sie wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall-und Elektro-Industrie finanziert.