Baden-Württemberg

Hoffenheim in Dortmund: Gute und schlechte Erinnerungen

Lewandowski (l) von München und Havard Nordtveit von Hoffenheim
Robert Lewandowski (l) von München und Havard Nordtveit von Hoffenheim kämpfen um den Ball. Foto: Sven Hoppe/dpa © Sven Hoppe

Zuzenhausen (dpa) - Borussia Dortmund gegen die TSG 1899 Hoffenheim - da war doch immer was? Fan-Schmähungen im Stadion gegen ihren Mäzen Dietmar Hopp haben die Kraichgauer in der Bundesliga-Partie am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim BVB in Geisterspielzeiten nicht zu befürchten. Trainer Sebastian Hoeneß, ohnehin erst seit vergangenen Sommer im Amt, plagen zudem ganz andere Sorgen: Der Tabellenzwölfte, zuletzt zuhause mit einem 1:3 gegen Eintracht Frankfurt, muss bei den offensivstarken Dortmundern um Superstürmer Erling Haaland irgendwie endlich seine Abwehr dicht bekommen.

Am letzten Spieltag der vergangenen Saison triumphierten die Hoffenheimer - nach vier Toren von Andrej Kramaric - mit 4:0 im Signal Iduna Park. Zudem war der letzte Spieltag 2012/13 ein Tag für die TSG-Historie, als man sich mit einem 2:1-Sieg bei der Borussia in die Relegation rettete. Von solchen Glanztaten ist der Club seit dem 4:1-Erfolg gegen den FC Bayern Ende September derzeit weit entfernt.

Vor allem die personell gebeutelte Abwehr macht Hoeneß zu schaffen. 37 Gegentore hat sein Team bereits kassiert, nur der FSV Mainz 05 und FC Schalke 04 (52) sind schlechter. «Es ist so, dass es zu einfach geht. Der Gegner besticht häufig durch seine Effizienz gegen uns», sagte Hoeneß. Parallelen zu den Dortmundern, die als derzeit Sechster ebenfalls hinter den Erwartungen zurückliegen, will der 38-Jährige aber nicht ziehen: «Sicher stehen die Dortmund wie wir nicht da, wo man hin will. Aber die Gründe sind differenziert zu betrachten.»

Mit dem Norweger Havard Nordtveit (Mittelfußverletzung) hat Hoeneß den nächsten längeren Ausfall eines Defensivspielers zu beklagen. Ermin Bicakcic (Kreuzbandriss) sei auf einem guten Weg, so Hoeneß: «Vielleicht klappt es in dieser Saison noch, da muss man einfach abwarten und Geduld haben.» Dennis Geiger und Kevin Akpoguma (beide Muskel- und Sehnenverletzung) sollen in zehn bis 14 Tagen beziehungsweise in drei bis vier Wochen ins Mannschaftstraining zurückkehren. Nicht absehbar ist dies bei Kapitän Benjamin Hübner, der wegen einer Fußverletzung noch kein einziges Saisonspiel bestritten hat. So wird in Dortmund wohl wieder Ex-Kapitän Kevin Vogt die Hintermannschaft organisieren.

Hoeneß hätte in seiner ersten Spielzeit gerne vor der berühmten «Dortmunder Wand» gespielt, das leere Stadion hat aber für die Hoffenheimer ein Vorteil: Lautstarke Schmähungen gegen ihren Mäzen und Mehrheitseigner sind dieses Mal nicht zu befürchten. Die Dauerkritik von BVB-Fans am Konstrukt der TSG und an Hopp kann der Chefcoach «in der Nachbetrachtung nicht nachvollziehen».

Nachdem die Kraichgauer schon seit 2008 in der Bundesliga spielen, «kann man darüber sprechen, dass die TSG eine Bereicherung darstellt», sagte er. In der Vergangenheit hatte es bei Spielen zwischen gegen Dortmund immer wieder heftige Proteste gegen Hopp gegeben, die teilweise Gegenstand von Prozessen beim DFB-Sportgericht oder bei ordentlichen Gerichten waren. «Grundsätzlich halte ich so etwas für unangebracht. Hier ging es immer um Fußball, um junge Spieler und darum, etwas zu entwickeln», erklärte Hoeneß. Und Gesellschafter Hopp komme ja aus der Region.

© dpa-infocom, dpa:210211-99-398040/3