Baden-Württemberg

Endlagersuche: Hälfte Sachsen-Anhalts geologisch geeignet

Auf gelben Tonnen ist das Radioaktiv-Zeichen aufgemalt
Auf gelben Tonnen ist das Radioaktiv-Zeichen aufgemalt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa/Symbolbild © Sebastian Kahnert

Berlin/Magdeburg (dpa/sa) - Weite Teile Sachsen-Anhalts bieten nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung grundsätzlich günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. In dem am Montag veröffentlichten Zwischenbericht sind 23 Teilgebiete in dem Bundesland aufgeführt, teils reichen sie über Bundesländergrenzen hinweg. Alle 14 Landkreise und kreisfreien Städte sind mit dabei. Die Fläche der Teilgebiete in Sachsen-Anhalt beträgt den Angaben zufolge 12 263 Quadratkilometer und damit mehr als die Hälfte der Landesfläche von 20 454 Quadratkilometern.

Aufgeführt werden etwa der Landesnorden mit Tongestein, auch eine Reihe von Gebieten mit Steinsalz werden genannt sowie im Südosten des Landes kristallines Wirtsgestein. Die Teilgebiete überlagern sich teils. Ausgeschlossen wurde unter anderem das Endlager Morsleben im Landkreis Börde, in dem radioaktive Abfälle aus Forschungseinrichtungen und der DDR-Zeit lagern.

Nicht nur Sachsen-Anhalt halten die Experten mit Blick auf die Geologie als geeignet: Der Blick auf die Deutschlandkarte zeigt, dass ein Anteil von 54 Prozent als Teilgebiet ausgewiesen ist. Die Gebiete liegen etwa in den ostdeutschen Ländern, aber auch im Nordwesten Deutschlands, in Bayern und Baden-Württemberg. In der Summe wurden 90 Teilgebiete benannt.

In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt, indem weitere Kriterien - etwa die Bevölkerungsdichte - berücksichtigt werden. Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen 1900 Behälter mit strahlendem Abfall unterirdisch eingelagert werden. In Deutschland wird im Jahr 2022 das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet.

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert betonte die Transparenz der Suche nach einem Endlager nach wissenschaftlichen Kriterien und mit Beteiligung der Öffentlichkeit. «Wir haben alle gemeinsam eine Verantwortung gegenüber unseren Enkelkindern, damit sie sicher auf unserem Planeten leben können. Dieser Verantwortung kann sich niemand entziehen.»

Die Grünen-Landesvorsitzende Susan Sziborra-Seidlitz erklärte, die Grünen hätten jahrzehntelang für die Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke gekämpft und auch dafür, dass kein neuer Atommüll mehr entsteht. Die Verantwortung für den Müll bleibe. «Anders als in früheren Jahrzehnten zählen jetzt wissenschaftliche Fakten und nicht politischer Druck», erklärte Sziborra-Seidlitz.

Die SPD-Landtagsfraktionsvorsitzende Katja Pähle sagte, kein Land solle sich in dieser Phase von der Suche nach einem möglichen Standort ausnehmen. «Dass ausgerechnet die bayerische CSU-Staatsregierung, die immer auf Atomstrom gesetzt hat und stets eng mit der Atomwirtschaft verbandelt war, jetzt eine privilegierte Ausnahme für sich einfordert, ist einfach eine Frechheit», so Pähle. Sie sehe insgesamt, dass Sachsen-Anhalt bei der Suche nach einem Endlager nicht die erste Adresse ist.

Die Linke erklärte, Sachsen-Anhalt habe bereits mehr als andere Länder für die notwendige Energiewende geleistet, insbesondere durch die hohe Anzahl von Windkraftanlagen. «Vom dezentralen Ausbau der Energienetze haben vor allem auch die süddeutschen Bundesländer profitiert.» Ein Endlager würde die Bereitschaft zur Solidarität überziehen. «Deshalb lehnen wir eine Diskussion über ein Atommüllendlager in Sachsen-Anhalt ab. Wir sind nicht die Müllhalde der Nation», so die Linke.