Baden-Württemberg

Baden-Württemberg erwägt Maskenpflicht-Ende im Unterricht

Masken und Taschen hängen in einer Grundschule an Kleiderhaken
Masken und Taschen hängen in einer Grundschule an Kleiderhaken. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © Patrick Pleul

Stuttgart (dpa/lsw) - Die 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg können sich auf eine Lockerung der Maskenpflicht in den Schulen einstellen. Sollte das Pandemiegeschehen stabil bleiben, brauchen Kinder und Jugendliche aller Voraussicht nach demnächst keinen Mund- und Nasenschutz mehr an ihrem Platz im Klassenzimmer tragen. «Es gibt Überlegungen, die Maskenpflicht in Schulen am Platz zu überarbeiten», bestätigte Regierungssprecher Arne Braun am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Die nächste Aktualisierung der Corona-Verordnung stehe für übernächste Woche an. «Es kann sein, dass wir das da schon überarbeiten.» Eine solche Lockerung wäre aber Teil eines Gesamtpakets.

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) hält eine Lockerung für geboten, wenn die Inzidenzen stabil bleiben. «Es ist schwierig für die Kinder und Jugendlichen, wenn sie die Maske den ganzen Tag tragen müssen. In Bezug auf Lockerungen an den Schulen steht daher eine Erleichterung bei der Maskenpflicht als einer der ersten Punkte auf der Tagesordnung, wenn das angesichts des Pandemiegeschehen verantwortbar ist.»

In Bayern sollen Schülerinnen und Schüler schon von nächster Woche an im Unterricht keine Masken mehr tragen müssen. Das Saarland hat die Maskenpflicht in Schulen schon länger abgeschafft. Auch in Brandenburg und ab Montag auch in Berlin müssen die Kinder in Grundschulen keine Masken mehr tragen.

Schopper erklärte: «Die Maske ist aus pädagogischer Hinsicht schwierig, insbesondere wenn es um das Sprachenlernen geht, aber auch für Kinder die Deutsch als Zweitsprache erlernen oder für verschiedene Unterrichtsformen, wie beispielsweise beim Theaterspielen.» Vor allem für Kinder unter zwölf Jahren sei die Maske hinderlich. «Sie brauchen aufgrund ihrer Entwicklung die Mimik zur Verständigung, um zum Beispiel mal ein Lächeln sehen oder zeigen zu können.»

Für eine Lockerung spreche auch, dass es bei Kindern über zwölf Jahren in der jüngsten Zeit einen großen Impffortschritt gegeben habe. Es gebe teilweise schon Klassen, in denen 100 Prozent der Schülerinnen und Schüler geimpft seien. «Ich appelliere deshalb auch weiterhin an die Schülerinnen und Schüler und auch an die Eltern nachzuziehen - lassen Sie sich impfen, lasst Euch impfen und schützt damit euch und auch andere Personen in Eurem Umfeld.»

Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz sagte der dpa: «Die Corona-Maßnahmen stehen kontinuierlich auf dem Prüfstand - natürlich schließt das die Überprüfung der Maskenpflicht im Klassenzimmer ein. Insofern denken wir auch darüber nach, ob die Maskenpflicht am Platz aufgehoben werden kann.» Im Vordergrund müsse aber die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen stehen. «Das heißt: Weiterhin drei Tests für die Schülerinnen und Schüler und klare 3G-Regelungen für alle Lehr- und Betreuungskräfte, um sicheren Präsenzunterricht und gute Bildung für die Kinder zu ermöglichen.»

Die Befürchtungen, dass Rückkehrer aus dem Urlaub das Coronavirus massenweise in die Schulen tragen könnten, hatte sich zunächst nicht erhärtet. Allerdings müssen Schülerinnen und Schüler bisher auch im Unterricht Maske tragen und sich mehrfach pro Woche testen lassen. Hintergrund ist, dass es für unter Zwölfjährige keine Impfempfehlung gibt, die für ältere Kinder und Jugendliche gilt erst seit kurzem.

Der Virologe Christian Drosten warnte vor einer vierten Corona-Welle in Deutschland in der zweiten Oktoberhälfte. «Ich denke, da deutet sich jetzt die Herbst- und Winterwelle an, die wir im Oktober wohl wieder sehen werden», sagte der Wissenschaftler von der Berliner Charité bei NDR-Info. Da die Impfquote in Deutschland mit 64,3 Prozent (Stand 29.9.) immer noch zu niedrig sei, gehe er davon aus, dass die Winterwelle wie im vergangenen Jahr in der zweiten Oktoberhälfte losrolle.

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