Baden-Württemberg

Entwendete «Stolpersteine» wiedergefunden

Polizei
An der Tür von einem Streifenwagen steht der Schriftzug «Polizei». Foto: David Inderlied/dpa/Illustration © David Inderlied

Esslingen (dpa/lsw) - Aufmerksame Polizisten haben zwei entwendete «Stolpersteine» bei einem Einsatz im einem städtischen Wohnheim in Esslingen wiedergefunden. Die Tafeln, die an die Deportation und die Ermordung zweier jüdischer Frauen erinnern, wurden zufällig im Wohnheim-Zimmer eines 42-Jährigen entdeckt, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte. Die Beamten waren am frühen Mittwochmorgen wegen einer Auseinandersetzung des Mannes mit einem anderen Bewohner gerufen worden, wobei ihnen die Anfang Dezember 2021 gestohlenen Steine auffielen.

Nach Polizeiangaben ist noch unklar, ob die gewaltsame Entfernung der «Stolpersteine» politisch motiviert ist. Der Mann sei bislang wegen Diebstahl, Körperverletzung und Widerstand gegen Beamte einschlägig bekannt. Möglicherweise sei er am Verkauf des für die Gravuren verwendeten Messings interessiert gewesen. Zu seinen Beweggründen werde der Mann noch vernommen, hieß es. Ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des besonders schweren Fall des Diebstahls sei gegen ihn eingeleitet worden.

Die vom Künstler Gunter Demnig 1996 initiierte Aktion soll das Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus aufrechterhalten. Die zehn mal zehn Zentimeter großen Gedenktafeln werden vor dem letzten selbstgewählten Wohnort der NS-Opfer in den Boden eingelassen. Das Projekt war nach Angaben des Künstlers im Juni 2021 auf fast 90 000 verlegte Steine in über 1800 Kommunen weltweit angewachsen.

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