Baden-Württemberg

Boris Palmer für nächtliche Ausgangsbeschränkungen

Boris Palmer gestikuliert
Boris Palmer (Bündnis 90/Die Grünen), Oberbürgermeister von Tübingen, gestikuliert. Foto: Marijan Murat/dpa © Marijan Murat

Tübingen (dpa/lsw) - Das Tübinger Modellprojekt mit Lockerungen durch massenhaftes Testen hat weiter großen Zulauf - aus Sicht der Stadt soll die neue Freiheit aber wieder etwas eingeschränkt werden. Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) sprach sich angesichts großer Gruppen, die auf innerstädtischen Wiesen Partys feierten, für nächtliche Ausgangsbeschränkungen aus. Da gebe es keinen Abstand, sondern Alkohol. «Ich hätte gar nichts dagegen zu sagen: Ab 20 Uhr ist wirklich Ruhe», sagte Palmer am Sonntagabend in einer Online-Gesprächsrunde der «Bild»-Zeitung. Tagsüber könne geordnet in der Außengastronomie gesessen oder mit Maske eingekauft werden. «Und nachts sind alle daheim - warum nicht», so der Grünen-Politiker.

Auch der große Zulauf von Menschen von außerhalb des Landkreises Tübingen macht dem Rathauschef Sorgen. Zahlreiche Menschen waren am Wochenende in die Universitätsstadt am Neckar gekommen und hatten die dort möglichen Lockerungen genossen. In der Außengastronomie von Cafés und Restaurants waren die Plätze bei frühlingshaften Temperaturen gefüllt. Vorsorglich hatte die Stadt die Zahl der Tests für Menschen von außerhalb des Landkreises auf 3000 beschränkt. Um dem befürchteten Andrang am Osterwochenende zu begegnen, soll es an diesen Tagen nur noch Tests für Einheimische geben.

Tübingen testet seit Mitte März, ob mehr Öffnungsschritte mit möglichst flächendeckendem Testen umsetzbar sind, ohne dass die Zahl der Corona-Fälle deutlich zunimmt. Menschen können in der Stadt kostenlose Tests machen, das Ergebnis wird bescheinigt. Mit dem Zertifikat können die als gesund getesteten Personen zum Beispiel in Modeläden einkaufen, zum Friseur oder auch in Theater und in den Biergarten gehen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist die Positivrate der Schnelltests mit 1:1000 sehr konstant, das von der Stadt aufgebaute System regelmäßiger Testungen in Betrieben, Schulen, Kitas und das leistungsfähige Netz von Teststationen funktioniere, so ein Sprecher. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz liege in der Stadt seit mehreren Wochen unter 35. Das Modellprojekt wurde zuletzt bis zum 18. April verlängert.

Ungeachtet dessen steigt im Landkreis Tübingen das Infektionsgeschehen im Zuge der Ausbreitung der ansteckenderen Varianten des Coronavirus. Die Region lag zuletzt nur noch knapp unter dem Wert von 100 bei der Sieben-Tage-Inzidenz. Steigt in Kreisen die Inzidenz an drei Tagen in Folge über den Wert von 100, müssen diese eine sogenannte Notbremse ziehen und Lockerungen für Handel und Freizeit zurücknehmen. Auch eine nächtliche Ausgangsbeschränkung kann in diesem Fall verhängt werden.

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