Baden-Württemberg

Knapp 2,5 Millionen Baden-Württemberger in Corona-Hotspots

Corona-Hotspot
Plakate erinnern in einer Einkaufsstraße an die Einhaltung der Maskenpflicht. Foto: Boris Roessler/dpa/Symbolbild © Boris Roessler

Stuttgart (dpa/lsw) - Fast ein Viertel der Menschen im Südwesten lebt wegen steigender Infektionszahlen inzwischen in Corona-Hotspots mit mehr als 200 Neuinfizierten je 100 000 Einwohner binnen einer Woche. In mehreren Stadt- und Landkreisen gelten wegen der Überschreitung der 200er-Marke schärfere Maßnahmen als die landesweiten Regelungen im Kampf gegen die Pandemie. Die Behörden in mehreren Regionen, in denen der Grenzwert erst einmal überschritten wurde, bereiten sich auf strengere Mittel vor, wie eine dpa-Umfrage am Donnerstag ergab.

Nach Angaben des Landesgesundheitsamts (Stand Mittwoch, 16.00 Uhr) liegt die Inzidenz in zwölf Kommunen in Baden-Württemberg über dem Grenzwert. Am höchsten war sie mit 337,4 in Pforzheim. Nach Daten des Statistischen Landesamts lebten in den betroffenen Stadt- und Landkreisen zusammen knapp 2,5 Millionen der mehr als 11 Millionen Baden-Württemberger. Das ist ein Anteil von mehr als 22 Prozent.

Die baden-württembergische Regierung hatte einen Erlass veröffentlicht, nach dem Kommunen mit einer 200er-Inzidenz oder darüberan drei Tagen infolge strengere Maßnahmen ergreifen müssen, als landesweit im Kampf gegen die Seuche gelten. Dazu zählen zum Beispiel nächtliche Ausgangsbeschränkungen, weiterreichende Vorgaben zur Maskenpflicht und die Schließung etwa von Friseursalons.

Solche Regelungen gelten etwa für die Städte Pforzheim, Mannheim und Heilbronn sowie die Landkreise Calw und Lörrach schon seit einigen Tagen. Die Landkreise Rottweil, Freudenstadt, Rems-Murr und Heilbronn sowie die Stadt Ulm beispielsweise bereiten strengere Maßnahmen für den Fall vor, dass die Zahlen noch zwei weitere Tage über der Marke von 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen liegen. Dann sollen die jeweiligen Verfügungen zum beziehungsweise am Wochenende in Kraft treten.

Das Landratsamt Freudenstadt will sich dabei an das Muster der Landesregierung halten, sagte eine Sprecherin. Es gebe keine lokalen Besonderheiten, die Abweichungen nötig machten. Dies gilt weitgehend auch für den Landkreis Heilbronn, dessen Verfügung ab Freitag greifen soll sowie für den Landkreis Rems-Murr, wo die schärferen Maßnahmen ab Sonntag in Kraft treten. Das Landratsamt Rottweil prüft den Angaben nach noch, welche Regelungen es erlassen will. Die Stadt Ulm kündigte für den Nachmittag eine Mitteilung an.

Sobald der Sieben-Tage-Inzidenzwert fünf Tage in Folge unter der 200er-Marke liegt, können die Kommunen ihre Allgemeinverfügung nach dem Erlass der Landesregierung wieder aufheben. Der Landkreis Calw zum Beispiel hat seine Regelungen aber schon bis zum 23. Dezember befristet mit Blick auf die dann politisch angestrebten Lockerungen der Kontakt-Beschränkungen über die Weihnachtsfeiertage. Das weitere Vorgehen sei dann von den Beschlüssen der Bundesländer mit der Bundesregierung abhängig, sagte eine Sprecherin des Landratsamts zur Diskussion über einen strengeren Lockdown.

Nach Angaben desLandesgesundheitsamts ist die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen Stand Mittwoch um 4042 gestiegen auf 174 946 seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit dem Virus stieg um 59 auf 3228. Als genesen gelten geschätzt 123 190 Menschen.

Landesweit lag der sogenannte Inzidenz-Wert bei 160,2 und damit höher als am Vortag. Alle 44 Stadt- und Landkreise liegen weiter über dem Grenzwert von 50, ab dem ein Kreis als Risikogebiet gilt. Da der Reproduktionsfaktor (R-Wert) leicht über 1,0 liegt steckt ein Infizierter im Schnitt noch mehr als eine weitere Person an.