Baden-Württemberg

Forscher besorgt: Stichling frisst Eier von Blaufelchen

Ein Dreistachlige Stichling schwimmt im Wasser
Ein Dreistachlige Stichling schwimmt im Wasser. Foto: picture alliance / DAFV/Herbert Frei/dpa/Archivbild © DAFV/Herbert Frei

Langenargen (dpa/lsw) - Der im Bodensee nicht heimische Dreistachlige Stichling hat sich nach Angaben der Fischereiforschungsstelle (Langenargen) seit 2013 intensiv ausgebreitet und Blaufelchen und andere Fischarten bedroht. Obschon der Stichlingsbestand aus unbekannten Gründen rückläufig sei, zeigten kontrollierte Fütterungsversuche, dass Stichlinge auch in völliger Dunkelheit Felcheneier fressen könnten, hieß es in einer Pressemitteilung vom Dienstagabend. Davon war man bisher nicht ausgegangen.

Aus anderen Gewässern wie der Ostsee ist laut Mitteilung bekannt, dass Stichlinge die Eier von anderen Fischarten so stark konsumieren könnten, dass deren Bestände einbrechen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Stichlinge die Eier der fischereilich besonders wichtigen Blaufelchen in großen Mengen fressen, sei bisher als gering eingeschätzt worden. Denn Blaufelchen laichten in den späten Abendstunden beziehungsweise in oft vollständiger Dunkelheit in Bodenseemitte. Bisher sei man der Ansicht gewesen, dass ein Stichling, der nur mit Hilfe seiner Augen Nahrung sucht, die langsam zu Boden sinkenden Eier kaum sehen und somit bestenfalls zufällig fressen könne. Die neusten Untersuchungen ergeben ein neues Bild.

Manche dieser bis maximal zehn Zentimeter langen Tiere hätten innerhalb kürzester Zeit bis zu 40 Eier gefressen. Die Forscher vermuten daher, dass Stichlinge in der Nacht mit Hilfe ihres Geruchssinns die Eier der Blaufelchen finden könnten.

Die Forschungsarbeit ist nach Angaben der Fischereiforschungsstelle Bestandteil eines internationalen Großprojekts rund um den Bodensee (SeeWandel). In der dazu veröffentlichten Studie, die gerade in der Fachzeitschrift «PlosOne» veröffentlicht wurde, rechnen die Forscher aus, dass Stichlinge 25 Prozent aller abgelegten Blaufelcheneier fressen würden, wenn lediglich 5 Prozent aller Stichlinge im See diesem Fraßverhalten nachgehen.

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