Baden-Württemberg

Grünen-Vorstand gegen Palmer als OB-Kandidat 2022

Boris Palmer nimmt an einer Sitzung teil.
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer nimmt an einer Sitzung teil. Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild © Tom Weller

Tübingen (dpa/lsw) - Wie der Landesvorstand der Grünen in Baden-Württemberg stellt sich auch die Spitze des Tübinger Stadtverbands gegen Boris Palmer. «Für uns Tübinger Grüne ist vor allem wichtig, dass Boris Palmer nicht mehr grüner OB-Kandidat 2022 wird», erklärte der Stadtvorstand am Montag. Man werde Palmer wegen dessen wiederholter, verbaler Entgleisungen nicht mehr bei der Nominierung für eine Kandidatur um das Amt des Oberbürgermeisters unterstützen. An dieser Haltung habe sich seit Mai nichts geändert.

«Ob Boris Palmer daraus eine Konsequenz zieht, ist seine freie Entscheidung», hieß es ein einer Stellungnahme zu Palmers Versuch einer Wiederannäherung vom Wochenende beim Parteitag in Reutlingen.

Nachdem Palmer in einem Interview erklärt hatte, er wünsche sich eine «Versöhnung», erklärten die beiden Landesvorsitzenden Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand, der Beschluss des Landesvorstands, dass Palmer der Austritt nahegelegt und nicht mehr unterstützt werde, gelte unverändert. Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz sagten, sie fänden eine Versöhnung gut, ohne Details zu nennen.

Am Dienstagabend kommt der Tübinger Stadtverband zu einer virtuellen Jahreshauptversammlung zusammen. Themen sind die Klimapolitik des Landes und der Kassenbericht des Stadtvorstands. Palmer stehe nicht auf der Tagesordnung, sagte Lars Maximilian Schweizer, einer von acht Mitgliedern des Stadtvorstands.

«Es ist immer besser miteinander anstatt übereinander zu reden. Ich bin gespannt, ob Boris Palmer sich daran auch zukünftig halten wird», sagte Schweizer. Der Tübinger OB habe mit manchen seiner Worte tiefe Wunden hinterlassen, die nicht verheilten. Palmer hatte es sich bei vielen Grünen unter anderem wegen seiner umstrittenen Äußerungen über ältere Menschen in der Corona-Pandemie verscherzt («Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären»).