Baden-Württemberg

Hoeneß schickt Hertha Richtung Abstiegszone

Sebastian Hoeness von Hoffenheim jubelt nach Spielende
Sebastian Hoeness von Hoffenheim jubelt nach Spielende. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa © Soeren Stache

Berlin (dpa) - Bruno Labbadia wählte klare Worte. «Es fühlt sich scheiße an», sagte der Trainer von Hertha BSC nach dem 0:3 (0:1) gegen die TSG 1899 Hoffenheim im TV-Sender Sky. Während sein Kollege Sebastian Hoeneß in der Stadt seiner Jugend mit dem ersten Sieg des Jahres seinen Posten eindrucksvoll festigte, stehen Labbadia in Berlin richtig schwere Tage bevor. Sebastian Rudy (33. Minute) und Andrej Kramaric (68./88.) erzielten am Dienstagabend im Olympiastadion die Treffer zum versöhnlichen Hinrunden-Abschluss für Hoffenheim in der Fußball-Bundesliga und beendeten vorerst die Diskussionen um die Trainer-Zukunft von Hoeneß bei der TSG.

Torwart Oliver Baumann (11.) parierte einen Foulelfmeter von Hertha-Stürmer Krzysztof Piatek. «Wir machen zu wenig Tore, das hat uns heute das Genick gebrochen», sagte Labbadia. «Momentan schaffen wir es nicht, stabil genug zu sein.» Hoffenheim sprang durch den Sieg vorerst auf Platz elf. «Ich bin stolz auf die Jungs und den Club», sagte TSG-Sportchef Alexander Rosen und verwies auf die zahlreichen Personalprobleme in dieser Saison mit Verletzungen und positiven Corona-Tests. «Große Freude ja, aber keine Euphorie.»

Bei der Hertha verschärft sich hingegen die Lage nach dem dritten Spiel in Serie ohne Erfolgserlebnis gravierend. Statt in Europacup-Regionen vorzustoßen, beenden die Berliner die erste Halbserie nur wenige Punkte vor der Abstiegszone. Der versprochene Januar-Aufschwung ist verpufft. Zum Rückrundenauftakt am Samstag gegen Werder Bremen muss Labbadia Punkte liefern. «Wir sind gefordert heute, wir wollen unbedingt den zweiten Heimsieg in diesem Jahr, das würde uns gut tun», sagte Labbadia kurz vor dem Anpfiff.

Der unbedingte Wille war den Gastgebern zunächst anzumerken. Die Hertha bestimmte die Anfangsphase, das Bemühen um einen geordneten Spielaufbau war deutlich zu erkennen. Umso bitterer für die Berliner, dass Piatek früh mit dem Elfmeter an Baumann scheiterte. Der Hoffenheimer Torwart unterstrich seinen Ruf als Elfmeter-Killer: Seit Saisonstart 2011/12 hat in der Bundesliga nur der Ex-Leverkusener Bernd Leno mehr Elfmeter (9) gehalten als Baumann (8).

Ob Bluff oder Wunderheilung - überraschend stand Matheus Cunha in der Startelf der Berliner. Tags zuvor hatte Labbadia einen Einsatz des Brasilianers in der Anfangsformation wegen dessen Leistenproblemen noch kategorisch ausgeschlossen. Der 21-Jährige ersetzte im offensiven Mittelfeld Dodi Lukebakio, mit dem Labbadia zuletzt unzufrieden war. Lukebakio wurde in der 60. Minute ebenso wie der 17 Jahre alte Luca Netz eingewechselt. Cunha fing ganz gut an und versuchte, das Spiel der Gastgeber zu beleben und zu inspirieren, leiste sich aber auch die eine oder andere Schwäche wie bei einem Fehlpass auf Hoffenheims Andrej Kramaric, der folgenlos blieb (42.).

Nicht so dagegen zuvor, als sich Maximilian Mittelstädt von Christoph Baumgartner düpieren ließ - und Rudy den Berliner Schlussmann Aleander Schwolow überwand. Doch Hertha hatte nicht nur wegen des Elfmeters die besseren Möglichkeiten. Vor allem Jhon Cordoba (17./Ball nicht getroffen, 22./Fallrückzieher, 31./Kopfball) hätte vor der Halbzeit treffen müssen. «Da hat uns der nötige Killerinstinkt gefehlt. Aus den Chancen muss man dann auch mal ein Tor machen», sagte Hertha-Sportdirektor Arne Friedrich zur Pause.

Nach dem Wechsel war es zwar erneut Cordoba, der Chance Nummer eins hatte, aber insgesamt war das Auftreten der Berliner zu ideenlos und unkreativ. So sehr Labbadia an der Linie auch gestikulierte, seine Mannschaft schien er nicht so recht zu erreichen. Hoeneß dagegen, der mit 17 Jahren nach Berlin kam, durfte noch über zwei weitere Treffer jubeln, als Kramaric sieben Meter vor dem Tor aus der Drehung traf und kurz vor dem Ende per Freistoß auf 3:0 erhöhte.