Baden-Württemberg

Fernunterricht ab Klasse 8 in Hotspot-Regionen

Schule-Symbolbild
Schwamm und Kreide liegen in einem Klassenraum unter einer Tafel. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild © Klaus-Dietmar Gabbert

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Landesregierung hat für Regionen mit extrem ausufernden Corona-Infektionszahlen neue einschneidende Maßnahmen für Schulen beschlossen. Spätestens vom kommenden Montag an sollen in Regionen mit mehr als 300 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in sieben Tagen alle allgemein bildenden und beruflichen Schulen ab Klassenstufe 8 vollständig in den Fernunterricht übergehen, teilte das Kultusministerium am Donnerstag in Stuttgart mit. Ausgenommen seien lediglich Abschlussklassen.

Nach den jüngsten Infektionszahlen liegen die Stadtkreise Pforzheim (339,0) und Heilbronn (318,3) über der 300er-Marke. Die neuen Maßnahmen sind Teil einer erweiterten «Hotspot»-Strategie zur Eindämmung des Coronavirus. Die Schulen seien am Dienstag über den neuen Erlass informiert worden, hieß es.

Das Ministerium erläuterte, in der Zeit des Fernunterrichts müssten in den betroffenen Klassenstufen bereits geplante Klassenarbeiten abgesagt werden. Wenn diese für die Note der Schülerinnen und Schüler «zwingend erforderlich» sei, müssten die Arbeiten nachgeholt werden, sobald wieder Präsenzunterricht möglich ist.

Ex-Kultusminister Andreas Stoch (SPD) warf seiner Nachfolgerin Susanne Eisenmann (CDU) vor, die Situation komplett unterschätzt zu haben. «Hätte die Ministerin, wie vor Wochen von der SPD gefordert, den Unterricht für ältere Schülerinnen und Schüler auf Wechselunterricht umgestellt, müsste sie nun nicht ganze Klassen nach Hause schicken.» Der CDU-Spitzenkandidatin sei die Profilierung wichtiger gewesen als ihr Krisenmanagement, kritisierte der SPD-Partei-und Fraktionschef.

Bisher galt die Regelung, dass Schulen in Kreisen mit einem Inzidenzwert von mehr als 200 in Absprache mit dem Gesundheitsamt und der Schulverwaltung Wechselunterricht ab Klasse 8 anbieten können. Zudem soll es an den letzten beiden Schultagen vor Weihnachten, am 21. und 22. Dezember, Fernunterricht geben.

Stoch sagte, es sei besonders gefährlich, dass die Ministerin auch Ratschläge der Wissenschaft, etwa vonseiten der Leopoldina, ignoriere und als nicht zeitgemäß abkanzele. «Wer in der aktuellen Situation glaubt, Wissenschaftsbashing betreiben zu müssen, gefährdet den gesellschaftlichen Konsens über die jetzt notwendigen Maßnahmen.» Stoch ergänzte: «Frau Eisenmann, Sie und Ihre Bildungspolitik sind nicht auf der Höhe der Zeit!»

Eisenmann hatte den Vorschlag der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina für eine zeitweise Aufhebung der Schulpflicht schon ab der nächsten Woche kritisiert. Zudem hatte sie moniert, die Leopoldina liege mit ihren Vorschlägen auch manchmal daneben: «Manche Forderungen zeigen, dass die Leopoldina bei den Corona-Maßnahmen nicht ganz auf der Höhe der Zeit zu sein scheint. Die Idee, Gruppenaktivitäten im Bereich von Sport und Kultur einzustellen, ist in Baden-Württemberg bereits seit Wochen Realität.»

Die Lehrergewerkschaft GEW vermisst weiterhin eine landesweit einheitliche Regelung. Man habe sich seit Anfang November dafür eingesetzt, dass ab der 7. Klasse die Schülerinnen und Schüler von Regelschulen nur noch im Wechselunterricht unterrichtet werden sollen. «Jetzt ist dies möglich, aber wieder einmal kommt Mehrarbeit auf die Schulleitungen zu, anstatt eine klare landesweite Regelung zu treffen», kritisierte GEW-Landeschefin Monika Stein.

Im Gegensatz zu anderen Lebensbereichen nehme die Landesregierung bei Kitas und Schulen in Kauf, dass Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher Gefahren ausgesetzt sind. Das Robert-Koch-Institut (RKI) habe bereits ab einer Inzidenz von 50 den Wechselunterricht empfohlen. Dabei könne eine Hälfte der Klasse in die Schule kommen, und die andere Hälfte zu Hause lernen.