Fußball-Bundesliga

Freiburg vor heißem Finale einer «Top-Saison»

Christian Streich
Freiburgs Trainer Christian Streich kommt ins Stadion. © Uwe Anspach

Freiburg (dpa/lsw) - Noch vor wenigen Wochen ist der SC Freiburg für seine stabile Defensive gelobt worden. Nach dem 30. Spieltag hatten die Breisgauer mit 34 noch die drittwenigsten Gegentore aller Fußball-Bundesligisten. Die Abwehr um die deutschen Nationalspieler Nico Schlotterbeck und Christian Günter sowie den österreichischen Nationalspieler Philipp Lienhart galt zusammen mit dem niederländischen Nationaltorwart Mark Flekken als eine der sichersten. Doch nach zehn Gegentoren gegen Borussia Mönchengladbach (3:3), beim Sieg in Hoffenheim (4:3) und der Heimniederlage gegen Union Berlin (1:4) hat sich dieser Eindruck gewandelt.

Das Defensivverhalten gegen Berlin sei «inakzeptabel» gewesen, meinte Streich direkt nach der Partie. Nun, vor dem letzten Bundesliga-Spiel der Saison am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Tabellendritten und sicheren Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen ließ Streich seine Profis im Training üben, den Gegner wieder besser zu kontrollieren. Um das Timing beim Anlaufen ging es, darum, auf die Abstände zu achten oder bei Ballbesitz auf die Restverteidigung.

Denn Streich will verhindern, dass seine Elf in Leverkusen einen weiteren Nackenschlag kassiert und danach mit einem Negativerlebnis zum DFB-Pokalfinale am 21. Mai gegen RB Leipzig fährt. «Es geht auch darum, dass Du mit einem positiven Gefühl und positiver Energie in ein weiteres Highlight gehst eine Woche später in Berlin.»

Die Frage vor der Reise ins Rheinland ist aber auch: In welchem Europapokal spielt der Sport-Club in der kommenden Saison? Nach der hohen Niederlage gegen Union qualifiziert sich Freiburg nur noch dann für die Champions League, wenn es gegen Bayer gewinnt und der Tabellenvierte RB Leipzig beim fast sicheren Absteiger Arminia Bielefeld verliert. Die Teilnahme an der Europa League ist dagegen fast perfekt. Freiburg würde sie nur dann verpassen, wenn bei einer SC-Niederlage der 1. FC Köln beim VfB Stuttgart gewinnt und gleichzeitig neun Treffer beim Torverhältnis aufholt. Zudem müsste Union wohl gegen den VfL Bochum gewinnen. Nur dann würde die Perspektive der Freiburger «Conference League» lauten.

Wahrscheinlich ist die Kölner Aufholjagd nicht, aber am letzten Spieltag sind schon andere Dinge passiert, die niemand für möglich gehalten hatte. «Wir können wahnsinnig viel gewinnen und wahnsinnig viel verlieren», sagte Streich zum Leverkusen-Spiel. Es gehe dort und im Pokalendspiel um «total viel. Mehr geht nicht.» Zudem wollten er und seine Spieler noch mal «zeigen, dass wir absolut verdient dort stehen, wo wir jetzt sind». Es sei so oder so eine «Top-Saison».

Streich war anzumerken, dass ihn die wahrscheinlich verpasste Chance auf die Champions League wurmt. Dennoch will er die Freiburger Spielweise nicht ändern. «Wir versuchen, Fußball zu spielen und auch mit Risiko Fußball zu spielen.» Auch wenn er die Defensive kritisiert hat und wieder mehr von ihr erwartet als gegen Union: An der grundsätzlich offensiven Ausrichtung soll sich nichts ändern.

In Leverkusen soll sein Team, das außer dem weiter angeschlagenen Offensivspieler Kevin Schade in Bestbesetzung antritt, «mit erhobenem Haupt und mit dem Glauben an sich selbst ins Spiel gehen», sagte Streich. Denn ein gutes Ergebnis wäre mental auch besser für die Vorbereitung auf den Pokal. Wie sagte der 56-Jährige: «Endspiele verlieren ist scheiße, Endspiele gewinnen ist super.»