Baden-Württemberg

Experten befürchten Lücken bei Versorgung von Krebspatienten

Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Foto: Uli Deck/dpa/Archivbild © Uli Deck

Heidelberg (dpa) - Angesichts der zunehmenden Belastung der Kliniken wegen Covid-19-Patienten warnen Experten davor, Krebskranke zu vernachlässigen. «Immer mehr onkologische Eingriffe werden verschoben, diagnostische Untersuchungen und Nachsorge teilweise stark zurückgefahren», kritisierte die Corona Task Force von Deutscher Krebshilfe (DKH), Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Deutscher Krebsgesellschaft (DKG) am Montag. Zugleich appellierten die Fachleute an die Bevölkerung, unbedingt die Corona-Schutzmaßnahmen einzuhalten, damit die Zahl der Neuinfektionen schnell sinkt. Ziel sei es, das Gesundheitssystem vor einem Kollaps zu bewahren.

Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie hatten die Fachgesellschaften eine Task Force eingerichtet, um die Versorgungssituation von Krebspatienten zu beobachten. Der Zusammenschluss hatte schon im Frühjahr ein «angespanntes Versorgungssystem» festgestellt.

DKFZ-Chef Michael Baumann sagte in Heidelberg, bei einer weiteren Verschärfung der Lage an den Kliniken könne eine Versorgung aller schwerkranken Menschen nicht mehr gewährleistet werden. «Dazu zählen insbesondere die 1400 Patienten, die Tag für Tag neu an Krebs erkranken.»

Nach Ansicht von DKH-Chef Gerd Nettekoven ist die Situation an den Kliniken wesentlich angespannter als während der ersten akuten Phase der Pandemie. Schon in der ersten Welle hatten von der Task Force befragte onkologische Spitzenzentren zu über 90 Prozent Veränderungen wegen der Pandemie gemeldet. Diese betrafen Nachsorge, Psychoonkologie/Ernährungs- und Bewegungstherapien sowie soziale Beratung. In diesen Bereichen konnte ein Teil über Telefon oder in Videokonferenzen aufgefangen werden, hieß es.