Baden-Württemberg

Die Südwest-CDU und der ungeliebte Laschet

Armin Laschet
Armin Laschet, CDU. Foto: Michael Kappeler/dpa/Archivbild © Michael Kappeler

Stuttgart (dpa/lsw) - Es gibt eine schöne Anekdote darüber, wie beliebt Friedrich Merz bei den CDU-Anhängern im Musterländle ist. Ein CDU-Bundestagabgeordneter veranstaltete immer mal wieder einen Frühschoppen für die Basis. Da kamen für gewöhnlich um die 100 Leute. Als Merz als Stargast angekündigt wurde, wollten ihn 2000 Menschen sehen. Kein Wunder, dass die Landes-CDU sogar mal überlegte, den Sauerländer als Spitzenkandidaten gegen den übermächtigen Grünen-Regierungschef Winfried Kretschmann antreten zu lassen. Aber Merz hatte ja bekanntlich höherfliegende Pläne. Nur: An Armin Laschet kam er im Rennen um den CDU-Vorsitz nicht vorbei. Doch wie schnell sich die Zeiten ändern: Jetzt kommt der in Bedrängnis geratene Laschet nicht mehr an seinem alten Widersacher Merz vorbei - und holt ihn in sein Wahlkampfteam.

Aber fangen wir vorne an. Die Südwest-CDU und Merz passen gut zusammen. Beide haben schon vor einiger Zeit die Macht verloren, beide sind vor allem auf dem Wirtschaftsflügel zu verorten und beide greifen auch schon mal zu rustikaleren Mitteln, um ihren Willen durchzusetzen. Das führt längst nicht immer zum Erfolg. Als Merz Anfang des Jahres das Rennen um den CDU-Vorsitz gegen NRW-Ministerpräsident Laschet verlor, war das auch eine Pleite für die Südwest-Partei, die ihren Liebling mit großer Mehrheit unterstützt hatte - und das unmittelbar vor der Landtagswahl im Südwesten.

Diese ging zum dritten Mal hintereinander gegen Kretschmanns Grüne verloren, diesmal krachend. CSU-Chef Markus Söder hatte das schon vorausgesehen: Ausgerechnet beim CDU-Landesparteitag vor der Wahl verglich er Kretschmann mit dem Serienmeister Bayern München. Die Basis hat ihm das nicht übel genommen, sie konnte ihre eigene Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann auch kaum mehr ertragen. Als der Machtkampf zwischen Söder und Laschet um die Kanzlerkandidatur ausbrach, war die Landes-CDU größtenteils wieder gegen Laschet und für Söder. Und wieder setzte der zweitgrößte Landesverband auf das falsche Pferd.

Doch weil die Umfragen für die Union nach der Kür des Kanzlerkandidaten so mies sind, muss Laschet dringend für Geschlossenheit in der Partei sorgen und auch kritische Landesverbände auf seine Seite ziehen. Und so nahm er sich am Dienstagabend zwei Stunden Zeit für eine Videokonferenz mit der Südwest-CDU, etwa 100 Abgeordnete aus Land, Bund und Europaparlament und Oberbürgermeister waren dabei. Schnell rückte er mit seiner zentralen Botschaft an die Merz-Fans heraus: «Friedrich Merz gehört für mich fest in den Mannschaftskader der Union für die Bundestagswahl», sagte er nach Angaben aus Teilnehmerkreisen. Das kam dem Vernehmen nach bei vielen gut an. CDU-Landeschef und Bundesvize Thomas Strobl sagte den Angaben zufolge: «Armin Laschet und Friedrich Merz bilden eine Union.»

Und trotzdem musste sich Laschet einiges anhören. Vor allem wurde von einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern beklagt, wie die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur abgelaufen ist. Einmal ist von «totalem Führungsversagen» die Rede, heißt es. Eine Teilnehmerin habe festgestellt, es komme nicht nur auf Inhalte sondern auch auf die Verpackung an - ein dezenter Hinweis darauf, dass Markus Söder aus ihrer Sicht der bessere Verkäufer gewesen wäre. Mehrere Kreisvorsitzende berichten demnach, es habe eine Reihe von Austritten gegeben nach Laschets Kür.

Der NRW-Ministerpräsident gibt sich nach Angaben aus Teilnehmerkreisen unbeirrt und wirbt für sich und seinen Kurs. Es nütze nichts, wegen der sinkenden Umfragewerte den Grünen hinterherzulaufen. «Wir dürfen nicht prophylaktisch grün sein», sagt er einmal. Wenn es im Herbst nach dem Ende der Corona-Krise wieder um den Aufbau der Wirtschaft und den Erhalt der Arbeitsplätze gehe, könne der grüne «Hype» wieder vorbei sein. «Dann haben wir eine Chance, diese Bundestagswahl zu gewinnen», sagte Laschet. Ein paar Spitzen gegen Söder kann er sich demnach nicht verkneifen: Es sei noch nicht lange her, dass die CSU etwa in der Migrationsfrage als auch beim CO2-Preis alles andere als modern gewesen sei. «Jetzt sind sie plötzlich an der Spitze der Ökologiebewegung.»

In der Südwest-CDU überwiegt am Ende der Wille zur Geschlossenheit. So ist etwa Agrarminister Peter Hauk froh, dass es Söder nicht geworden ist. «Populismus ist uns noch nie gut zu Gesicht gestanden», sagt er den Angaben nach über die Kommunikation des bayerischen Regierungschefs. Und Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart appelliert demnach an die eigenen Reihen, die CDU müsse wieder mehr Begeisterung ausstrahlen, sonst könne man die Wählerinnen und Wähler nicht von sich begeistern. «Wir müssen raus aus Oberjammergau.»

Jammern gilt nicht, ist auch Laschets Botschaft zum Schluss. Er verstehe zwar, dass die Südwest-CDU es weiter als Schmerz empfinde nur Juniorpartner der Grünen zu sein, erklärte er nach Angaben aus Teilnehmerkreisen. Er rate aber dringend dazu, dies nun innerlich zu akzeptieren. Es sei keine gute Idee so zu tun, als sei man der Bessere. Denn: Er sei froh darüber, dass Grün-Schwarz im Ländle dann doch geklappt hat. Wenn es in Baden-Württemberg eine Ampel aus Grünen, SPD und FDP gegeben hätte, wäre das bis zur Bundestagswahl ein Thema gewesen.

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