Baden-Württemberg

Corona-Verordnung: Experten fordern sofortige Öffnung von Schulen und Kitas

Schulhof Verkehrsschild Schule Symbol Symbolbild
Symbolbild. © ZVW/Gabriel Habermann

Gerade erst hat das Kultusministerium Baden-Württemberg zaghaft die schrittweise Öffnung von Schulen und Kindergärten in den Regelbetrieb eingeläutet. Das ist allerdings für vier medizinische Fachgesellschaften zu wenig. Diese fordern: Alle Schulen und alle Kitas sollen wieder geöffnet werden. Damit sprechen sie sich ausdrücklich gegen die aktuellen Einschätzungen von Virologen wie Christian Drosten aus. 

"Infektionsrate und Schwere der SARS-CoV2-Infektion bei Kindern sehr gering"

Mit einer mehrseitigen Stellungnahme fordert die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygenie (DGKH), dass Kindergärten, Kitas und Schulen zeitnah und ohne massive Einschränkungen wieder öffnen sollten. Unterstützt wird DGKH-Chef Dr. Peter Walger dabei von drei weiteren medizinischen Fachverbänden: Der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, der Deutschen Akademie für Kinder und Jugendmedizin und dem Berufsverband der Kinder und Jugendärzte in Deutschland. 

Die Fachgesellschaften stützen sich in ihrer Forderung auf die "gegenwärtige Datenlage" und beziehen sich auf Studienergebnisse und Reports zum Übertragungsrisiko von Sars-CoV-2 bei Kindern. Nach Ansicht der Mediziner scheint das Übertragungsrisiko durch Kinder eher gering - und Schul- sowie Kita-Schließungen hätten demnach nur eine geringe Effektivität auf die weitere Infektionsausbreitung. Gerade bei Kindern unter zehn Jahren sprächen die Daten für eine geringere Infektions- als auch Ansteckungsrate. Dagegen wären die sozialen und gesundheitlichen Folgen der andauernden Schließungen für Kinder und Jugendliche gravierend.

"Grundregeln der Hygenie lernen"

Die vier Fachgesellschaften legen in ihrer Stellungnahme nahe, dass Kitas und Schulen ohne massive Einschränkungen für die Kinder öffnen könnten. "Kinder können in die Grundregeln der Hygiene wie Händewaschen und achtsames Hygieneverhalten im Umgang miteinander, beim Essen und in den Sanitäreinrichtungen spielerisch und kindergerecht unterwiesen werden" heißt es im Papier dazu. Wichtig  wäre weiterhin der Schutz des Lehr- und Erziehungspersonals.

Kinder über 10 Jahre und Jugendliche sollten aktiver und konkreter mit Hygenierregeln wie Abstandhalten und Mundschutz vertraut gemacht werden. Allerdings seien Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche im Gegensatz zu Seniorenheimen per se keine Hochrisikoumgebung und könnten nach individueller ärtzlicher Abwägung auch von Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Grunderkrankungen aufgesucht werden. 

Zaghafter Schulstart in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg sieht der aktuelle Fahrplan vor, dass Schulen erst ab dem 15. Juni, nach den Pfingstferien,  für alle Schüler geöffnet werden und Klassen in wöchentlichen Wechsel unterrichtet werden sollen. In Grundschulen beispielsweise sollen Schüler abwechselnd wochenweise im Präsenzunterricht und im häuslichen Fernunterricht lernen. In Kitas werden Gruppengrößen halbiert und der Regelbetrieb nur langsam aufgenommen. 

Die Autoren weisen aber auch darauf hin, dass die veröffentlichten Empfehlungen auf dem aktuellen Wissenstand beruhten und "dass die Zunahme an Erkenntnissen in den kommenden Wochen und Monaten zu einer Neubewertung der Situation führen kann".