Rastatt

Ermittlungen wegen Corona-Toter in Pflegeheim ausgeweitet

Polizeiwagen
Auf der Motorhaube eines Streifenwagens steht der Schriftzug «Polizei». © David Inderlied

Rastatt/Baden-Baden (dpa/lsw) - Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden hat die Ermittlungen nach einem Corona-Ausbruch in einem Rastatter Pflegeheim ausgeweitet. Bei inzwischen 20 Bewohnerinnen und Bewohnern, die in der Zeit von Mitte Dezember 2021 bis Mitte Februar 2022 an oder im Zusammenhang mit dem Coronavirus starben, bestehe der Anfangsverdacht, dass sich der Erreger auch wegen unzureichend eingehaltener Hygienestandards ausbreiten konnte.

19 weitere Bewohner waren schon davor gestorben. Auch hier werde geprüft, «ob mangelhafte Vorkehrungen gegen die Ausbreitung des Covid-19-Virus oder anderweitige Verstöße gegen Hygiene- und Pflegestandards den Tod verursacht oder mitverursacht haben», teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Der Betreiber Kursana hatte stets einen kausalen Zusammenhang zwischen den beanstandeten Mängeln und der Verbreitung des Coronavirus im Haus zurückgewiesen.

Eine Kursana-Sprecherin bekräftigte am Freitag, es sei leider trotz umfassender Schutzkonzepte nicht immer zu verhindern, dass sich das Coronavirus verbreite. «Eine Ursache hierfür ist die generell sehr hohe Impfskepsis in Deutschland und die damit im Verhältnis zu vielen anderen Ländern weiterhin recht niedrige Impfquote.» Trotz einer Impfkampagne mit Informationsabenden und mehreren Impfterminen hätten sich von den gestorbenen Bewohnern, die den Angaben nach im Schnitt weit über achtzig Jahre alt waren, elf gar nicht oder nur einmal impfen lassen, keiner sei geboostert gewesen.

Die Heimaufsicht hatte zwischenzeitlich verboten, neue Bewohner aufzunehmen. «In Abstimmung mit der Heimaufsicht dürfen wir wieder Bewohner aufnehmen», teilte die Sprecherin weiter mit. «Wir unterstützen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vollumfänglich, um etwaige Vorwürfe auszuräumen», erklärte sie. «Darüber hinaus möchten wir uns zum laufenden Verfahren aktuell nicht äußern.»

Im Visier der Ermittler stehen mehrere Mitarbeitende mit leitender Funktion. Sie stehen den Angaben nach seit März außerdem unter Anfangsverdacht der vorsätzlichen oder fahrlässigen Körperverletzung und der Freiheitsberaubung. «Unzureichende Wundversorgung, unzureichende Behandlung von Erkrankungen, fehlerhafte Versorgung mit Medikamenten und freiheitsentziehende Maßnahmen ohne richterliche Genehmigung stehen hier im Raum», hieß es. Dabei geht es laut einem Sprecher um Vorwürfe, Heimbewohner seien ans Bett fixiert worden.

Die Ermittlungen gestalten sich den Angaben nach schwierig. «Das wird sich noch einige Zeit hinziehen», sagte Behördenleiter Axel Isak.