Militär

Bundeswehr reaktiviert Logistik-Einheiten im Südwesten

Bundeswehr nimmt Materiallager wieder in Betrieb
Bundeswehrangehörige salutieren bei der feierlichen Wiederinbetriebnahme des Materiallagers Hardheim. © Frank Rumpenhorst

Hardheim (dpa/lsw) - Die Bundeswehr will im Ernstfall schneller reagieren können und hat dafür Logistik-Einheiten auch im Südwesten reaktiviert. Die Wiederinbetriebnahmen des Materiallagers Hardheim und des Munitionsdepots in Walldürn erhielten eine neue Bedeutung im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg, sagte Generalleutnant Martin Schelleis am Montag bei der feierlichen Wiedereröffnung des 2018 aufgegebenen Logistikstandortes in Hardheim. «Die beiden reaktivierten Lager sind konkreter Ausdruck der Stärkung unserer Fähigkeit für die Landes- und Bündnisverteidigung - eine robustere Truppe braucht verfügbares und durchhaltefähiges Gerät, Ersatzteile und Munition.» Er fügte hinzu: «Das braucht Platz.»

Deshalb werde die Bundeswehr insgesamt acht aufgegebene Logistikstandorte wieder ans Netz nehmen. Diese Entscheidung hatte bereits die damalige Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Anfang 2019 getroffen - folglich besteht kein unmittelbarer Zusammenhang mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine und dem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr.

Die Einheiten sind für die Lagerung, Instandhaltung von Material für den täglichen Dienst und die Ausbildung zuständig. Auch die Auslandseinsätze werden von den Versorgungsstandorten aus unterstützt.

Schelleis betonte mit Blick auf die von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ausgerufene Zeitenwende: «Heute ist eine Konkretisierung der Zeitenwende.» Bürger und Bürgerinnen hätten Fragen zu ihrer Sicherheit und die ihrer Kinder, ob der Krieg auf Deutschland übergreifen könne und ob die Bundeswehr fähig sei, ihre Aufgaben bei der Landes- und Bündnisverteidigung zu erfüllen. Das bei der Bundeswehr seit 1990 angehäufte Investitionsdefizit in Logistik und Infrastruktur bezifferte er auf 30 Milliarden Euro. Angesichts der fragilen Sicherheitslage müsse gehandelt werden.

In Hardheim sollen Teile und Baugruppen für Fahrzeuge gelagert werden. Dort wurden bislang 15 Millionen Euro investiert. In Walldürn (beide Neckar-Odenwald-Kreis) werden vorwiegend Bomben und Raketen für die Luftwaffe vorgehalten und auf ihre Einsatzfähigkeit überprüft.

Nach Angaben des Hardheimer Betriebsführers Andreas Hügel werden sechs Soldaten und bis zu 85 zivile Beschäftigte - vom Kfz-Mechaniker über Logistiker bis hin zu Schreibkräften - im 320.000 Quadratmeter großen Materiallager arbeiten. Walldürn geht mit neun Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 40 zivilen Beschäftigten an den Start und soll 2026 um eine Bundeswehrfeuerwehr erweitert werden.

Vizelandrat Björn-Christian Kleih sagte, die Wiederbelegung der Lager sei eine frohe Nachricht für den Landkreis, dessen Bevölkerung hinter der Truppe stehe.

Zuerst waren 2021 Lager in Königswinter (Nordrhein-Westfalen) und Werlte (Niedersachsen) wiederbelebt worden.