Baden-Württemberg

Dichtere Taktzeiten im Nahverkehr angemahnt

Zukunftskommission für den ÖPNV
Ein Bus fährt auf einer Straße. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Aktuell © Sebastian Gollnow

Stuttgart (dpa/lsw) - Busse und Bahnen im Land sollen nach Auffassung eines Expertengremiums häufiger fahren, um den Nahverkehr attraktiver zu machen. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte am Donnerstag in Stuttgart, die Zukunftskommission habe vorgeschlagen, dass die Busse und Bahnen künftig landesweit mindestens alle 30 Minuten und in Ballungsräumen mindestens alle 15 Minuten verlässlich fahren sollen.

Bisher gilt als politisches Ziel der Ein-Stunden Takt. Doch dieser ist nach Ansicht der Fachleute nicht ausreichend, um die Menschen im Nahbereich zum Umsteigen vom Auto auf den Nahverkehr zu bewegen. Zugleich sprachen sich die Experten für eine bessere Vernetzung des Angebots mit anderen Verkehrsträgern wie Fahrrad oder Carsharing aus sowie für preiswerte und flexible Tarife.

Hermann sagte, um die Klimaschutzziele zu erreichen, müsse die Nachfrage im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bis zum Jahr 2030 im Vergleich zu 2010 verdoppelt werden. Diese Verdoppelung könne nur mit allen Beteiligten gelingen. Alexander Pischon vom Landesverband Deutsche Verkehrsunternehmen sagte, wenn man die verkehrs- und klimapolitischen Ziele erreichen wolle, müsse die Verkehrswende schneller vorangetrieben werden. Um Vorschläge für die Weiterentwicklung für den Nahverkehr zu erarbeiten, wurde die ÖPNV-Zukunftskommission mit rund 20 Vertretern ins Leben gerufen.

Die Kommission empfahl zugleich, den öffentlichen Nahverkehr zu einer kommunalen Pflichtaufgabe zu machen. Hermann sagte, für ihn sei die Zeit reif, die Aufgabe mit definierten Mindeststandards gesetzlich zu verankern. Der Hauptgeschäftsführer des Landkreistags, Alexis von Komorowski, erklärte, bei diesem Thema müsse über die Finanzierung gesprochen worden. Da sehe man das Land in der Pflicht. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) verlangte eine entsprechende Regelung. Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender sagte, damit diese nicht von der Kassenlage abhänge, brauche es neue Finanzierungsformen, beispielsweise eine Nahverkehrsabgabe.

Matthias Lieb vom Fahrgastbeirat sagte, es müssten neu Kundengruppen für Busse und Bahnen erschlossen werden. Dafür müssten die Angebote pünktlich und zuverlässig sein und ausgebaut werden.

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