Baden-Württemberg

Initiative: Besseren Schutz von Erntehelfern vor Corona

Erntehelfer
Ein Erntehelfer sticht Spargel auf einem Spargelfeld. Foto: Timm Schamberger/dpa/Archivbild © Timm Schamberger

Freiburg (dpa/lsw) - Die Initiative Faire Landarbeit hat an die Landwirte appelliert, Saisonarbeiter angemessen vor dem Coronavirus zu schützen. Die Fehler des vergangenen Jahres dürften nicht wiederholt werden, sagte Benjamin Luig, Koordinator der Initiative Faire Landarbeit, der Deutschen Presse-Agentur.

Er prangerte an, dass es den Landwirten weiterhin erlaubt sei, bis zu acht Saisonkräfte in einem Zimmer unterzubringen. «Das ist ein problematischer Doppelstandard zwischen dem Schutz der hiesigen Bevölkerung und dem Schutz der Saisonarbeiter», sagte Luig. Unter diesen Bedingungen könne es zu erneuten Corona-Ausbrüchen in landwirtschaftlichen Betrieben kommen.

Im vergangenen Jahr gab es Fälle in mehreren Betrieben in Baden-Württemberg. So zählten die Behörden etwa bei einem Spargelanbauer in Bad Krozingen 16 Infizierte. Ein Erntehelfer aus Rumänien, der auf dem Hof beschäftigt war, starb in der Woche vor Ostern 2020 nach einer Corona-Infektion.

Der Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, Simon Schumacher, erklärte, Erntehelfer seien in Unterkünften besser geschützt als Personen, die über Schulen, Kindergärten und Arbeit wesentlich mehr Kontakt zu potenziell infizierten Personen hätten. «Daher wird die Zusammenarbeit zwischen einheimischen Personal mit den osteuropäischen ErntehelferInnen so gering wie möglich gehalten.» Die Saisonarbeitskräfte würden üblicherweise vor der Einreise getestet, vor Arbeitsaufnahme und nach fünf Tagen. Sobald neue Mitarbeiter dazukämen, empfehle man erneute Testungen. Außerdem würden in den Betrieben zahlreiche Hygienemaßnahmen umgesetzt.

Jährlich helfen in den deutschen Landwirtschaftsbetrieben im Durchschnitt rund 300 000 Saisonkräfte. Im Südwesten sind es nach Angaben des Landesbauernverbands 50 000.

Die Initiative Faire Landarbeit ist ein Bündnis der Gewerkschaft IG Bau und von Beratungsorganisationen. Mitarbeiter der Organisationen besuchen Saisonarbeiter während der Arbeit auf dem Feld und bieten ihnen Beratung zu ihren Rechten an. Viele der Menschen, die vorrangig aus Osteuropa nach Deutschland kommen, wüssten zum Beispiel nicht, wie hoch der hiesige Mindestlohn sei, sagte Koordinator Luig. Auch seien viele Erntehelfer nicht krankenversichert oder könnten in Beratungsgesprächen zumindest nicht sagen, ob sie in Deutschland über die Betriebe versichert seien.

An Covid-19 zu erkranken sei dabei nicht das einzige gesundheitliche Risiko für Saisonarbeiter. Ihnen setze auch die Hitze und die Sonneneinstrahlung auf dem Feld zu. Oftmals würde ihnen von den Betrieben nicht ausreichend Trinkwasser zu Verfügung gestellt und es fehle an Pausen und Schatten, bemängelte Luig.

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