Baden-Württemberg

Experte: Kaum Potenzial tiefer Geothermie für Stromerzeugung

Ein Loch klafft infolge einer Geothermiebohrung an einer Hauswand
Ein Loch klafft infolge einer Geothermiebohrung an einer Hauswand. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Archivbild © Philipp von Ditfurth

Freiburg (dpa) - Umweltschützer räumen der Stromerzeugung mittels Tiefengeothermie keine großen Chancen ein. «Wir haben festgestellt, dass tiefe Geothermie insbesondere für die Stromerzeugung relativ gesehen zum Gesamtbedarf in Deutschland keinen wesentlichen Beitrag leisten kann», sagte Werner Neumann, Sprecher des Arbeitskreises Energie bei der Umweltschutzorganisation BUND. Zu hoch seien die Kosten und Risiken. «Die immer erwartete Senkung der Erzeugungskosten ist bisher nicht eingetreten.»

Bei der tiefen Geothermie wird Thermalwasser mit bis zu 150 Grad Celsius aus tiefen Erdschichten in Strom oder Wärme verwandelt. Dafür wird teils Tausende Meter in die Tiefe gebohrt.

Nur wenige Gegenden in Deutschland böten passende Voraussetzungen dafür, sagte der BUND-Experte: etwa der Oberrheingraben, das Alpenvorland und das norddeutsche Becken. Viele Projekte seien unter anderem wegen technischer Probleme gescheitert. Laut Bundeswirtschaftsministerium werden bislang nur 0,03 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs mit Strom aus Geothermieanlagen gedeckt. Das Ziel der Branche, die Kosten zu senken, sei bislang nicht erreicht worden.

Vielversprechender sei die tiefe Geothermie, wenn es nur um Wärmeerzeugung gehe, sagte der BUND-Experte. Das sei kostengünstiger und konkurrenzfähig, wobei die Erdbebenrisiken durch sorgfältiges Bohren gemindert und durch Versicherungen abgesichert werden sollten. In Baden hat sich der Energiedienstleister Badenova jüngst das Recht gesichert, den Untergrund in einem Gebiet nahe Freiburg auf sein Potenzial zur Erdwärmenutzung zu untersuchen. Geplant ist ein Heizwerk, das rund 10.000 Haushalte mit Wärme versorgen soll.

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