Baden-Württemberg

Hoffnung auf Corona-Impfstoff: Land bereitet sich vor

Eine Spritze wird vor den Schriftzug «Impfung» gehalten
Eine Spritze wird vor den Schriftzug «Impfung» gehalten. Foto: Friso Gentsch/dpa/Symbolbild © Friso Gentsch

Stuttgart (dpa) - Der ersehnte Impfstoff gegen das Coronavirus ist zwar noch nicht am Markt, doch bald könnte es soweit sein - und die Vorbereitungen für seine Verteilung in Baden-Württemberg laufen auf Hochtouren. «Wir bereiten jetzt unter Hochdruck die Infrastruktur für das Impfen im Land auf, um an dem Tag startklar zu sein, an dem ein Impfstoff genehmigt wird», sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne). Viel Zeit bleibt nicht: Als erste westliche Hersteller veröffentlichten das Mainzer Unternehmen Biontech und der Pharmakonzern Pfizer am Montag vielversprechende Ergebnisse. Die Unternehmen wollen möglicherweise bereits in der kommenden Woche eine Zulassung in den USA beantragen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will nach eigenen Worten erreichen, dass Deutschland mit als erstes beliefert wird, wenn ein deutsches Unternehmen einen Impfstoff entwickelt. Lucha erklärte, der Bund werde dann die zugeteilte baden-württembergischen Impfcharge an ein zentrales Lager im Südwesten liefern, von dort werde der Anteil flächendeckend an einzelne Impfzentren gegeben. Zunächst würden für jeden der vier Regierungsbezirke im Land zwei Impfzentren aufgebaut. Diese würden dann später in einem zweiten Schritt auf alle Stadt- und Landkreise ausgeweitet werden. «Mittel- und langfristig soll die Impfung in den Arztpraxen stattfinden», sagte Lucha.

In den Zentren soll es sogenannte Impfstraßen geben - ähnlich wie in den Corona-Teststationen - mit einem Warte-, Empfangs- und Behandlungsbereich. Zusätzlich sind laut Lucha mobile Teams geplant, die zum Beispiel Menschen in Altenheimen impfen.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass Anfang 2021 ein Impfstoff vorliegen könnte. Bundesweit soll es einheitliche Richtlinien zur Impfstrategie geben. Der Deutsche Ethikrat, die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina und die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission stellten dazu am Montag ein gemeinsames Papier vor. Demzufolge sollen Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen sowie Mitarbeiter in Krankenhäusern und Pflegeheimen bevorzugt geimpft werden. Ebenso sollen Menschen in Schlüsselstellungen in der Gesellschaft und für die öffentliche Ordnung die anfangs wohl knappen Dosen zuerst bekommen, also etwa Mitarbeiter von Gesundheitsämtern und Sicherheitsbehörden, Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer und Erzieher.

Auch Lucha kündigte an, es werde abhängig von der Menge des zur Verfügung stehenden Impfstoffes in Baden-Württemberg eine Priorisierung geben. «Klar ist, dass nicht alle sofort berücksichtigt werden können», sagte der Minister. «Vorrang haben sehr alte Menschen, chronisch Kranke und auch medizinisches Personal.» Es werde keine Impfpflicht geben, betonte Lucha. Wann genau die ersten Dosen zur Verfügung stehen, sei aber noch unklar. Ausgelobt worden seien aber bereits 18 Millionen Impfbestecke, also Spritzen und Nadeln, um spätestens ab Mitte Dezember bereit zu sein.

Ein Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz sieht vor, dass der Bund die Impfstoffe beschafft und finanziert und die Länder Impfzentren einrichten. Die Impfstoffe liefern sollen die Bundeswehr oder die Hersteller. Die Dosen sollen dem Bevölkerungsanteil entsprechend an die Länder verteilt werden. Wie viele genau auf Baden-Württemberg fallen, ist noch unklar.

Die Details der Umsetzung der Impfstrategie erörtere das Land zur Zeit mit den Kommunen und den Kassenärztlichen Vereinigungen. Allerdings könne der Impfstoff auch nicht einfach «irgendwo» in einer Praxis oder einer Kaserne gelagert werden, sagte Lucha. Man brauche dafür besondere Räume mit Kühlmöglichkeiten bis zu minus 70 Grad. Lucha sprach von einer enormen logistischen Anstrengung unter Zeitdruck. «Wir werden hier glaube ich unser Meisterstück machen.»