Baden-Württemberg

«Er war auch gefürchtet»: Gemeindetagschef Roger Kehle geht

Roger Kehle
Roger Kehle, scheidender Hauptgeschäftsführer des baden-württembergischen Gemeindetags, lächelt. Foto: Marijan Murat/dpa © Marijan Murat

Stuttgart (dpa/lsw) - Der Schreibtisch ist aufgeräumt. «Wie man es von mir kennt», sagt Roger Kehle an seinem letzten Tag im Chefbüro des baden-württembergischen Gemeindetags. Eine Mitarbeiterin habe mal zu ihm gesagt, er sei ein richtiger «Leertischler», weil kaum Akten herumlagen. Er entscheide eben schnell und könne gut delegieren. 15 Jahre lang war er Präsident des Gemeindetags und damit immer wieder Gegenspieler der jeweiligen Regierungschefs, mit denen er um eine auskömmliche Finanzausstattung der Kommunen ringen musste. Als «in der Wolle gefärbter Kommunaler» sei ihm das leicht gefallen.

Zu seinem Abschied wurde der 67-Jährige noch Ehrenpräsident seines Verbands. Und Winfried Kretschmann (Grüne) schrieb viel Nettes und Folgendes: «...er war bei der Landesregierung auch gefürchtet.» Das sei das größte Lob gewesen, meint Kehle stolz. «Ich hoffe inständig, dass ich alle genervt habe.» Zwar ist der gebürtige Stuttgarter CDU-Mitglied, doch seine Maxime beim Gemeindetag war immer: «Wir sind zwar politisch, aber nicht parteipolitisch.» Man müsse in der Lage sein, seine eigene politische Meinung auch mal hintanzustellen.

Eine Mahnung auch an seinen Nachfolger Steffen Jäger, an den Kehle pünktlich zum 100. Geburtstag des Gemeindetags gern übergibt. Der 42-jährige ist gebürtiger Karlsruher und Diplomverwaltungswirt. Zum Abschied lobt der Gemeindetag, Kehle sei stets ein «geschickter Verhandlungsführer» gewesen. Und in der Tat hat Kehle nicht immer nur mit Argumenten gekämpft. Am Ende einer verhakten Verhandlungsrunde mit den Spitzen der grün-schwarzen Koalition habe er gesagt: «Jetzt hilft uns nur noch Trollinger.»

Kehle war seit 2005 Präsident und seit 2008 Hauptgeschäftsführer des Gemeindetags. Er hat drei Ministerpräsidenten in seiner Amtszeit erlebt: Seine Parteifreunde Günther Oettinger (2005 bis 2010) und Stefan Mappus (2010 bis 2011) sowie in den vergangenen zehn Jahren den Grünen Kretschmann. Den Konflikt hat er selten gescheut - auch nicht beim Bahnprojekt Stuttgart 21. «Ich war immer überzeugt, dass es die richtige Lösung für Stuttgart und das ganze Land ist.» Auch mit der AfD habe er sich auseinandergesetzt. «Ich kann sie nicht totschweigen und sie nicht nicht beachten.» Respekt und klare Kante sei auch hier die richtige Strategie.

Und was kommt jetzt im Ruhestand? «Ich werde jetzt das gepflegte Nichtstun genießen», sagt Kehle, der auch drei Enkel hat. Nur: «Ich weiß nicht, wie das geht.» Er habe sich vorgenommen, nichts mehr zu planen. «Pläne und Konzepte habe ich genug gemacht.» Und wenn Corona mal vorbei sei, freue er sich darauf, «bald wieder mit Kumpeln am Wirtshaustisch zu sitzen». Bis dahin kann er zumindest noch ein bisschen arbeiten: Noch bis zum Sommer ist er Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gemeindebunds.

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