Baden-Württemberg

Erste Fahrradbrücke mit «Fußbodenheizung» eröffnet

Eröffnung einer beheizbaren Radbrücke
Ein Mann fährt mit seinem Fahrrad über eine neu eröffnete und beheizbare Radbrücke. Foto: Christoph Schmidt/dpa © Christoph Schmidt

Tübingen (dpa/lsw) - Fahrräder gehören zu Tübingen wie die Stocherkähne oder der Hölderlinturm. Im nächsten Winter können die Radfahrer nun erstmals sogar über eine beheizbare Brücke fahren. Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) gab die Stahlkonstruktion am Donnerstag frei, indem er mit seinem eigenen Fahrrad darüber fuhr.

«Mit der ersten Radbrücke beginnt eine neue Ära des Radverkehrs in Tübingen. Wir haben von Kopenhagen gelernt, wie man das Rad zum Hauptverkehrsmittel machen kann: auf breiten Wegen sicher, schneller und bequemer als mit dem Auto durch die Stadt radeln. Dafür bauen wir jetzt das Superradwegnetz», sagte Palmer.

Die Kosten für die erste von drei geplanten Brücken bis zum Jahr 2025 liegen bei etwa 1,7 Millionen Euro, wobei auf die Heizschleifen 22.000 Euro entfallen. Hinzu kommt laut Stadt bis dahin auch ein Steg in Holzbauweise, der ebenfalls Heizschleifen haben soll.

Schutz vor Glätte und Streusalz

Laut dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club ADFC ist die beheizbare Brücke ein Novum. Weder dem Landes- noch dem Bundesverband ist bekannt, dass jemals vorher eine solche beheizbare Fahrradbrücke gebaut worden wäre. «Der ADFC findet beheizbare Brücken für Fahrradfahrer sinnvoll. Mit Streusalz kann die Glätte nicht zu 100 Prozent beseitigt werden. Außerdem greift es die Brücken an», sagte eine ADFC-Sprecherin in Stuttgart.

Nach Angaben von Palmer ist die rund 35 Meter lange und 4 Meter breite Brücke klima- und umweltfreundlich. «So eine Brücke ist ein sehr großer CO2-Aufwand. Rund 500 Tonnen CO2 muss man für die Herstellung dieser Stahlbrücke rechnen. Daher ist die Lebensdauer entscheidend für die CO-Bilanz», schrieb der Grünen-Politiker kurz vor der Vorstellung der Brücke auf seiner Facebookseite.

Streusalz reduziere die Lebenszeit erheblich. Abtauen koste kaum Strom, der in Tübingen ohnehin zu 70 Prozent aus erneuerbaren Energien komme, erklärte Palmer. Mit dieser Brücke könne das Fahrrad als Fortbewegungsmittel bei jedem Wetter benutzt werden. «Das Rad ist ein Ganzjahresverkehrsmittel», sagt Palmer.

Für eine lange Lebensdauer

Die Stadtverwaltung erhofft sich eine wesentlich längere Lebensdauer der Brücke (plus 50 Prozent) bei akzeptablen Einbau- und Wartungskosten. Rund ein Viertel aller Wege innerhalb der Stadt würden mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Palmers Radverkehrsplan - mit Kosten von mehr als 30 Millionen Euro - ist ein wesentlicher Baustein des Konzepts «Mobilität 2030 Tübingen», das alle Verkehrsmittel des Stadtverkehrs umfasst und dazu beitragen soll, die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen.

Die neuen Radhauptverbindungen werden an die potenziellen Radschnellverbindungen zwischen Tübingen-Rottenburg, Tübingen-Hechingen und Tübingen-Reutlingen angebunden, die die Teilorte und das Umland an das Zentrum anbinden sollen.

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