Baden-Württemberg

Brutaler Raubüberfall auf Villa

Justitia
Die Statue Justitia. Foto: Peter Steffen/dpa © Peter Steffen

Offenburg (dpa/lsw) - Mit einem Gummiboot seien er und sein Komplize über einen Wassergraben zur Villa gefahren und hätten die Bewohner am Ende dazu gebracht, mehrere Tresore zu öffnen: Zu Beginn eines Raubprozesses in Offenburg hat der 31 Jahre alte Angeklagte ein Teilgeständnis abgelegt. Zugeschlagen oder mit einem Messer gedroht habe er aber nicht, sagte der Beschuldigte am Donnerstag vor dem Offenburger Landgericht (Az.: 2 KLs 504 Js 9167/20).

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten hingegen vor, den Villa-Eigentümer bei dem Überfall in Kehl (Ortenaukreis) im Mai vergangenen Jahres mit der Faust geschlagen, mit einem Messer bedroht und mit Kabelbindern gefesselt zu haben. Auch dessen Partnerin soll er geschlagen haben. Das Duo habe die Bewohner dazu gezwungen, mehrere Tresore zu öffnen, und so Uhren, Gold und Bargeld im sechsstelligen Euro-Bereich erbeutet. Der Angeklagte muss sich deshalb wegen besonders schweren Raubs in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Eine genaue Täterbeschreibung sowie DNA-Spuren am Tatort halfen den Ermittlern bei der Suche nach dem Angeklagten. Nach internationaler Fahndung nahm ihn die Polizei in Rumänien fest, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Der mutmaßliche Komplize ist den Ermittlern bislang unbekannt.

Der Angeklagte sagte aus, er habe in seiner Jugend in Moldawien viel Judo trainiert und später in Deutschland als Monteur gearbeitet. Nach einer Knieverletzung habe er jedoch nicht mehr arbeiten können, sei wegen der Schmerzen in eine Medikamenten- und Alkoholsucht abgerutscht. Als Motiv für die Tat gab der Mann an, er habe in Moldawien bei einem illegalen Pokerspiel verloren und danach gefährlichen Leuten viel Geld geschuldet. Diese hätten gedroht, seinen Eltern etwas anzutun, wenn er das Geld nicht schnell zurückzahle.

Vor Gericht stellte der Angeklagte sich als naiv dar - und seinen Komplizen als die treibende Kraft hinter dem Raubüberfall: Wenn er gewusst hätte, was der Mittäter vorgehabt habe, wäre er nicht mit zu der Villa gekommen, sagte er laut seiner Dolmetscherin. Er sei davon ausgegangen, dass niemand zu Hause sein würde. Der Komplize, der alles über das Haus und die Bewohner gewusst habe, habe entschieden, die Tat durchzuziehen, obwohl das Paar und dessen Kinder anwesend waren. Er selbst habe den Villa-Eigentümer schließlich ohne grobe Gewalt mit einem Judo-Trick zu Fall gebracht. Die aus den Tresoren gestohlenen Uhren seien Fälschungen gewesen, die Beute viel weniger wert als von der Staatsanwaltschaft vorgebracht.

Doch es bleiben Fragezeichen: Wieso hatte der Angeklagte Kabelbinder dabei - wie er selbst zugibt -, wenn er damit rechnete, dass niemand zu Hause sein würde? Und wie hätte das Duo an die Codes für die Tresore kommen wollen, wenn die Bewohner wie angeblich geplant nicht da gewesen wären? Wer war der Komplize, den der Angeklagte «Andrej» nennt und den er genau beschreiben kann: gebrochene Boxernase, angeblicher Wohnort in Straßburg, Russe und Ex-Militär? Der nächste Prozesstermin ist für Mitte April angesetzt. Dann sollen die ersten Zeugen gehört werden.

© dpa-infocom, dpa:210325-99-969473/3