Baden-Württemberg

Baden-Württemberg plant kostenlose Schnelltests für alle

Schnelltests und Teststäbchen
Schnelltests und Teststäbchen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © Sebastian Gollnow

Stuttgart (dpa/lsw) - Nach der Bundesregierung will auch die grün-schwarze Landesregierung das Angebot für kostenlose Schnelltests auf das Coronavirus für alle Menschen ohne Symptome ausweiten. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte am Mittwoch in Stuttgart, die positive Entwicklung der letzten Wochen sei ermutigend. Gerade mit Blick auf die Virusmutationen sei ein zielgerichteter und systematischer Einsatz von Schnelltests ein wichtiger Baustein, um gefährdete Gruppen noch besser zu schützen und die jetzt erreichten Erfolge nicht zu verspielen.

Das Land stellt gut vier Millionen Schnelltests aus der Notreserve zur Verfügung. Es sollen auch weitere sieben Millionen Schnelltests der neuen Generation zur Selbstanwendung vom Land gekauft werden, bei denen das Teststäbchen nur noch wenige Zentimeter in die Nase gesteckt werden muss. Sozialminister Manne Lucha (Grüne) sagte, dass Testangebot werde nun auch auf pflegende Angehörige oder Berufsgruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko erweitert. Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte, die Schnelltests könnten helfen, Infektionsketten frühzeitig zu unterbrechen.

Die Ausweitung der Tests soll mit den Partnern vor Ort erfolgen. Der Einsatz von Corona-Schnelltests soll auch bundesweit vom 1. März an ausgedehnt werden - etwa mit kostenlosen Testmöglichkeiten in Apotheken und in Arztpraxen. Der Landesapothekerverband im Südwesten hatte aber schon davor gewarnt, dass man für Massentests nicht ausgerüstet sei. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sprach sich erneut für kommunale Schnelltestzentren aus. Dafür hätten die Kommunen bei dem Spitzengespräch erneut ihre Unterstützung zugesagt. Notwendig seien leicht zugängliche und wohnortnahe Angebote. Kostenlose Schnelltests für alle gibt es beispielsweise schon im Landkreis Böblingen.

Die Tübinger Notärztin Lisa Federle, die die Strategie des Landes bislang kritisch begleitete, erklärte nun: «Wir sind jetzt endlich einen großen Schritt weitergekommen auf dem Weg, dass im ganzen Land systematisch getestet wird.» Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sagte: «Eine flächendeckende Teststrategie auf der Basis von Schnelltests muss ein zentraler Baustein für das Wiederhochfahren von Wirtschaft und Gesellschaft werden.»

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch forderte Sozialminister Lucha auf, die neuen, vor der Zulassung stehenden Schnelltests rasch zu beschaffen. Im vergangenen Jahr sei das Land etwa im Vergleich zu Bayern bei der Bestellung von Antigen-Schnelltests zu zögerlich gewesen. Die erweiterte Teststrategie soll auch die angestrebte Öffnung von Schulen und Kitas flankieren. Das Land will sie vom 22. Februar schrittweise öffnen.

Städtetagspräsident Peter Kurz (SPD) sagte, dass das beschlossene Testangebot für das Personal von Kitas und Schulen nicht allein über Arztpraxen und Ärzte erfolgen könne, da hierfür nicht überall die Bereitschaft und die Strukturen bestünden. Kurz regte an, mobile Teams in die Einrichtungen zu schicken, um Schnelltests abzunehmen oder eine angeleitete dezentrale Selbsttestung zu organisieren.

Die FDP begrüßte die erweiterte Teststrategie. «Aber es zeigt sich, dass Lucha als verantwortlicher Minister nach wie vor keine eigene Strategie zur Bekämpfung der Pandemie entwickelt hat», sagte der Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann.

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