Baden-Württemberg

Bayerns vorletztes Kernkraftwerk stellt Produktion ein

Gundremmingen
Das Atomkraftwerk steht im Nebel. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild © Karl-Josef Hildenbrand

Gundremmingen (dpa) - Der Block C des Kernkraftwerks Gundremmingen wird zum Jahresende nach 36 Jahren den Betrieb einstellen. Unmittelbar nach der Abschaltung will Betreiber RWE gleich mit dem Abbau der Atomanlage beginnen. Seit Mai 2021 liege die Genehmigung vor, dass auch der dritte Block rückgebaut werden dürfe, sagt Anlagenleiter Heiko Ringel. «Damit wird dann im Januar 2022 begonnen.»

Von den zuletzt rund 540 eigenen Beschäftigten werden deswegen rund 440 weiterhin in dem dann stillgelegten Kraftwerk arbeiten. Die anderen Stellen sollen sozialverträglich abgebaut werden. Der Rückbau der Blöcke B und C in Gundremmingen wird voraussichtlich mindestens bis Mitte der 2030er Jahre dauern und eine Milliardensumme kosten.

Mit Gundremmingen müssen in Norddeutschland zwei weitere Atommeiler abgeschaltet werden. Als letztes bayerisches Atomkraftwerk muss dann Ende 2022 Isar 2 in der Nähe von Landshut vom Netz gehen. Neben dem Meiler in Niederbayern haben noch zwei andere Kernkraftwerke in Deutschland eine zwölfmonatige Gnadenfrist: die Reaktoren Emsland in Niedersachsen und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg.

Gundremmingen zählt nicht nur zu den bekanntesten Standorten der Atomstromproduktion in Deutschland - es war auch einer der umstrittensten. Mit Block A begann im Jahr 1966 die industrielle Atomstromproduktion in der Bundesrepublik. Dieser erste Meiler wurde nach einem Jahrzehnt nach mehreren schweren Störfällen abgeschaltet. Block B des Kernkraftwerks war Ende 2017 planmäßig nach 33 Jahren vom Netz gegangen. Kernkraftgegner hatten regelmäßig kritisiert, dass die Siedewasserreaktoren in Schwaben besonders gefährlich seien und immer wieder die Stilllegung des Kraftwerks verlangt.

RWE möchte den Standort im Landkreis Günzburg später weiter für die Produktion nutzen und dort ein Gaskraftwerk errichten. Solch eine Anlage würde dann auch gleich für den möglichen Betrieb mit Wasserstoff gebaut, erläuterte ein Sprecher. Dann könnte das Kraftwerk «langfristig im Sinne der Klimaneutralität eingesetzt werden». Er betont allerdings, dass es noch keine Entscheidung für ein neues Gaskraftwerk in Gundremmingen gibt.

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