Baden-Württemberg

Eisenmann über Kretschmann: «Ich mag ihn»

Susanne Eisenmann und Winfried Kretschmann
Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen)und Susanne Eisenmann sitzen im Landtag. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild © Sebastian Gollnow

Stuttgart (dpa/lsw) - Charmeoffensive mitten im Wahlkampf: Eigentlich will CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus dem Amt jagen. Doch zweieinhalb Wochen vor der Landtagswahl sagt die Kultusministerin im Gespräch mit der «Kontext Wochenzeitung»: «Ich schätze Herrn Kretschmann, ich mag ihn, ich kann mich glänzend mit ihm unterhalten, daraus mache ich keinen Hehl. Auch das gehört für mich zur Aufrichtigkeit. Das ändert aber nichts daran, dass Kretschmann grün ist und ich CDU.»

Zuletzt war eher der Eindruck entstanden, dass sich das Verhältnis verschlechtert hat. Als Beispiel wird von Strategen beider Parteien der gemeinsame Auftritt Mitte Januar genannt, bei dem Kretschmann verkündete, dass man sich darauf verständigt habe, die Grundschulen wegen Corona noch nicht wieder zu öffnen. Daraufhin hatte Eisenmann erklärt, es sei Kretschmanns Entscheidung gewesen, und sie hätte sich das anders gewünscht. Die CDU liegt in den jüngsten Umfragen vor der Wahl am 14. März hinter den Grünen.

Eisenmann äußerte sich in dem Interview auch zu der Frage, ob Frauen in der Öffentlichkeit anders beurteilt würden wie Männer. «Ich stelle immer wieder fest, dass Frauen, die einen Führungsanspruch haben, ermuntert werden, ihn umzusetzen, und wenn sie's dann tun, als kalt, egoistisch und ruppig bezeichnet werden.» Bei Männern werde das als durchsetzungsstark empfunden. «Das hat mich am Anfang getroffen, inzwischen trage ich es mit Fassung. Kalt lässt es mich aber immer noch nicht, dazu bin ich nicht abgebrüht genug.»

Der Presse im Land empfahl die CDU-Politikerin, bescheidener zu sein und sich selbst kritische Fragen zu stellen: «Ich sollte vielleicht daran erinnern, dass nicht Verlagshäuser über Wahlen entscheiden, sondern die Bürgerinnen und Bürger», sagte Eisenmann. «In einer Mediengesellschaft, die sich immer weiter ausdifferenziert, sind andere Fragen zu stellen: Welchen Einfluss haben die klassischen Medien überhaupt noch?» Und weiter: «Wie begründet man kritischen Journalismus, den ich in einer Demokratie für existenziell wichtig halte, noch inhaltlich? Müsste Journalismus nicht unvoreingenommener und recherchestärker sein? Warum verliert man Leserinnen und Leser?»

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