Baden-Württemberg

Forscher finden weitere Teile von Menschenaffe «Udo»

Madelaine Böhme, Paläontologin der Universität Tübingen
Madelaine Böhme, Paläontologin der Universität Tübingen, steht in der Tongrube «Hammerschmiede» auf der mit Folie abgedeckten Fundstelle des rund 11,6 Millionen Jahre alten Menschenaffen «Udo». Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Archivbild © Karl-Josef Hildenbrand

Pforzen/Tübingen (dpa) - Weitere Knochenstücke von Menschenaffen haben Forscher der Universität Tübingen in der Allgäuer Tongrube «Hammerschmiede» gefunden. Zumindest ein Teil der fünf Objekte stamme von Menschenaffe «Udo», dessen Fund Annahmen zur Entwicklung des aufrechten Gangs infrage gestellt hatte, sagte die Paläontologin und Leiterin der Grabungen, Madelaine Böhme. «Sie stammen aus Körperteilen, die wir bisher noch nicht kannten.» Zunächst hatte die «Allgäuer Zeitung» berichtet.

Ob die fünf Knochenstücke alle von «Udo» stammen, ist Böhme zufolge bislang zwar unklar. «Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um verschiedene Menschenaffen in unmittelbarer Nähe handelt, ist aber gering», betonte die Entdeckerin des «Danuvius guggenmosi». Derzeit würden die Knochenstücke in Tübingen untersucht, mit der Veröffentlichung von Ergebnissen rechne sie 2021 aber nicht mehr.

Mehr als 3000 Fossilien hat das Forscherteam im vergangenen Jahr in der Tongrube «Hammerschmiede» gefunden - unter anderem ein Teilskelett eines Baby-Hauerelefanten, eines der größten Landsäugetiere, das vor rund 11,5 Millionen Jahren auf der Erde lebte. Mehr als 130 Arten haben die Forscher in der Tongrube bei Pforzen (Landkreis Ostallgäu) bestimmen können.

Weil dort parallel eine Oberstdorfer Baufirma Ton abbaut, ist für eine Fortsetzung der Grabungen im laufenden Jahr ein neuer Vertrag notwendig. Böhme zufolge laufen die Verhandlungen dazu bereits.

«Ich bin wirklich guter Dinge, dass wir dieses Jahr bei gutem Wetter früher beginnen können als im vergangenen Jahr», sagte Böhme. Dass die Forscher im Jahr 2020 nur sechs Wochen lang in der Tongrube nach Fossilien suchen konnten, lag neben der Corona-Krise und dem Wetter auch daran, dass zunächst ein Vertrag mit Eigentümern und Baufirma ausgehandelt werden musste.

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